HR in Zeiten von Covid-19 – So sieht die Arbeit der Recruiter aus

Seit einiger Zeit steht die Welt durch die Corona-Pandemie vor bislang ungeahnten Herausforderungen. Beruflicher Alltag, Freizeitgestaltung und soziales Miteinander – es gibt kaum einen Bereich, in dem man die Auswirkungen des Virus nicht spürt. Auch für Human Resources Manager (HR Manager) bringt diese Zeit neue Herausforderungen mit sich. Wie diese aussehen und welche Möglichkeiten es gibt, die Corona-Pandemie auch als Chance wahrzunehmen, zeigen wir hier.

HR in Zeiten von Corona

Mit der Ausbreitung von Covid-19 ist der Ausnahme- scheinbar zum Normalzustand geworden. Ob das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, abgesagte Volksfeste, spezielle Hygieneauflagen in Schwimmbädern, Entlassungen oder Kurzarbeit – jeder ist von Corona betroffen. Besonders fatale Auswirkungen hat die Pandemie auf den Arbeitsmarkt. Geringere Auftragszahlen zwingen Arbeitgeber dazu, Kurzarbeit anzuordnen, verhindern Neueinstellungen oder führen zu Entlassungen. Dass es jedoch auch Möglichkeiten gibt, das Beste aus der Situation zu machen, beweisen Stars und Comedians, die statt in ausverkauften Hallen in Autokinos auftreten. Wir haben uns gefragt, inwieweit das Recruiting von der Corona-Krise beeinflusst wird. Wie sieht der Arbeitsalltag eines Human Resources Manager heutzutage aus? Welche anderen Wege müssen Personaldienstleister bei der Vermittlung von Jobs einschlagen? Und welche Tipps sind jetzt für HR-Manager Gold wert?

Neue Herausforderungen für Recruiter

Es sind turbulente Zeiten, in denen HR-Manager leben. Während die Corona-Krise in vielen Branchen zu einem radikalen Einstellungsstopp geführt hat, wird in anderen Branchen händeringend nach Personal gesucht. Je nach Branche müssen sich Recruiter also auf eine veränderte Situation einstellen. Gleichzeitig herrscht unter vielen Beschäftigten und Jobsuchenden Unsicherheit, so dass noch mehr Fingerspitzengefühl als sonst gefragt ist.

Als Recruiter versucht man, das Beste aus der aktuellen Situation zu machen. Dabei gilt es, nicht nur den kurzfristigen Unternehmenserfolg im Auge zu haben. Auch die Frage danach, welches Handeln jetzt sicherstellt, dass das Unternehmen auch nach der Krise nicht einbrechen wird, muss man im Hinterkopf behalten. Eine Möglichkeit: Kurzarbeit für Weiterbildung nutzen. Mitarbeiter können sich so neue Qualifikationen aneignen, Unternehmen können ihre Fachkräfte weiter behalten und sogar von deren gestiegenem Wissen profitieren.

Diese Branchen trifft es besonders hart

Inwieweit sich die coronabedingte Krise auf das Arbeitspensum von Recruitern auswirkt, hängt vor allem von der Branche ab, in der man tätig ist. Ist man Verlierer der Corona-Krise wie Luftfahrtgesellschaften, die Tourismusbranche oder Messebetreiber, kann dies für Recruiter eine kürzere Arbeitszeit als bisher bedeuten. Dahingegen fällt in Apotheken, Drogerien, Pharmabetrieben, im Lebensmittelhandel und in Logistikunternehmen jetzt mehr Arbeit für Personaler an. Davon hängt auch ab, ob HR-Manager weiterhin im Büro arbeiten oder sich weitgehend im Home-Office befinden.

Ebenso von Corona beeinflusst: die Wechselbereitschaft von Arbeitnehmern. Statt auf neue berufliche Herausforderungen und Zufriedenheit im Job, setzen Deutsche jetzt verstärkt auf Sicherheit. Experten gehen davon aus, dass sich dieses Verhalten erst dann wieder ändern wird, wenn man sich an die neue Realität gewöhnt hat. Dies ist jedoch auch von der Branche abhängig. In Krisen-Branchen gibt es aktuell weniger Bewerber als vor der Krise. Bei der Automobilbranche, im Maschinenbau und in der Exportwirtschaft ist die Zahl rekrutierender Unternehmen gefallen. Anders sieht es im E-Commerce, bei Behörden, in Krankenhäusern und im Immobiliensektor aus. Hier ist ein Zuwachs zu verzeichnen, so dass sich ein vollkommen neuer Konkurrenzkampf zwischen Großkonzernen entwickeln könnte.

