Kreditanfragen: Darauf müssen Sie als Freelancer achten

Freelancer haben beruflich viele Freiheiten und entscheiden selbst, wann und wie viel sie arbeiten oder mit wem. Im Arbeitsalltag können diese Freiheiten sehr angenehm sein. Doch es gibt Situationen, in denen es eher hinderlich ist, selbstständig zu sein. Beispielsweise sind Banken eher zurückhaltend, wenn es um die Vergabe eines privaten oder unternehmerischen Kredits geht. Lesen Sie, welche Möglichkeiten Sie als Freelancer bei der Kreditvergabe haben und welche Alternativen es gibt.

Welche Kredite gibt es für Freelancer?

Kredite für berufliche Zwecke lassen sich in Investitions- und Betriebsmittelkredite unterscheiden. Ein Betriebsmittelkredit ist für den Kauf von Material oder Waren gedacht oder um einen finanziellen Engpass zu überbrücken. Allerdings geht diese Liquidität mit hohen Kosten einher, weil Zinsen dafür zu zahlen sind. Da hinter einem solchen Kredit kein fester Gegenwert steht, gibt es den Kredit – wie einen privaten Kredit zur freien Verwendung – gegen entsprechend höhere Zinsen. Daher ist ein solcher Kredit eher geeignet, kürzere Durststrecken zu überwinden und das Geschäft kurzfristig am Laufen zu halten.
Investitionskredite sind häufig zu Beginn der selbstständigen Tätigkeit notwendig in der Gründungsphase oder in der Wachstumsphase, wenn die vorhandenen Maschinen nicht mehr ausreichen, um die Nachfrage zu befriedigen. Mit einem Investitionskredit wachsen Unternehmen in der Regel. Für die Bank steht ein materieller Gegenwert zur Verfügung, der als Sicherheit dienen kann. Dafür geben die Banken bessere Zinsen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Unternehmer und Freelancer?

Grundsätzlich ist es für die Banken ein großer Unterschied, ob ein sich um einen Freelancer oder ob es ein Unternehmen mit Partnern oder Angestellten handelt. Einen allein arbeitender Freelancer stufen Banken mit einem höheren Risiko ein. Fällt er krankheitsbedingt aus, ist keiner da, der die Arbeit erledigt, sodass es direkt zu Einnahmeausfällen kommen kann. Ein Unternehmen mit Mitarbeitern ist gerade in dieser Situation besser abgesichert.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Krediten für Freelancer und anderen Ratenkrediten?

Wer eigenständiger Arbeit Nachgeht, hat eine unsichere Einkommenssituation, besonders am Anfang der Tätigkeit. Die Einnahmen unterliegen unter Umständen starken Schwankungen im Verlauf eines Jahres. Das lässt für die Geldinstitute das Ausfallrisiko erheblich ansteigen, weshalb sie strengere Richtlinien erheben. Obendrein kann das Einkommen nicht als Sicherheit gelten, weil die Freelancer oft selbst nicht genau wissen, wie viel Geld sie in den nächsten Monaten verdienen werden.

Wie prüft die Bank die Zahlungsfähigkeit?

Für Arbeitnehmer ist es einfach, mit der Entgeltbescheinigung ihr Einkommen nachzuweisen. Freelancer müssen umfangreichere Unterlagen vorlegen. Außerdem prüft die Bank die betriebswirtschaftliche Auswertung, anhand derer sie die kurz- und langfristige Zahlungsfähigkeit berechnet. Zudem führt die Bank einen Bonitätscheck bei der Schufa durch, um zu sehen, wie es um das Zahlungsverhalten in der Vergangenheit bestellt war. Manchmal kann es vorkommen, dass bei der Schufa falsche Daten eingetragen sind und ein Kunde negative Merkmale hat, die nicht oder nicht mehr richtig sind. Jeder kann einmal im Jahr eine kostenlose Selbstauskunft bei der Schufa einholen und selbst nachsehen, was dort alles über ihn gespeichert ist. Sind dort unrichtige Einträge, kann der Betroffene eine Löschung bei der Schufa beantragen. Dazu sind entsprechende Nachweise einzureichen. Das kann die Chancen auf eine Kreditvergabe erheblich erhöhen. Für die gespeicherten Daten gibt es bestimmte Löschfristen, sobald sie erledigt sind. Grundsätzlich sollten Daten, die schon länger als erledigt gelten, nach längstens drei Jahren aus der Schufa entfernt werden.

