Steigende Gründungszahlen im E-Commerce (Teil II) – Must have – die Finanzplanung

Ein Beitrag über Neugründungen in der Internetwirtschaft von Aslander & Fromeyer Vergleichsportale GmbH

Die Finanzplanung ist nicht nur elementarer Bestandteil des Geschäftsplans. Geldgeber wollen das Risiko für ihr Kapital bewerten – und brauchen dazu harte Fakten. Eine solide und nachvollziehbare Finanzplanung ist daher ein Must have für jeden Existenzgründer. Es reicht allerdings nicht aus, nur den Bedarf an Fremdkapital dem vorhandenen Eigenkapital gegenüberzustellen – die Finanzplanung sollte schon etwas genauer sein. Zu den Fremdmitteln gehören beispielsweise nicht nur Bankdarlehen, auch Förderprogramme – gespeist aus öffentlichen Töpfen (Bund und Länder) – oder Zuschüsse usw. tauchen hier auf.

Und natürlich gehört zur Finanzplanung eine Abschätzung der zu erwartenden Erträge und Ausgaben. Letztere umfassen nicht nur Miet- und Pachtzahlungen oder die Personalkosten. Auch Aufwendungen, die für Software- und Webentwicklung, die Pflege von Datenbanken, das Design bzw. Contentmanagement, SEO- und SEM-Maßnahmen oder die Programmierung von Apps anfallen, sind hier zu erfassen. Darüber hinaus gehören zu den Ausgaben auch Kosten, die das Start-up absichern – etwa Versicherungen gegen Haftpflichtrisiken oder Rechtsstreitigkeiten.

Existenzgruendung

Aufmerksamkeit sollten Existenzgründer im E-Commerce auch der Zahlungsmoral ihrer Kunden widmen. Anhand branchenüblicher Zahlen lässt sich ermitteln, wie hoch die Ausfallquoten durchschnittlich sind. Aus der Finanzplanung muss ersichtlich werden, wie dieser Aspekt aufgefangen werden soll. Und natürlich finanzieren Geldgeber Start-ups nur dann, wenn sich die Geschäftsidee als tragfähig erweist – sie in absehbarer Zeit also schwarze Zahlen schreibt. Die Finanzplanung sollte auch hier die notwendigen Fakten liefern und einen Break-even-Point in Aussicht stellen.

Finanzierungsmöglichkeiten für Gründer im E-Commerce

Die Existenzgründung im Bereich der Internetwirtschaft nur mit Eigenkapital ist sicher einer der einfachen Wege in die Selbständigkeit. Und durchaus kein Einzelfall – wie die Publikation „Gründerland Deutschland: Zahlen und Fakten“ des Wirtschaftsministeriums zeigt. Rund ein Drittel der Unternehmensgründungen kommt ohne externe Finanzierungsquellen aus. Allerdings sind viele Start-ups auf externe Finanzierungsquellen angewiesen. Bankdarlehen und Kontokorrentkredite haben hier mit zusammen 60 Prozent (KfW-Gründungsmonitor 2012) den größten Anteil. Darüber hinaus bieten sich weitere Möglichkeiten der Gründungsfinanzierung an, wie Förderkredite der KfW oder der Länder. Ebenfalls immer wieder genutzt werden Darlehen aus dem Familien- und Bekanntenkreis oder andere Formen der privaten Fremdfinanzierung.

Wird das Start-up gegründet, um den Status der Arbeitslosigkeit zu beenden, können Betroffene eine zusätzliche Kapitalquelle nutzen – den Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit. Ausgezahlt in Höhe des zuletzt in Anspruch genommenen Arbeitslosengelds (aufgestockt um einen Betrag von 300 Euro zur sozialen Absicherung), dient der Gründungszuschuss allerdings weniger der Betriebsmittelfinanzierung – sondern zur Sicherung des Lebensunterhalts.