Prozessoptimierung – die Krise als Chance nutzen

Eine erfolgreiche Akquise von Mitarbeitern ist über unterschiedliche Kanäle möglich. Während die einen klassische Stellenanzeigen nutzen, setzen andere auf so genanntes E-Recruiting und nutzen für die Personalbeschaffung elektronische Medien und Personalsysteme. Vor allem im Hinblick darauf, dass während der Corona-Pandemie mehr Menschen zuhause sitzen als bisher, kann es sich lohnen, seine Akquise auf Online-Jobbörsen, Social Media Kanäle und Mobile Recruiting auszuweiten. Die Vorteile des E-Recruiting liegen klar auf der Hand: größerer Bewerberpool und eine effizientere Suche nach potentiellen neuen Mitarbeitern. Dadurch gelingt es, Jobsuchende dort abzuholen, wo sie aktuell stehen. Schließlich nutzen viele zuhause oder unterwegs Smartphone, Laptop oder Computer um nach neuen Stellenausschreibungen zu suchen.

Eine weitere Sache, die ein erfolgreicher Recruiter in der jetzigen Situation tun kann: Prozessoptimierung. Dazu gehört zum Beispiel die Optimierung von Stellenausschreibungen. Worauf kommt es bei der Beschreibung an, was ist wirklich wichtig? Bei einem Gespräch mit Fachvorgesetzten und aktuellen Stelleninhabern kann ein gemeinsames Verständnis von einer erfolgreichen, aussagekräftigen Stellenbeschreibung gefunden werden. Jetzt ist auch die passende Zeit, sein Xing- und LinkedIn-Profil auf Vordermann zu bringen. Weil Recruiter Markenbotschafter sind, stehen sie an vorderster Front. Ein Blick auf das Profil des Recruiters kann Jobsuchenden direkt einen ersten Eindruck vom Unternehmen vermitteln. Also kritisch hinterfragen, wie das eigene Profil auf Bewerber wirken könnte.

Wer bislang dafür zuständig war, passende Weiterbildungen für seine Mitarbeiter zu finden, bekommt jetzt Gelegenheit dazu, auch selbst aktiv zu werden. Im reduzierten Recruiting-Modus gibt es freie Zeit, die dazu genutzt werden kann, die eigenen Recruiting-Fähigkeiten weiter auszubauen – zum Beispiel mit einer geeigneten Weiterbildung.

Diese Trends zeichnen sich ab

Für die Zukunft könnten sich im Recruiting einige Änderungen ergeben. Durch das vielerorts angeordnete Home-Office sind Unternehmen bei der Wahl ihrer Bewerber nicht mehr zu 100 % standortgebunden. Gleichzeitig werden Arbeitnehmer dadurch vor neue Herausforderungen gestellt. Was sich im ersten Moment schön anhören mag, kann einem einiges abverlangen. Im Home-Office sind Motivation, Disziplin und Selbständigkeit gefragt. Auch die Auswirkungen sinkender sozialer Kontakte im Home-Office dürfen nicht unterschätzt werden.

Glaubt man einigen Recruitern, wird sich noch ein neuer Trend abzeichnen: Es wird zu einer Fokusverlagerung von Recruiting auf Employer Branding kommen. Um sich von Mitbewerbern am Arbeitsmarkt positiv abheben zu können, werden Unternehmen verstärkt versuchen, als Arbeitgeber attraktiver zu werden. Das Ziel dabei ist nicht nur eine höhere Effizienz der Personalrekrutierung sondern auch eine dauerhafte Steigerung der Qualität von Bewerbern.

Ein Trend, der sich bereits seit einigen Jahren abzeichnet, ist die Verlagerung des Recruiting und Personalmarketing hin zu digitalen Lösungen. Die Relevanz von Online-Events, Webinaren, Online-Unternehmensporträts und Online-Imageseiten könnte jetzt noch weiter zunehmen. Glaubt man, einen passenden Bewerber gefunden zu haben, wird dieser nicht wie früher zu einem klassischen Vorstellungsgespräch eingeladen. Um unnötigen Kontakt und damit eine mögliche Ansteckung zu vermeiden, lernt man sich stattdessen im Video- oder Telefon-Interview kennen.

Ob es sich nur um kurzfristige Änderungen im HR handeln wird, kann aktuell niemand beantworten. Laut einer Umfrage unter 1.000 Personalverantwortlichen glaubt jedoch die Mehrheit, dass die Corona-Krise den Recruiting-Prozess langfristig verändern wird.

Gastautor

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