Ein gesetzliches Mindesthonorar für Selbstständige? – Die Diskussion in der Freelance.de-Community

Anlässlich neuer Zahlen aus der Bundesagentur für Arbeit, die belegen, dass zehntausende Selbstständige in Deutschland auf Hartz IV angewiesen sind, forderte die Partei „Die Linke“ Anfang November erneut ein gesetzliches Mindesthonorar.

Die aktuelle Diskussion in unserer Freelance.de-Community macht deutlich, dass das Mindesthonorar lediglich ein Schlagwort aus einer komplexen Diskussion um die rechtlichen Rahmenbedingungen für selbstständige Arbeit in Deutschland ist.

Community Talk

Das Mindesthonorar – Wie könnte das konkreter aussehen?

Die Linke stört sich dabei vor allem daran, dass Apotheker, Anwälte oder Ärzte durch Gebührenordnungen geschützt sind, andere selbstständig Tätige aber nicht. So schlägt die Vorsitzende Katja Kipping vor, dass in Zusammenarbeit mit Berufsfachverbänden branchenspezifische Preisempfehlungen erstellt werden.

Bewusst vereinfacht gaben wir diese Fragestellung an unsere Freelance.de-Community zurück, um ein Meinungsbild davon zu erhalten, was Freelancer in Deutschland von der Idee eines Mindesthonorars halten.

Die Ergebnisse zeigen, dass Diskussionspotential da ist:

Etwa 75% der Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass die Einführung eines Mindesthonorars keine direkte Relevanz für ihre eigenen Stundensätze hätte. Während 36% unter ihnen trotzdem ein Mindesthonorar auch für Selbstständige als „gerecht“ empfinden würde, hielten 25% ein solches für „falsch“. Die 14%, die sich direkt von einer Neuregelung betroffen fühlen würden, befürworten ein Mindesthonorar überwiegend (70%), aber immerhin 30% halten es dennoch für den falschen Weg. Etwas weniger als ein Drittel aller Umfrageteilnehmer (28%) kann die Frage nicht beurteilen.

Überregulierung oder nicht

Die Antworten aus dem Freifeld zu unserer Umfrage zeigen, dass die Selbstständigen in Deutschland vor allem Schwierigkeiten bei der Umsetzung sehen oder generell nichts von einer Überregulierung halten. Für einige regelt der Markt generell die Preise, auch im Hinblick auf Stundensätze. Viele unserer Mitglieder hegen die Befürchtung, dass sich ab der Einführung eines Mindesthonorars Auftraggeber nur noch daran orientieren würden.

Interessante Beiträge, die wir zur weiteren Diskussion einfach so wiedergeben möchten:

  • Prekär bezahlte Projekte sollten nicht als „nebenberufliche Tätigkeit“ bezeichnet werden, um die üblichen realistischen Honorare zu unterlaufen, Beispiel: Texterbörsen, Lektorate von Marketing-Analysen und wo sonst noch Billiglohn als „Nebentätigkeit“ legitimiert werden soll.
  • Wer kein auskömmliches Geschäftsmodell auf die Reihe kriegt, ist als Selbständiger falsch. Hartz IV sehe ich in diesem Fall als ungerechtfertigte Subvention für Leute, die in der Selbständigkeit nichts verloren haben. Sie sollen von mir aus Mindestlohn bekommen – aber als Angestellte. So machen sie nur die Preise kaputt.
  • Wie hoch sollte denn ein solches Mindesthonorar sein? Wie würden die Betriebsausgaben berücksichtigt, die ja höchst unterschiedlich sein können, insbesondere in Abhängigkeit vom Einsatzort?

Ausblick auf das Jahr 2016

Die Diskussion zur Regelung von selbstständiger Arbeit in Deutschland wird und muss im Jahr 2016 weitergehen. In welche Richtungen es gehen wird, zeigen die Schlagworte Scheinselbstständigkeit, Pauschalierung von Krankenkassenbeiträgen, Mindesthonorar und die differenzierten Diskussionsbeiträge hier im Blog. Wir sind gespannt darauf, was sich tun wird, werden uns weiter an runden Tischen beteiligen und die Diskussion mitgestalten. Vielen Dank an unsere Community für die Teilnahme an der Umfrage und die hochwertigen Beiträge im Blog!

Dagmar Heinze

Dagmar Heinze

Ist seit dem 1. Juni 2012 bei freelance.de für das Online Marketing zuständig. "Ich freue mich bei diesem schnellwachsenden Unternehmen mitwirken zu können!"

2 Kommentare:

  1. Pingback:Mindesthonorar Newsticker - Was war und was kommen wird - Freelance.de Blog

  2. Avatar
    Walter Gögelein

    Noch haben wir die freie Marktwirtschaft, und das ist gut so. Wir haben eine starke Veränderung der Märkte. Weniger qualifizierte Kräfte werden nicht mehr benötigt! Und diese Kräfte haben auch als Freelancer keien Chance!
    Wichtiger als ein Mindesthonorar für Freelancer wäre, die „schein“ Werkverträge und viele andere ungerechtfertigte Bereicherungen der Großindurstrie zu bekämpfen!

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