Tipp: Seit einigen Jahren macht auch in Deutschland die Entwicklung des Crowd-Investing große Fortschritte. Hierbei finanzieren mehrere Kapitalgeber ein Start-up und sorgen so dafür, dass sich auch Nischenprojekte finanzieren lassen. Gerade für Gründungen im Bereich der Internetwirtschaft stellt das Crowd-Investing eine interessante und zukunftsweisende Finanzierungsmöglichkeit mit Wachstums- und Nachfragepotenzial dar.

Das Kreditgespräch – zwischen Erfolg und Niederlage

Existenzgründer kommen am Kreditgespräch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht vorbei. Wer damit Erfolg haben will, muss nicht nur sicher auftreten, sondern sollte auch in der Vorbereitung nicht kleckern. Zuerst muss klar sein, welche Bank in Frage kommt. Neben der klassischen Hausbank werben inzwischen auch Direktbanken um Geschäftskunden. Letzteren fehlt ein Ansprechpartner vor Ort und regelmäßige Beratung. Im Gegenzug können günstigere Konditionen winken. Parallel sind Gründer gut beraten, sich mit möglichen Stolperfallen auseinanderzusetzen. Ein Angebot vorschnell annehmen, Nebenkosten außer Acht lassen, oder einfach zu knapp kalkulieren sind Fehltritte, die später zum Problem werden.

Zur Vorbereitung gehört auch, sich mit dem Businessplan noch einmal auseinanderzusetzen, alle Fakten und Angaben zu prüfen und wichtige Zahlen im Kopf zu behalten – um im Kreditgespräch punkten zu können und auch auf mögliche kritische Nachfragen bestens vorbereitet zu sein. Gleichzeitig ist die Vorbereitungsphase die letzte Möglichkeit, um Fehler und Schwachstellen im Geschäftsplan auszubessern.

Tipp: Es zahlt sich aus, Termine mit unterschiedlichen Banken zu vereinbaren. Gründer können sich so nicht nur für das beste Angebot entscheiden, sie stärken auch ihre Verhandlungsposition im Kreditgespräch.

Während des Gesprächs sind ein sicheres Auftreten (inklusive des passenden Dresscodes), Aufmerksamkeit und natürlich ein reges Interesse an den Argumenten der Gegenseite gefragt. Existenzgründer, die Zahlen präsentieren und auf Fragen schnell Antworten und Lösungen finden, zeigen, dass sie hinter ihrem Start-up stehen. Teilnahmslosigkeit und Desinteresse erreichen dagegen schnell das Gegenteil. Ist das Kreditgespräch relativ erfolgreich verlaufen, sollten Gründer am Ball bleiben. Sind zusätzliche Dokumente nötig, ist deren zeitnahe Abgabe empfehlenswert. Und auch nach der Kreditvergabe ist der gute Draht zur Bank ratsam – um bessere Karten für spätere Finanzierungswünsche zu haben.

Eine Absage dürfen Existenzgründer keinesfalls persönlich nehmen. Die Entscheidung kann aus vielen Gründen negativ ausgefallen sein – wie mangelnden Sicherheiten, einer zu geringer Eigenkapitaldecke oder aufgrund von Fehlern im Businessplan. Die Absage sollte vielmehr der Anstoß sein, das Konzept noch einmal zu überprüfen. Und vielleicht versprechen alternative Finanzierungsquellen mehr Erfolg.

E-Commerce: Chancen und Risiken für Start-ups

Die Internetwirtschaft lockt mit Wachstumspotenzialen und ist ein Markt, der vielen Start-ups immer noch die Möglichkeit einer freien Entfaltung bietet. Bevor es allerdings soweit ist und Existenzgründer zum eigenen Chef werden, liegt meist ein langer Weg hinter ihnen. Die erste große Hürde ist oft die Formulierung und Erstellung des Businessplans. Dessen Qualität ist letztlich mit ausschlaggebend für den Erfolg des Kreditgesprächs. Und selbst, wenn dieses nicht erfolgreich verlaufen ist – den Traum vom Start-up im E-Commerce müssen Gründer deshalb noch lange nicht begraben.

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