Freiheit vom Rollenklischee – Selbst ist die Frau im IT Job

Nichts hält sich so zäh wie ein gutgehegtes Vorurteil. Frauen in IT-Berufen wissen davon ein Lied zu singen und bilden nicht zuletzt deshalb in dieser Branche nach wie vor eine Minderheit. Doch einige IT-Expertinnen befreien sich bewusst von den Zwängen der männerdominierten IT-Unternehmen – und machen sich selbstständig.

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Die deutsche Wirtschaft ist weiterhin ein Paradies für Fachkräfte. So verzeichnet zum Beispiel der Hays-Fachkräfte-Index für das erste Quartal 2015 den höchsten Wert seit knapp drei Jahren. Dabei werden vor allem auch IT-Spezialisten verstärkt gesucht. Ungeachtet der kontinuierlich positiven Tendenzen partizipiert aber eine Gruppe in der IT-Branche nur sehr beschränkt an diesem Wachstum: Frauen. Deren Anteil in der IT-Branche beträgt aktuellen Schätzungen zufolge nur rund 20 %. Zwar konnten nach Angaben von BITCOM 2014 mit 23 % weiblichen Informatikstudenten im ersten Semester ein neuer Rekordwert erzielt werden, jedoch sieht es bei den entsprechenden Ausbildungsberufen mit einem Frauenanteil von nur 8 % dafür umso schlechter aus.

Gesellschaftliche Klischees

Maike KronenburgSucht man nach den Gründen für die weiterhin geringe Rolle von Frauen in IT-Berufen, stößt man schnell auf Klischees, auf Fakten und auf Klischees, die Fakten schaffen. Maike Kronenburg kennt dieses Wechselspiel aus eigener Erfahrung. Die Bielefelderin kam selbst nur über Umwege zur IT. Nach einer Umschulung zur Datenverarbeitungskauffrau war sie 14 Jahre in internationalen Unternehmen tätig, bevor sie sich 2008 mit einem EDV-Service selbstständig machte. Dass Frauen in ihrer Branche auch im Jahr 2015 noch die Ausnahme sind, hat für Maike Kronenburg in erster Linie gesellschaftliche Ursachen: „Ich denke, es liegt daran, dass den Frauen und Mädchen immer noch eingeredet wird, sie hätten kein technisches Verständnis“, so Kronenburg. „Man sollte den jungen Frauen aber vielmehr zeigen, dass die Technik kein Teufelswerk ist, und sie am Computer rumbasteln lassen.“ Dann käme die Begeisterung bei vielen Frauen von ganz allein. Denn Software zu erstellen oder Server zu administrieren ist keineswegs nur trocken, sondern interessant und abwechslungsreich. Aber der Nerd, der im Dunkeln vor zig Monitoren sitzt, ist nach allgemeiner Auffassung immer noch männlich. Und dieses Bild sollte sich durch die Presse wandeln.

Zwischen gefühlter Sekretärin und Gefahr fürs männliche Binnenklima

Eine veränderte gesellschaftliche Debatte über berufliche Rollenklischees ist dabei aber nur der erste Schritt. Denn auch in der Praxis müssen Frauen in der IT-Branche nach wie vor mit speziellen Hindernissen kämpfen. Am Telefon grundsätzlich für die Sekretärin bzw. für einen Mann gehalten zu werden, zählt für Maike Kronenburg noch zu den vergleichsweise amüsanten Problemen. Es kommt aber auch vor, dass man bei der Bewerbung für eine IT-Stelle auch deshalb abgelehnt wird, da man als Frau das Binnenklima im rein männlichen Team gefährden würde.

Barbara BeenenManche Frauen haben allerdings einen ganz besonderen Weg gefunden, um sich von den spezifischen Schwierigkeiten in der IT-Branche zu befreien: den Gang in die Selbstständigkeit. So wie auch Barbara Beenen aus Deutsch Evern, die seit 15 Jahren mit ihrem Unternehmen Beenen IT-Lösungen GmbH am Markt besteht. Die Diplom-Informatikerin hatte sich ganz bewusst für eine freiberufliche Tätigkeit entschieden: „Weil ich gerne selbst entscheiden wollte, was ich arbeite. Weil ich gerne und viel neu dazulerne. Und weil ich gerne und oft neue und interessante Aufgaben übernehme“, so Barbara Beenen. Abwechslung und Selbstbestimmung waren auch für Maike Kronenburg die maßgeblichen Kriterien, um als IT-Freelancer neu zu starten: „Ich habe jeweils sieben Jahre in zwei großen internationalen Unternehmen gearbeitet. Nach einiger Zeit wurde die Arbeit eintönig. Als Selbständige kann ich meine Tätigkeit dagegen breiter fächern und meine Projekte gezielt auswählen“, bilanziert Maike Kronenburg.

 

Selbstständig und selbstbestimmt

Ein weiterer Vorteil: Als Freiberufler können sich Frauen anscheinend auch leichter über die gängigen Rollenklischees hinwegsetzen. Diese scheinen nämlich bei der Vergabe von Freelancer-Jobs letztlich keine erkennbare Rolle zu spielen. Zumindest nach den Erfahrungen von Barbara Beenen und Maike Kronenburg. Ganz im Gegenteil: „In meiner freiberuflichen Tätigkeit hatte ich keine Probleme mit entsprechenden Klischees. Ich bin immer als gleichwertiges Teammitglied akzeptiert worden“, so Maike Kronenburg.

Vielleicht könnte also gerade eine freiberuflichen Tätigkeit für viele weibliche IT-Experten einen attraktiveren Rahmen bieten, um ihr Potenzial erfolgreich zu entfalten – losgelöst von unternehmensinternen Hierarchie- und Grabenkämpfen in einer nach wie vor männerdominierten Branche. Und die Perspektiven scheinen in diesem Bereich besonders gut – auch für Frauen. Denn gerade Freiberufler bilden inzwischen für viele IT-Unternehmen einen wesentlichen Bestandteil im Sourcing-Mix. Und ihre Bedeutung für die Unternehmen wird in Zukunft noch weiter steigen. Zu diesem Ergebnis kam die Studie „IT-Freiberufler 2015“ im Auftrag der COMPUTERWOCHE. Derzufolge messen mit Blick auf die nächsten zwei Jahre knapp 55 Prozent der befragten Entscheider in IT-Unternehmen Freiberuflern in ihrem Mitarbeiter-Mix eine eher große bis sehr große Bedeutung in ihrer Sourcing-Strategie bei. Nur ein Beispiel, das zeigt: Es kann sich also auch künftig für Frauen lohnen, in der IT-Branche in jeder Hinsicht ihren eigenen Weg zu gehen. Selbstständig und selbstbestimmt. Und frei von klassischen Rollenklischees.

Auf Freelance.de sind derzeit ca. bisher 27 % weiblicher Nutzer registriert.

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Presse

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