Warum zögern Banken bei der Kreditvergabe an Freelancer?

Wer eine Festanstellung in einem Unternehmen hat, erhält jeden Monat sein Gehalt. Für die Banken bedeutet dies ein hohes Maß an Sicherheit für die Rückzahlung eines Darlehens. Das ist eine wirtschaftlich sinnvolle Denkweise. Bei einem Angestellten in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis ohne Einträge in die Schufa sind die Voraussetzungen optimal für einen Kredit. Bei Freelancern ist das monatliche Einkommen meist wesentlich höher. Dennoch lehnen die Banken sie oft ab. Der Grund liegt darin, dass die Einkünfte einerseits in der Höhe variieren und nicht jeden Monat gleich hoch sind. Zudem ist das Einkommen nicht langfristig abgesichert. Je nach Auftragslage kann es im Jahresverlauf zu starken Schwankungen kommen. Für Unternehmer ist das der Normalzustand. Sie wissen damit umzugehen und wissen, dass es zwischen finanziell auch eng werden kann. Daher ist der Bonitätsscore oftmals eher mäßig. Manchmal zahlen die Kunden einfach viel zu spät ihre Rechnungen, sodass die Freelancer dann selbst in Zahlungsverzug kommen.

Welche Voraussetzungen müssen Freelancer erfüllen?

Banken wollen das Ausfallrisiko so gering wie möglich haben. Deshalb verlangen sie von Selbstständigen andere Sicherheiten als von Kreditnehmer in einem festen Arbeits- oder Angestelltenverhältnis. Um ihr Einkommen nachzuweisen, müssen sie nicht ihre Kontoauszüge vorlegen, sondern Einkommensteuerbescheide, betriebswirtschaftliche Auswertungen und Einnahmen-Überschuss-Rechnungen. In den meisten Fällen verlangen die Banken weitere Sicherheiten, um ihr Geld auch bei Zahlungsschwierigkeiten zurückzuerhalten. Das können weitere Immobilien oder Grundbesitz sein, eine Risikolebensversicherung, Spareinlagen oder Wertpapiere.
Für einen erfolgreichen Kreditantrag sind bestimmte Nachweise und Dokumente notwendig. Diese sollten aktuell sein.

Dazu gehören:
– Einkommensteuerbescheide der letzten Jahre
– Einnahmen-Überschuss- oder Gewinn- und Verlustrechnung
– Betriebswirtschaftliche Auswertungen basierend auf Bilanzen
– Jahresabschlussrechnungen
– Offenlegung der weiteren Verbindlichkeiten, beispielsweise Informationen zu laufenden Krediten

Weitere Voraussetzungen für die Kreditvergabe:
– Geschäftssitz in Deutschland
– Nachweis über dauerhafte Tätigkeit seit mindestens zwei oder drei Jahren
– Gute Bonität mit einwandfreiem Schufa-Score

Wie können Freelancer ihre Chancen bei der Kreditvergabe steigern?

Um die Wahrscheinlichkeit einer Zusage zu erhöhen, ist es sinnvoll, mit einer anderen Person zusammen den Kreditantrag zu stellen. Damit verbessern sich in der Regel auch die Konditionen. Dabei ist es sinnvoll, dass diese Person ein monatliches Einkommen aus einem Arbeits- oder Angestelltenverhältnis bezieht und regelmäßige, feste Einkünfte hat. Auch andere Personen, die die Rolle des zweiten Kreditnehmers oder des Bürgen übernehmen wollen, sollten diese Voraussetzung erfüllen. Manchmal erhalten Freelancer allein keinen Kredit. Steht ein Bürge im Vertrag, muss dieser bei Zahlungsausfall die Kreditrückzahlung übernehmen.

Was müssen Freelancer bei einem Kreditvergleich beachten?

