Regionalität im Online-Vertrieb: Ist international immer besser?

Nicht nur für große Händler, die Produkte aus aller Welt importieren, um diese national zu vertreiben oder wiederum ins Ausland zu verschicken, ist der Onlinehandel eine optimale Plattform. Auch für kleinere Anbieter regionaler Produkte oder Dienstleistungen bietet die eigene Internetpräsenz viel Potential. Worauf kommt es hierbei an, wo liegen die Grenzen und wann ist vielleicht sogar ein internationaler Vertrieb oder eine internationale Ausrichtung sinnvoll?

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Regionalität gewinnt auch im Online-Vertrieb immer mehr an Bedeutung. Manchmal kann sich auch eine internationale Ausrichtung lohnen. stock.adobe.com © insta_photos (DATEI-NR.: 384857199)

Der Onlinehandel – Der wichtigste Vertriebsweg unserer Zeit

Der Onlinehandel ist eine noch immer rapide wachsende Branche. Wurden im Jahr 2010 noch gerade einmal 20,2 Milliarden Euro durch E-Commerce in Deutschland umgesetzt, so waren es zehn Jahre später, im Jahr 2020, ganze 72,8 Milliarden Euro. Man geht davon aus, dass sich die Zahlen in den nächsten Kahren weiterhin stark steigend verhalten werden.

Schaut man sich die Top 10 der Onlineshops in Deutschland an, so wird schnell deutlich, dass es sich hier vor allem um große Marktplätze, Supermärkte und Händler sowie globale Player handelt. Namen wie Amazon, Otto, Zalando, Ikea und H&H sind kaum überraschend. Das hängt auch damit zusammen, dass sie schon vor vielen Jahren ihren Fokus weg vom Offline- hin zum Online-Vertrieb verlegt haben. Oder dass sie, wie im Falle Amazons, schon immer auf den Online-Vertrieb ausgerichtet waren.

Warum Regionalität auch für den Onlinehandel attraktiv ist

Regionales findet sich, wenn man etwa in Deutschland durch die Online-Shoppingwelt browst, eher noch selten. Manche Dienstleister verfügen über eine – oftmals sehr einfach konzipierte und gestaltete Website –, die über die wichtigsten Informationen verfügt. Die Adresse etwa oder Öffnungszeiten und Ähnliches – die sich nicht selten aber auch nicht auf dem aktuellen Stand befinden. Noch sporadischer gesät sind Onlineshops regionaler Händler und Anbieter oder gar jener von Direkterzeugern.

Doch Regionales und der Online-Vertrieb passen besser zusammen als viele denken. Denn die Menschen legen zumindest in Deutschland viel Wert auf Regionales. 73 Prozent aller vom Bauernverband befragten Bundesbürger ist Regionalität wichtiger als der Preis oder etwa eine bestimmte Marke. Dennoch sind die Bequemlichkeiten des Shoppings von der Couch aus nicht von der Hand zu weisen. Der Bedarf an einer Kombination beider Vorlieben ist vorhanden.

Dass sich der Vertrieb von Regionalem online tatsächlich auszahlt, beweisen jüngst Plattformen, die regionale Produkte und Dienstleistungen bündeln. Derlei digitale Marktplätze erlauben es nicht nur, Interessenten in Kürze diverse regionale Angebote zu finden und sich einen Überblick über ebenjene zu verschaffen. Sie ebnen auch den Weg für kleinere Händler, sich im Online-Vertrieb mit Regionalem zu versuchen. Denn sie schaffen eine grundsätzliche Aufmerksamkeit dafür, dass neben dem Angebot großer Player inzwischen eben auch regionale Angebote vorhanden sind.

