Selbstundständig – Freelancetweets 011

In der Reihe Freelancetweets kommentieren wir grandiose, aberwitzige, aber auch ganz nüchterne Tweets über das Leben als Freiberufler. Heute sprechen wir über:

Mütter vor die Tür?

Unsere erste Reaktion auf diesen Tweet war ein Schmunzeln: Da wandert eine Frau mit Babytuch, wahrscheinlich im wippenden Gang, vielleicht leise summend um ein Seminarhaus. Seltsam, wundern sich Beobachter wahrscheinlich: Was macht die denn da? Das enthüllt der Tweet erst am Ende: Sie möchte etwas hören von einem Vortrag, der im Haus gehalten wird – weil sie diesen Vortrag mitgeschrieben hat. Und weil ihr Mann ihn hält.

Und schon folgte unsere zweite Reaktion: Wir fragten uns, ob wir uns nicht aufregen müssten – zumindest ein kleines bisschen? Warum hält ihr Mann den Vortrag und nicht sie? Warum überlässt die Frau hier dem Mann das Rampenlicht und bleibt – im wahrsten Sinne – außen vor!? Oder auch: Warum kann sie nicht mit Baby teilnehmen? Sollten wir uns dafür einsetzen, dass Babys auf Konferenzen normal werden, sich niemand an leisem Glucksen und ein paar Windeln stört? Und dafür, dass Frauen gefeiert werden, wenn sie den Spagat zwischen Beruf und Familie auch schon mit ganz kleinen Babys wagen?

Eine Mutter mittendrin

Wir haben @eilalilalus tweet dann noch ein zweites Mal gelesen und uns auch mit ihren anderen tweets auseinandergesetzt – und dabei eine Frau kennengelernt, die mit Baby Kundentermine wahrnimmt und stolz und ein wenig selbstironisch ihre Erfahrungen mit ihren Followern teilt. Auf dass sich in den Köpfen von Kunden und Twitter-Usern vielleicht doch etwas tut.

Wir glauben, dass hier eine Frau ihren eigenen Weg geht und dass der schon in Kürze nicht mehr um Seminarhäuser, sondern wieder auf die Bühne führen wird. Und wir wollen es ihr selbst überlassen, zu entscheiden, ob „mittendrin sein“ in diesem Fall nicht einfach „bei meinem Baby, vor dem Seminarhaus“ heißt. @eilalilu: Glückwunsch zum Baby!

Freelancer – Drinnen und Draußen zugleich

Aber dann ist da noch die Sache mit dem „Selbstundständig“, die wir auch nicht unkommentiert lassen können. Angestellte nehmen sich meist ein bis zwei Jahre Elternzeit, erfahren von ihren Kollegen nur das Allernötigste und steigen dann abrupt wieder voll ein – oder müssen den Job eben komplett wechseln, wenn ihre zeitliche Verfügbarkeit nicht mehr zur Firma passt. Unser „Selbstundständig“ bedeutet eben auch, dass wir uns den Luxus einer langen Auszeit selbst dann nicht gönnen, wenn wir Eltern werden. Umgekehrt heißt das allerdings, dass wir auch nie ganz draußen sind: Auch wenn wir die Zeit während des Vortrags vor der Tür verbringen, sind wir beim Networking danach dabei, hören Reaktionen und Fragen und können an unseren Themen weiterarbeiten – flexibel und wann immer möglich, so wie immer eben. Und dabei im Idealfall selbstständig entscheiden, wo gerade für uns „drinnen“ und wo „draußen“ ist – ob in diesem Moment Job oder Familie im Mittelpunkt stehen.

Wie hielten/halten Sie es in der Elternzeit oder was planen Sie: Brauchen Sie Abstand? Oder noch allgemeiner gefragt: Wofür gönnen Sie sich eine Auszeit?
Twittern Sie mit Hashtag #freelancetweet Ihre Erfahrungen oder schreiben Sie uns unster team@freelance.de!

 

Kathrin Reikowski

Kathrin Reikowski

Kathrin Reikowski ist selbstständige Content Marketerin und systemische Beraterin. Sie bloggt für freelance.de und freut sich über Ihre tweets mit #freelancetweets.

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