Wichtigstes Kriterium bei einem Kreditvergleich, egal ob als Freelancer, Unternehmer oder Privatperson, ist der effektive Jahreszins. In diesem Wert sind nicht nur die Zinsen enthalten, sondern auch alle Kreditkosten. Auch die Laufzeit ist wichtig. Denn hier gilt die Faustregel: Je länger die Laufzeit ist, umso niedriger sind zwar die Raten, allerdings steigen die Gesamtkosten für den Kredit ganz enorm. Bei der Ratenhöhe gilt es zu bedenken, dass das Einkommen monatlichen Schwankungen unterworfen ist, das Geld für die Monatsraten jedoch auf jeden Fall da sein muss. Deshalb ist es wichtig, die Ratenhöhe so zu wählen, dass die Rate auch bei leicht rückläufigen Einnahmen noch bezahlbar ist.

Wie können Freelancer auch ohne Bank einen Kredit bekommen?

Manchmal haben Freelancer keine andere Wahl, als auf Kredit von privat zurückzugreifen. In verschiedenen Portalen finden sich auch private Geldgeber, die einen Kredit vergeben. Dabei sind die Rahmenbedingungen häufig wesentlich flexibler als bei einer Bank. Schwankende Einnahmen stellen hier häufig kein Problem dar.

Gibt es Alternativen zum Bankdarlehen?

Neugründungen in Deutschland finanzieren sich weniger aus eigenen Ersparnissen. Existenzgründer und Freelancer haben die Möglichkeit, ein Darlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zu beantragen. Diese Kredite mit EU-Förderung sind speziell für Gründer gedacht, die ein Unternehmen aufbauen wollen. Davon könne die Selbstständigen Betriebsmittel kaufen, ihr Personal bezahlen oder in Maschinen, Fahrzeuge oder Software investieren. Der Vorteil von KfW-Darlehen sind die niedrigen Zinsen. Bei der KfW gibt es für Gründer unterschiedliche Förderprogramme, die sich vor allem in der Höhe der Kreditsumme unterscheiden. Es gibt Kredite mit einem Volumen bis 100.000 Euro aber auch größere Kredite mit einer maximalen Kredithöhe von 25 Millionen Euro.

Neugründungen in Deutschland finanzieren sich weniger aus eigenen Ersparnissen.

Der Bausparvertrag ist ebenfalls eine Alternative für Freelancer. Damit lassen Projekte rund ums Eigenheim verwirklichen. Bei Vertragsabschluss wird eine Bausparsumme vereinbart. Der Bausparer zahlt über eine festgelegten Zeitraum, meist sind es sieben bis acht Jahre, jeden Monat in den Vertrag ein, bis 40 Prozent der Bausparsumme erreicht sind. Über die fehlenden 60 Prozent gibt es dann einen sehr günstigen Kredit. Bei einem Bauspardarlehen gelten für alle immer die gleichen Bedingungen, egal ob Arbeiter, Angestellter oder Freelancer.

Erst bei der Zuteilung spielt es eine Rolle, wie der Bausparer sein Geld verdient. Allerdings gibt es eine vereinfachte Bonitätsprüfung bei Freelancern. Die müssen lediglich ihre letzten drei Jahresabschlüsse vorlegen für das Prüfverfahren. Nachteilig bei einem Bauspardarlehen ist, dass der genaue Auszahlungszeitpunkt nicht feststeht. Es gibt in jeder Auszahlungsperiode immer nur eine bestimmte Anzahl an Krediten. Sobald der Vergabetopf leer ist, müssen alle anderen warten bis zur nächsten Zuteilungsperiode. Sie eignen sich daher eher nicht für dringende Projekte.

Fazit: Mehr Abhängigkeiten, aber viele Möglichkeiten

Freelancer haben also deutlich mehr Faktoren zu beachten, wenn es um eine Kreditanfrage geht. Aufgrund ihrer speziellen Situation sind Banken vorsichtiger, doch wer richtig vorbereitet ist hat gute Chancen. Spareinlagen, Immobilien oder eine Risikolebensversicherung bauen bei der Bank Vertrauen auf. Den Kredit gemeinsam mit einer zweiten Person oder einem Bürgen aufzunehmen ist ebenfalls sehr hilfreich. Grundsätzlich sollten auch Privatkredite oder alternative Förderkredite von der KfW keinesfalls vernachlässigt werden. So sollte der erfolgreichen Kreditanfrage als Freelancer nichts mehr im Wege stehen!

Gastautor

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