Ergebnisse der Sommerumfrage 2012 – Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern

Zusammenarbeit aus Sicht der Freelancer

Fast die Hälfte der befragten Freelancer arbeitet bereits mit einem Dienstleister zusammen (48,9 %) und ein weiteres Viertel (25,7 %) plant oder wünscht sich eine Zusammenarbeit.

Betrachtet man die Tätigkeitsfelder der Freelancer im Einzelnen, so zeigt sich, dass im IT-Bereich bereits 61,9 % Erfahrungen mit Personaldienstleistern gesammelt haben. Am stärksten ist der Wunsch nach einer Zusammenarbeit im Bereich Marketing: 41,4 % planen oder wünschen sich eine Zusammenarbeit. Bei den Technikern und Ingenieuren planen 32,4 % eine zukünftige Zusammenarbeit.

Der Anteil an Freelancern, die mit einem Personaldienstleister zusammenarbeiten bzw. zusammengearbeitet haben, hat sich im Vergleich zum letzten Jahr kaum verändert. 2011 lag er bei 48,5 %.

Gründe gegen eine Zusammenarbeit aus Sicht der Freelancer

Dem gegenüber stehen 25,4 % der befragten Freelancer, die keine Zusammenarbeit mit einem Personaldienstleister anstreben. Der Grund liegt laut einem Großteil von 58,3 % der Antworten am bisher fehlenden Bedarf an einer Vermittlung. Des Weiteren gaben 30,6 % an, dass sie unpassende Angebote erhalten. Auch der finanzielle Aspekt spielt eine Rolle. 25,0 % finden die Margen der Personaldienstleister überhöht und 13,9 % möchten generell nichts von ihrem Stundensatz abgeben. Negative Erfahrungsberichte halten weitere 13,9 % von einer Zusammenarbeit ab und 15,0 % klagen über zu lange Reaktionszeiten und fehlendes Feedback.
(Mehrfachnennungen waren möglich.)

Gründe gegen Zusammenarbeit

Anforderungen an eine Zusammenarbeit aus Sicht der Freelancer

An den Anforderungen an eine (potentielle) Zusammenarbeit zeigt sich noch stärker, worauf die befragten Freelancer besonderen Wert legen. 95,8 % halten es für (sehr) wichtig, dass die Anfragen zu ihrem Profil passen. Immerhin wird ein Drittel der befragten Freelancer mindestens 1x monatlich von einem Dienstleister kontaktiert, was auch einen gewissen Zeiteinsatz erfordert. An zweiter Stelle steht die schnelle Bezahlung, 92,0 % der Freelancer halten dies für (sehr) wichtig. Auch die fachliche Kompetenz des Ansprechpartners wird von einer großen Mehrheit von 88,7 % als (sehr) wichtig eingestuft. Niedrige Margen sehen 75,3 % als (sehr) wichtig an. Die Betreuung und Kommunikation während des Projektes landen mit 63,2 % am Ende der Prioritätenliste.

Anforderungen der Freelancer
Niedrige Margen sind für viele Befragten wichtig, einen noch größeren Ausschlag für eine zufriedene Zusammenarbeit geben die Kompetenz der Ansprechpartner und eine schnelle Bezahlung.

Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit

Eine deutliche Mehrheit von 85,2 % ist mit der Zusammenarbeit zufrieden. Im IT-Bereich liegt die Quote sogar etwas höher bei 88,0 %, im Bereich Marketing sind es 73,3 %.

Im Vergleich zu den Umfrageergebnissen im Sommer 2011 hat die Zufriedenheit zugenommen. Vor einem Jahr waren 80,4 % der Befragten mit der Zusammenarbeit zufrieden.

Kritikpunkte aus Sicht der Freelancer

Während der Projektakquise sind besonders die mangelnde Betreuung und fehlende Rückmeldungen ausschlaggebende Kritikpunkte:

  • „Oft keine oder späte Rückmeldung“
  • „Häufig wechselnde Ansprechpartner“
  • „Termine werden häufig verschoben oder gar abgesagt.“
  • „Die Kommunikation während des Akquisitionsprozesses und im Fall des Nicht-Zustandekommens ist dürftig. Im Falle paralleler Anfragen muss man schließlich über den Stand – und evtl. die Gründe für das Scheitern – wissen. Ausserdem wünsche ich mir eine bessere Beratung vor Bewerbungsgesprächen beim Kunden. Oft verstehen die Vermittler die konkrete Aufgabe nicht und kennen sich im Unternehmen nicht aus.“

Neben der Betreuung wurde auch die Kompetenz des Ansprechpartners häufig erwähnt:

  • „Eine gute Zusammenarbeit wird durch eine gute Betreuung und Erreichbarkeit meines Ansprechpartners begründet. Das war nicht immer der Fall. Eine einigermaßen fachliche Kompetenz sollte auch vorhanden sein, obwohl man sich nicht mit allem auskennen kann, gerade in der IT-Branche.“
  • „Die Zusammenarbeit ist sehr unterschiedlich, es gibt wenig gute Vermittler, die sich ein klares Bild verschaffen und passgenaue Anfragen schicken, viele wissen zu wenig über ihre Kundenanforderungen und haben sich mit dem Kandidatenprofil nicht auseinandergesetzt!“