Regionale Angebote selbst online vertreiben

Wie bereits erwähnt, scheuen sich viele Anbieter regionaler Produkte noch vor dem Online-Vertrieb. Zu groß ist die Angst, in der Masse des Internets unterzugehen. Zudem kommen einem die Tiefen der Netzwelt zu unpersönlich vor. Zu kühl und fremd für das eben doch so Regionale, Nachhaltige des eigenen Angebots, scheint das Unpersönliche des Vertriebs im Internet. Hinzu kommen Ängste, wie dass die Erstellung eines professionellen Onlineshops allein, der nur ansatzweise mit der Konkurrenz mithalten kann, ein Ding der Unmöglichkeit darstellt.

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Einen eigenen Onlineshop erstellen – heute viel schneller und einfacher möglich als noch vor einigen Jahren. stock.adobe.com © mavoimages (DATEI-NR.: 270404826)

Doch von derlei Vorstellungen und Ängsten gilt es sich zu lösen. Zum einen lassen sich eigene, hochprofessionelle Onlineshops heutzutage schon recht simpel mit Hilfe diverser Anbieter erstellen. Hierbei genießt man diverse Vorteile gegenüber einer Erstellung auf eigene Faust. Zum einen geht es deutlich schneller und man muss sich nicht wirklich in die Materie einarbeiten. Zum anderen stehen hier diverse Webshop-Designs und Ähnliches nach Maß zur Verfügung, die an Qualität kaum zu überbieten sind.

Auch die Vorstellung, dass an Regionalem im Netz kein so hohes Interesse besteht ist zu entkräften. Gerade auch während der Corona-Pandemie ist das Angebot an regionalen Produkten im Netz gestiegen – wenn auch noch viel Luft nach oben besteht. Und bei Konsumenten traf diese Entwicklung auf viel Zustimmung. Nicht selten kommt es sogar zu einem Punkt, an dem die Überlegung besteht, die regionalen Angebote international zu vertreiben. Doch in welchen Fällen passiert das gehäuft? Und was ist davon zu halten?

Wenn Regionales auch international gefragt ist

Wenn sich die Menschen aus anderen Ländern für bestimmte Produkte aus einem Land oder gar einer Region interessieren, hat das in der Regel immer mit „Qualität“ zu tun. Manche Regionen sind für ihre besonderen Weine bekannt, andere für ihre hochwertigen Stoffe, die zu Kleidung verarbeitet werden.

Deutschland ist allgemein in vielen Ländern als ein Land für viele Qualitätsprodukte bekannt. Wo „Made in China“ oftmals für günstig produzierte und häufig unter schwachen Kriterien geprüfte Waren steht, ist das Merkmal „Made in Germany“ ein Verkaufskriterium für Menschen mit hohen Ansprüchen an Produktqualität.

Da sich über das Internet so unkompliziert wie möglich auch aus dem Ausland Produkte ordern lassen, wird in vielen Ländern zum Beispiel nach scharfen Messern, Kosmetika, Sportkleidung oder auch Luxusschreibgeräten aus Deutschland im Netz gestöbert. Doch es gibt noch zahlreiche andere Produkte, die oft regional produziert werden und die Menschen aus dem Ausland gerne bestellen würden. Wer Produkte herstellt oder vertreibt, die in diesen Bereich fallen, sollte seinen Online-Vertrieb auch international ausrichten.

Wann eine internationale Ausrichtung sinnvoll ist und wann nicht

Eine internationale Ausrichtung des Onlineshops ist natürlich nicht in allen Fällen sinnvoll. Zunächst einmal muss ein Blick auf die zu vertreibenden Produkte erfolgen. Eher bei Kleidung oder langlebigen Produkten als bei Lebensmitteln kommt eine internationale Ausrichtung für regionale Händler infrage.

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International lassen sich natürlich am besten nicht verderbliche, regionale Waren versenden. stock.adobe.com © Mediteraneo (DATEI-NR.: 331375388)

Denn die Produkte müssen problemlos längere Transportwege überstehen können und dürfen dabei nicht beschädigt werden oder gar ablaufen. Lebensmittel eignen sich nur dann, wenn sie eine lange Haltbarkeit aufweisen und wenn sie sich gut verpacken lassen.

