EXKLUSIV-INTERVIEW mit TOP-Virologin Prof. Dr. Protzer

Der Anteil an Remote Projekten hat in der Coronazeit deutlich zugenommen, aber so ganz langsam finden wir zurück in unseren Arbeitsalltag. Und damit verbunden stehen wir vor offenen Fragen zur Gesundheit. Um diese Fragen für unsere Freelancer zu klären, konnten wir eine der Top-Virologinnen Deutschlands gewinnen:

Prof. Dr. Protzer ist Mitglied im Expertenrat der Bayerischen Staatsregierung zur Corona-Krise sowie Direktorin des Instituts für Virologie der TUM und Leiterin am Helmholtz Zentrum München, dem Deutschen Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt.

Freelancer arbeiten oft beim Kunden vor Ort, auf was gilt es besonders zu achten?

Prof. Dr. Protzer: Bei Arbeiten im Raum bzw. wenn man den Abstand von >1,5 Metern zur nächsten Person nicht sicher einhalten kann, ist es zu empfehlen, einen Mund-Nasenschutz zu tragen und auch die andere Person zu bitten, das zu tun. Mobile Plexiglasscheiben oder auch Schutzschilde, die das Gesicht bedecken, können einen zusätzlichen Schutz darstellen. Es gibt aber leider keine Studien, die das wirklich beweisen.

Für weitere Informationen empfehle ich die FAQ Seite des RKI: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/gesamt.html; dort gibt es eine Sammlung zum Thema Infektionsschutz.

Falls z.B. Türgriffe, Geräte wie Drucker den Virus übertragen, sind Handschuhe empfehlenswert?

Prof. Dr. Protzer: Die Übertragungswahrscheinlichkeit über Oberflächen ist gering. Regelmäßiges Händewaschen bietet hier einen guten Schutz. Handschuhe sind nur bei einem besonders hohen Risiko (z.B. Arbeiten in direkter Kopfnähe anderer Personen) notwendig.

Für weitere Informationen empfehle ich die FAQ Sektion des Bundesinstitut für Risikobewertung.

Wie und wie oft sollte man seine Tastatur, das Handy-Display oder das PKW-Lenkrad reinigen? Was sind Ihre Tipps?

Prof. Dr. Protzer: Eine Übertragung ist ja nur möglich, wenn verschiedene Menschen Gegenstände oder Oberflächen anfassen, und eine davon vielleicht zuvor in die Hand gehustet oder geniest hat.

Das bedeutet: solange man seine Tastatur nicht mit anderen teilt, muss man sie auch nicht desinfizieren, gleiches gilt für Lenkrad oder Handy Display.

Klimaanlage besser ausschalten? Stoßlüften versus Dauerlüften?

Prof. Dr. Protzer: Wenn mehrere Personen sich in einem Raum befinden und einer davon infiziert wäre, dann hilft Frischluftzufuhr dabei die Viruskonzentration und damit die Ansteckungsgefahr zu verringern.  

Die Art des Lüftens hängt von der Außentemperatur und der Aufenthaltsdauer im Raum ab – aber es gilt: je mehr desto besser.

Zum Thema Schutzmasken liest man viel. Was ist Ihre Empfehlung unabhängig der gesetzlichen Vorgaben?

Prof. Dr. Protzer: Eine Mundnasenbedeckung, idealerweise in Mund-Nasenschutz, der Mund und (!!) Nase gut bedeckt und auch seitlich dass Ausströmen von Atemluft verlangsamt ist das beste. Am besten aus dichtem, evt. doppellagigem dünnen Stoff oder sogar aus einem Staubsaugerbeutel kann man das selbst nähen. Eine hochwertige Schutzmaske (FF2 oder FFP3) ist nicht notwendig, sie sollte medizinischem Personal beim Umgang mit Infizierten vorbehalten sein. Wichtig ist, dass der Mundnasenschutz auch bequem sitzt, damit man ihn korrekt aufsetzen kann und auch aufgesetzt lässt – sonst nützt er natürlich nichts.

Gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sind immer gut für das Immunsystem.

Gibt es aus Ihrer Sicht Lebensmittel oder Lebensweisen, die den Immunschutz gegen Covid 19 ausbauen?

Prof. Dr. Protzer: Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung stärkt das Immunsystem genauso wie regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf (≥7 Stunden). Unregelmäßige Essens- oder Schlafzeiten, genauso wie Übergewicht rufen Stressreaktionen hervor, die nicht nur in COVID19-Zeiten ungesund sind. Gut belüftete Lungen durch regelmäßige Bewegung sind weniger anfällig für Folgeschäden. Aber spezielle Maßnahmen, die die Immunabwehr gegen das SRAS-Coronavirus verbessern (außer einer Impfung, die wir noch nicht haben) gibt es nicht.

Die Zukunft bewegt uns alle. Uns interessiert Ihr Blick in die berühmte Glaskugel!

Prof. Dr. Protzer: Ich denke, wir müssen leider lernen mit dem Virus umzugehen und zu leben. Dabei hilft es einen kühlen Kopf zu bewahren, zwischendurch kurz nachzudenken, wo ein Risiko für sich oder auch für andere stecken könnte, und sich dann zu überlegen, wie man damit am besten umgehen kann.

Wichtig ist aber auch, dass wir wieder lernen, dass es Erkrankungen gibt, für die keiner etwas kann und die auch keiner verhindern kann. Und dass jeder nicht nur für sich alleine, sondern auch für die schwächeren Mitglieder in der Gesellschaft eine Verantwortung trägt, denn jeder kann ungewollt und ohne eigene Schuld in die Situation eines Schwächeren kommen.  Wenn uns das gelingt, dann hat die Krise wenigstens ein bischen etwas Gutes gehabt.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und Ihre ausführlichen Antworten, Frau Prof. Dr. Protzer.

Miriam Kubiczek

Miriam Kubiczek

Miriam ist seit April 2019 bei freelance.de und unterstützt uns im Marketing Team. Sie ist duale Studentin an der IUBH, bei der sie sich Wissen im Marketing Management aneignet.

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