Vom Wundern, Ärgern und Protestieren – Freelancetweets 006

In der Reihe Freelancetweets kommentieren wir grandiose, aberwitzige, aber auch ganz nüchterne Tweets über das Leben als Freiberufler.

Freelance-Tweets

Heute sprechen wir über:

Ungläubiges Staunen

Diesen Tweet wollten wir – politisches Statement hin oder her – einfach nicht unkommentiert lassen.

Wir stellten uns vor, wie da ein Freiberufler twittert, im Home Office, am Bahnhof oder neben einer Protestkundgebung herlaufend und staunt, staunt über laute, uniformierte Protestzüge und sich ärgert über einen ausgefallenen Flug, Bus-Chaos oder ein drohendes Organisationsproblem mit anderen Eltern unbetreuter Kinder. Er wundert sich als Freiberufler, warum andere Chaos machen dürfen.

Stillegen

Und dann stellten wir uns die Frage: Ja, was würde eigentlich passieren, wenn wir Freelancer streiken?

Was würde geschehen, wenn wir aus Protest den Laptop zuklappen und gehen? Wenn wir statt einem fertigen Artikel oder Designentwurf leere Streikmails an den Kunden schicken? Wenn wir aus einem Meeting aufstehen und gehen? Nicht viel? Die Öffentlichkeit würde nicht stillstehen, es gäbe kein Chaos in Großstädten, ja, schlimmer noch, kein Hahn würde danach krähen?

Wenn wir uns beim Kunden unersetzbar gemacht haben (und das haben wir doch alle!), dann würde sicherlich was ins Stocken geraten, ein Projekt in Schieflage kommen, ein Auftrag nicht ausgeliefert werden etc. Wer einen guten Bus-Faktor* hat, bringt als Einzelner auch schon mal eine ganze Abteilung, vielleicht ein Unternehmen zum Entgleisen. Aber, zugegeben, die breite Öffentlichkeit würde wohl nichts davon merken, wenn ein Freelancer streikt.

Wenn wir aber viele wären, wenn viele Experten länger schwiegen, dann… ja, dann… dann würde es das Land doch bald wieder merken. Und, ganz wichtig: Unser Protest wäre kreativer, die Schildchen bunter, die Töne wären leiser, klängen aber länger nach, mehr Medien zeigten anderen eine genauere Botschaft, die Kanäle wären sorgfältig gewählt, die Nadelspitzen pieksten an den richtigen Stellen. Wir wären bunt und informiert, nicht uniformiert.

Dürfen

Fazit:

Wir würden uns wünschen, dass gerechte Forderungen Gehör finden. Man darf protestieren. Und, ja, auch bei Freelancern zwickt es hier und da, es gibt genügend Dinge, die verbessert werden könnten.
Aber könnte Protest nicht so laufen, dass andere über das Anliegen staunen (weil es gut dargestellt ist) und sich nicht über die Leute ärgern? Das Verständnis von @jmothecellist hättet ihr dann sicher, ihr Streikenden.

* Der Busfaktor spielt nicht auf einen durch Streik ausgefallenen Bus an, sondern bezeichnet in der Softwareentwicklung die Auswirkungen auf ein Projekt, die durch den Ausfall eines Einzelnen ausgelöst werden (wenn er/sie beispielsweise vom Bus getroffen wird).

Twittern Sie mit Hashtag #freelancetweet und mit etwas Glück kommentieren wir bald auch Ihren Tweet hier bei uns im Blog.

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