Zudem spielen Faktoren eine Rolle, die nicht die Waren direkt, sondern den tieferen Sinn regionalen Produzierens betreffen. Wer regional produziert, handelt meist nachhaltig und umweltbewusst. Waren allerdings mit dem Flugzeug um die halbe Welt zu schicken, steht dieser Nachhaltigkeit entgegen.

Ins nahe Ausland jedoch, etwa in angrenzende oder auch etwas weiter entfernte europäische Länder, kann in der Regel mit Transport-LKWs (größerer Versanddienstleister) geliefert werden. Das ist zwar nicht so nachhaltig wie die Auslieferung zu den Kunden in der eigenen Stadt. Im Vergleich zum Transport per Flugzeug ist diese Lösung aber deutlich vertretbarer.

Fest steht, dass eine Ausrichtung des Online-Vertriebs in Richtung Ausland den Umsatz deutlich steigern kann. Dafür müssen die regionalen Waren allerdings schon einen gewissen Ruf haben. Dieser wiederum entsteht unter anderem durch zufriedene Kunden vor Ort in der Region, Touristen aus dem Ausland, die auf die Produkte aufmerksam werden und sie vor Ort konsumieren oder kaufen und durch Marketing im Internet. Gerade auch Letzteres ist nicht zu unterschätzen. Die sozialen Medien können dabei beispielsweise eine riesige Chance darstellen.

Wichtige Punkte beim erfolgreichen Online-Vertrieb von Regionalem

  • Wer regionale Produkte kauft, legt oft Wert auf eine genaue Nachvollziehbarkeit der Produktion sowie des Ursprungs der verwendeten Materialien oder Zutaten. Deshalb sollte auf der Website und im Onlineshop ein akribisch gestalteter und ausgearbeiteter Bereich vorhanden sein, der ebendiese Informationen anschaulich zur Verfügung stellt. Bei weiteren Fragen sollte man einfach und, zumindest an Wochentagen, zu üblichen Geschäftszeiten telefonisch sowie per Mail erreichbar sein.
  • Online vertriebene Produkte aus der Region werden in der Regel auch zu den Kunden geliefert. Kuriere der diversen Versanddienstleister fahren dabei mit Autos – oder im Falle kleinerer Briefe – mit dem Rad. Vielleicht lohnt sich ab einer gewissen Größe aber auch der hauseigene Vertrieb in die Region mit Fahrradkurieren oder E-Rollern, die im Vergleich zu Benzinern die Umwelt schonen.
  • Als zusätzliche Option, die oft vergessen wird, kann für den Bestellvorgang im Onlineshop auch die Möglichkeit integriert werden, online bestellte Produkte vor Ort in einem Ladengeschäft abholen zu lassen. So spart man sich nicht nur den Transport, es fallen hierfür auch keine Kosten für Betreiber und Kunden an und es entsteht weniger Verpackungsmüll.
  • Oft besteht bei vielen Händlern aus der Region der Wunsch, Produkte online zu vertreiben. Vielleicht kann sich mit ihnen zusammengetan und (zusätzlich zum eigenen Webshop) ein kleiner Online-Marktplatz für die Region geöffnet werden.
  • Grundsätzlich ist es für Freelancer empfehlenswert, die englische Sprache zu beherrschen. Wer einen Onlineshop besitzt und Waren sogar international vertreibt, kommt darum erst recht nicht herum. Denn Kommunikation ist gerade bei Kunden aus dem Ausland, die vielleicht noch unsicher sind, was die Bestellung betrifft, das A und O.

Ein kleiner Tipp vom freelance.de Team – der Skill Shopify kann bei diesem Thema enorm hilfreich sein.

Aber was genau ist Shopify? Der Experte Philip Zimmer klärt auf!

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