Die Höhe der Margen wird im Vergleich zur Leistung des Personaldienstleisters in folgenden Aussagen als nicht angebracht angesehen:

  • “Projekte ohne Vermittler werden bevorzugt, auch bei geringerem Tages/Stundensatz, da Erwartungshaltung des Kunden zur Rate passt. VM Margen von stellenweise 25-30% sind definitiv zu hoch, dafür, dass von VM kein geschäftliches Risiko getragen wird.”
  • “Teilweise schlechte Zahlungsmoral der VM. Nicht akzeptable Verträge.“
    „Zusammenarbeit war bisher im Allgemeinen problemlos. Allerdings muss man beim Vertragsabschluss die Augen offen halten – unfaire Bedingungen wie z.B. ein einseitiges Kündigungsrecht (d.h. der Vermittler darf den Vertrag vorzeitig kündigen, ich aber nicht) kommen leider häufig vor. Margen der Vermittler sind oft zu hoch im Vergleich zum erbrachten Aufwand.“

Auch andere Freelancer haben ein Problem mit der Vertragsausgestaltung geäußert, die als unfair empfunden wird:

  • „Die Verträge sind sehr einseitig und für den Vermittler – Nachverhandlungen sind nicht möglich – Kündigungen sind einseitig“
  • „Die reinen Vermittler versuchen, bei den vertraglichen Bedingungen die Rechte des eigentlichen Auftragnehmers (Freelancer) immer mehr zugunsten der Personalvermittlung zu beschneiden (z.B. Rechteverwertung Arbeitsergebnisse) Es ist ein Kampf die Klauseln neutral zu gestalten und man gilt dann schnell als Querulant wenn man nicht alle Rechte unentgeltlich abtreten will. Deswegen handelt es sich um kein partnerschaftliches Verhältnis mehr. Zudem leisten Personalvermittlungen idR nicht mehr, als Anfangs den Kontakt herzustellen. Verrechnung und Zahlung bisher aber immer korrekt, deshalb insgesamt noch zufrieden.“

Zusammenarbeit aus Sicht der Firmen

Um die Zusammenarbeit mit den Personaldienstleistern von allen Seiten zu beleuchten, wurden auch die teilnehmenden Firmen zu diesem Thema befragt. Fast ein Drittel (31,4 %) hat bereits Projekte über einen Personaldienstleister besetzen lassen. Gut drei Viertel der Auftraggeber sind mit der Zusammenarbeit zufrieden. 17,24 % können dies nicht bejahen.

Doch welche Aspekte schätzen die befragten Firmen als sehr wichtig für eine gute Zusammenarbeit ein? Es zeigt sich, dass auch hier die Professionalität und Zuverlässigkeit wichtiger eingestuft werden als die Höhe der Vermittlungsprovision. Die größte Bedeutung hat das passende Profil. Es ist der zentrale Aspekt der Zusammenarbeit und wird von 58,8 % der Befragten als sehr wichtig deklariert. An zweiter Stelle steht mit 47,1 % die fachliche Kompetenz des Ansprechpartners. Die schnelle Lieferung liegt mit 43,1 % nur knapp dahinter. Die Höhe der Vermittlungsprovision findet sich mit einem größeren Abstand (23,5 %) auf dem vorletzten Platz und das Profil im eigenen Format ist abgeschlagen mit 15,7 % der Antworten.

Anforderungen der Firmen

Als Gründe gegen die Zusammenarbeit nennen 37,9 % der befragten Firmen, dass sie bis jetzt keinen Bedarf hatten, 31,0 % ist die Beauftragung zu teuer und 10,3 % sind sich nicht sicher, ob die fachliche Expertise gegeben ist.

Erfolgsquote der Personaldienstleister

Im Durchschnitt haben Personaldienstleister bei der Belieferung von Projekten nach eigener Aussage eine Erfolgsquote von 46,0 %. Als häufigster Grund für ein Scheitern gaben 30,6 % an, dass ein seltener Skill gesucht wurde und weitere 30,6 %, dass das Projekt zu kurzfristig angesetzt war. Bei 27,8 % stellten unvereinbare Stundensatzforderungen das Erfolgshindernis dar.

Auch wurden unrealistische Forderungen auf Freelancer- und Firmenseite als Problem genannt:

  • “Verlangte Stundensätze, die nicht den angebotenen Skills und Verantwortungen in den Projekten entsprechen, oder die von den Firmen nicht (mehr) bezahlt werden. Selbstüberschätzung einiger Freelancer. Teils zu hohe, teils falsche/suboptimale Anforderungen der Projektanbieter an die gesuchten Freelancer.”

Fazit

Personaldienstleister behaupten ihre solide Position und zeigen leicht positive Tendenzen für die Entwicklungen in den nächsten Jahren.
Ein Großteil der Befragten Freelancer ist mit der Zusammenarbeit mit den Personaldienstleistern zufrieden – genauso wie die Peronaldienstleister positive Erfahrungen gemacht haben. Es werden einige klare Kritikpunkte geäußert, die aber unseres Erachtens nach gemeinsam von beiden Parteien konstruktiv umgesetzt werden können.

Lesen Sie auch folgende Artikel zu den weiteren Umfrage-Ergebnissen:
Teil 1: Worauf achten Firmen beim Freelancer-Profil?
Teil 3: Einschätzung der aktuellen Marktsituation.
Teil 4: Marktausblick

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