Micro-Co-Working – Zusammenarbeiten abseits der großen Metropolen

Es ist eine Frage des Lebens- und Arbeitsstils, ob sich Freelancer eher für die Arbeit im Home Office oder in einem Co-Working Space entscheiden, überwiegend beim Kunden tätig sind oder je nach Situation einen Mittelweg gehen. Wer sich für einen Co-Working-Space entscheidet, sucht häufig den kreativen Austausch mit Gleichgesinnten – oder eher das Gegenteil: ein bisschen Ruhe und Raum für Rückzug, wenn das im Home Office nicht gelingt. Immer mehr und immer unterschiedlichere Initiativen finden sich in Metropolen: Zusammenarbeiten mit Berufsanfängern aus der gleichen Branche, mit thematisch ähnlichen Start-Ups oder auch mit anderen Eltern und Kinderbetreuung vor Ort.

Aber auch außerhalb der Metropolregionen tut sich einiges. Weil Leben und Arbeiten jenseits der großen Städte eine ganz eigene Lebensqualität bedeutet und die Vernetzung der Arbeitswelt es möglich macht, von fast überall aus mit seinen Kunden in Kontakt zu bleiben, suchen immer mehr Menschen in kleinen und mittleren Städten und ländlichen Regionen den Zusammenschluss mit anderen Freelancern – und sehen sich dabei mit ganz eigenen Herausforderungen konfrontiert.

neep01

neep01 – Die Regensburger Kreativ-Community

Es ist ein kleines, zentrumsnah gelegenes Büro in Regensburg, in dem sich täglich Freelancer aus der ganzen Region zum Arbeiten einfinden. Die Hauptstadt des Bezirks Oberpfalz mit ihren knapp 150.000 Einwohnern ist die viertgrößte Stadt Bayerns und wirbt als Wirtschaftsstandort um Gründer. Karin Schnappauf, die Solo-Unternehmer und kleine nachhaltige Unternehmen bei Strategie und Kommunikation unterstützt, ist ein Mitglied der neep01-Community. Sie hat die Begeisterung für das Zusammenarbeiten im Co-Working Space gepackt: „In meinem Angestelltenleben bin ich 10 Jahre gependelt, erst nach Ingolstadt, dann nach Nürnberg. Schon allein deshalb genieße ich es, in meinem Homeoffice den kürzest möglichen Weg zum Schreibtisch zu haben. Trotzdem hab ich mich entschieden, einen Tag pro Woche im Co-Working Space zu arbeiten. Erstens, weil ich „collaborative“ Arbeitsformen spannend und bereichernd finde und zweitens, weil ich für weniger geliebte oder routinemäßige Arbeiten gern ein bisschen motivierendes Leben um mich rum habe.“

Viele Mails, viele Besichtigungen und der Oberbürgermeister – die Eröffnung von neep01

Die neeps, wie sie sich heute selbst nennen, waren anfangs vor allem im Mailkontakt. Der Arbeitstitel „BüRe“ für „Bürogemeinschaft Regensburg“ führte schnell zu „Rübe“ durch Autokorrektur oder Vertipper. Aus dem englischen Wort „neep“ für Rübe wurde dann der Name des Co-Working Space. Die Idee, Co-Working in Regensburg zu etablieren, war schon Jahre zuvor aufgekommen. Immer wieder arbeiteten wechselnde Besetzungen daran, einen passenden Raum zu finden und genügend Leute zusammen zu bringen. „Nachdem sich das nicht so einfach realisieren ließ, wurde irgendwann Probe-Co-Working im IT-Speicher, einem Gründerzentrum für ITler, angeboten, von wo aus die Initiatoren mögliche andere Objekte besichtigten“, berichtet Karin Schnappauf aus den Erzählungen der Gründer.

Im Herbst 2014 war es dann endlich soweit: neep01 eröffnete – mit fünf Arbeitsplätzen und einem Besprechungsraum mit selbstgebautem Sofa. Karin Schnappauf beschreibt die Initiative so: „Im Vergleich zu den Metropolen betreiben wir also „Micro-Co-Working“, aber diese Größe finde ich genau richtig für diesen in der konservativen Provinz doch noch neuartigen Ansatz.“ Zur Eröffnung kam dann der Oberbürgermeister, und die neeps machen seither mit Veranstaltungen und in der Presse immer wieder in ganz Regensburg auf sich aufmerksam. Größte Herausforderung ist derzeit, genügend Co-Worker zu finden, um die Finanzen stabilisieren zu können.

neep01

Der Tag im Co-Working Space

Einen richtig typischen Tag gibt es im neep01 nicht, weil die Besetzung der neeps immer wieder wechselt. Einen guten Tag kann Karin Schnappauf aber beschreiben: „Da sind wir zwischen 2 und 4 Menschen im Space. Die erste Person fängt vielleicht um 8:30 Uhr an, die anderen nach und nach. Mittags gehen wir oft gemeinsam in ein nahegelegenes Café mit kreativer und leckerer Küche, tauschen uns aus oder hecken ein neues neep-Projekt aus. Anschließend geht´s am Schreibtisch oder mit Kundenterminen im Space oder außerhalb weiter. Leute mit gemeinsamen Kundenprojekten besprechen sich dann kurz. Die frühen Vögel verschwinden so ab 15 Uhr, die anderen stellen gegen 18 Uhr fest, dass ein Feierabend doch langsam auch nett wäre.“ Dazu kommen immer wieder Tagesgäste, teilweise auch aus anderen Städten, und Freelancer, die den Besprechungsraum nur stundenweise anmieten.

Genau dieser Beratungsraum macht auch für Karin Schnappauf den Charme von neep01 aus: „Ich brauche auch regelmäßig einen Beratungsraum, der ruhig und schön, aber nicht spießig ist, der neep-Besprechungsraum ist da genau richtig. Er gibt mir auch die Möglichkeit, neue Formate für bis zu 10 Personen unkompliziert auszuprobieren, z.B. meinen Workshop Xing@work. Auch für´s neep01 konzipiere ich gerne außergewöhnliche Veranstaltungsformate, die Menschen ins Gespräch und ein gemeinsames Thema voranbringen, z.B. habe ich dafür den Sofa-Plausch entwickelt, der ca. einmal im Monat stattfindet.“ Neep01 bringt sich mit Veranstaltungen ins kulturelle Leben Regensburgs ein und versucht, mit Freelancern vor Ort auf verschiedene Arten ins Gespräch zu kommen.

Sehr positive Bilanz der neeps nach einem Jahr

„Wir sind eine kunterbunte Mischung, was unsere Berufe, unser Alter und unser Temperament angeht. Wir arbeiten alle nur zum Teil im Space, ansonsten sind wir auf Reisen, bei Kunden, im Homeoffice oder unterrichten. Summa summarum: Wir haben spannende Leute kennengelernt, grooven uns immer mehr ein und können mit der Vielfalt unserer Kompetenzen so Einiges auf die Beine stellen.“

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Bilder (c) neep01

2 Kommentare:

  1. Pingback:Co-Working abseits der Metropolen – Praxistipps aus Regensburg - Freelance.de Blog

  2. Avatar
    Johanna Bahlmann

    Super spannender Artikel: Als digitaler Nomade mit dem eigenen Laptop unterwegs sein – ob in einem trendy Café in New York oder in der Karibik am Strand. Generell gilt: Möglich und umsetzbar! Jedoch hört das Nomadentum ab dem Handling von personenbezogenen Daten auf. Die GEFTA hat sich intensiv damit beschäftigt – wie Telearbeitsplätze nach BDSG § 9 datenschutzrechtlich sicher angebunden werden.

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