Unregelmäßige Auslastung, Preisdruck und hohe Steuerabgaben gehören für viele Freelancer schon lange zum Berufsalltag. Hinzu kommt aktuell eine weitere Herausforderung, die für viele Selbstständige zunehmend zum Belastungsfaktor wird: die Projektakquise. Neue Aufträge zu gewinnen, dauert häufig länger als noch vor wenigen Jahren, Entscheidungen werden zögerlicher getroffen und die Marktbedingungen wirken insgesamt spürbar anspruchsvoller.

Genau diese Entwicklung bestätigt auch die Freelancer-Studie 2026 von freelance.de. Sie verbindet die Einschätzungen von Freelancern, Unternehmen und Personaldienstleistern mit den Plattformdaten von freelance.de und zeichnet so ein differenziertes Bild der aktuellen Marktlage. Die Ergebnisse zeigen: Der Markt steht unter Druck, die Zahl der Projekte ist rückläufig und viele Freelancer spüren die veränderten Bedingungen unmittelbar in ihrer täglichen Akquise. Gleichzeitig macht die Studie aber auch sichtbar, welche Branchen sich stabiler entwickeln, wo Nachfrage weiterhin besteht und worauf Freelancer sich jetzt einstellen sollten.
Besonders deutlich wird die angespannte Lage beim Blick auf die Erwartungen für das laufende Jahr: Knapp 70 % der befragten Freelancer rechnen 2026 mit einer eher oder sogar sehr schwierigen Auftragslage. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass sich der Markt nicht in allen Bereichen gleich entwickelt. Während einzelne Branchen ihre Nachfrage ausbauen konnten, ist das Gesamtbild von Zurückhaltung, längeren Akquisephasen und sinkenden Projektzahlen geprägt.
Projektrückgang seit 2022
Die Plattformdaten von freelance.de zeigen über die vergangenen Jahre einen deutlichen Rückgang des Projektangebots.
Während die Zahl der ausgeschriebenen Projekte 2022 mit 97.400 ihren bisherigen Höchststand erreichte, sank sie bis 2025 auf 56.000 und damit auf den niedrigsten Wert seit 2015. Dieser Rückgang verlief schrittweise: 2023 wurden noch 78.200 Projekte ausgeschrieben, 2024 waren es 65.200. Innerhalb von nur drei Jahren hat sich der Markt damit spürbar verengt.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in der Kategorie „Informations- und Kommunikationstechnologie“. Hier stieg das Projektvolumen zunächst im Zuge der Covid-19-Pandemie kräftig an: Von rund 31.000 Projekten im Jahr 2020 wuchs es bis 2022 auf etwa 47.000. Hintergrund war vor allem der starke Digitalisierungsschub in vielen Unternehmen. Seit dem Ende der pandemiebedingten Sonderkonjunktur ist jedoch ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten. 2023 sank das Volumen auf rund 34.000 Projekte, 2024 auf etwa 27.000 und 2025 schließlich auf nur noch rund 17.000. Der pandemiebedingte Aufschwung im IT-Freelancer-Markt wurde damit in den Folgejahren von einer deutlichen Abkühlung abgelöst.
Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auch in den Kategorien „Einkauf und Lagerhaltung“, „Ingenieurwesen“ und „Verwaltung“, in denen das Projektangebot ebenfalls rückläufig ist. Trotz der insgesamt rückläufigen Marktentwicklung zeigen einzelne Fachbereiche weiterhin Wachstumspotenzial. So verzeichnet die Kategorie „Recht, Personalwirtschaft und Sozialwesen“ ein deutliches Wachstum: Lag das Projektvolumen 2020 noch bei knapp 500 Projekten, überschritt es 2022 bereits die Marke von 1.000 und stieg bis 2025 auf mehr als 2.000 Projekte.
Auch die Kategorie „Sonstige“ gewinnt an Bedeutung. Sie umfasst Freelancer-Projekte außerhalb der großen Kernbereiche wie IT, Ingenieurwesen, Versicherung, Recht und Verwaltung und bündelt damit eine breite Vielfalt an Fachgebieten. Dazu gehören unter anderem Marketing und Kommunikation, Bildung und Training, Gesundheitswesen, Kunst und Medien, Produktion und Bauwesen sowie kleinere Bereiche wie Umweltwissenschaften, Transport, Landwirtschaft, Tourismus oder Sicherheitsdienste. Das Projektvolumen in dieser Kategorie stieg zunächst von rund 6.000 Projekten im Jahr 2020 auf etwa 10.000 im Jahr 2022, ging danach leicht zurück und lag 2024 bei rund 7.000. Auffällig ist jedoch der starke Anstieg im Jahr 2025 auf etwa 17.000 Projekte. Das deutet darauf hin, dass sich die Nachfrage stärker auf unterschiedliche Fachbereiche verteilt und Projekte zunehmend außerhalb der klassischen Hauptkategorien entstehen.
Hinweis: Es handelt sich hierbei um eine interaktive Grafik mit Filterfunktionen
Welche Branche bietet die meiste Auswahl an Freelancer-Projekten?
Im Rahmen der Freelancer-Studie wurden Selbstständige gefragt, aus welchen Branchen ihre Projekte in den vergangenen zwölf Monaten stammten. Im aktuellen Betrachtungszeitraum 2026 zeigen sich deutliche Verschiebungen im Vergleich zum Vorjahr: IT & Entwicklung sowie die Dienstleistungsbranche liegen nun gleichauf mit jeweils 20 %, während die IT im Jahr 2025 noch mit 29 % klar dominierte.
Auch die Dienstleistungsbranche verzeichnet einen Rückgang von zuvor 25 % auf 20 %, bleibt jedoch weiterhin eine der wichtigsten Projektquellen. Die Automobilindustrie fällt von 22 % auf 15 % zurück, ebenso wie Finanzdienstleister (15 % auf 11 %) und die Fertigungsindustrie (14 % auf 11 %).
Insgesamt wird deutlich, dass sich die Projektverteilung über die Branchen hinweg zunehmend angleicht. Während die IT weiterhin eine zentrale Rolle spielt, verliert sie an Dominanz zugunsten einer breiteren Streuung der Projekte über verschiedene Branchen. Dies deutet darauf hin, dass Freelancer zunehmend branchenübergreifend eingesetzt werden und sich die Nachfrage insgesamt diversifiziert.
Weniger Projekte, längere Akquise
Werfen wir nun einen Blick auf die Dauer der Projektakquise, die für Freelancer zunehmend herausfordernder wird. Ein neues Projekt zu gewinnen, dauert heute oft deutlich länger als noch im Vorjahr. So haben 52 % der befragten Freelancer im vergangenen Jahr lediglich ein bis zwei Projekte realisiert. Weitere 26 % kamen auf drei bis vier Projekte, 14 % auf fünf oder mehr. 8 % gaben an, im gesamten Jahr kein einziges Projekt abgeschlossen zu haben. Dabei hängt die Anzahl der umgesetzten Projekte allerdings auch stark vom jeweiligen Fachgebiet ab. Je nach Branche und Tätigkeitsprofil unterscheiden sich Projektumfang, Laufzeit und Parallelität erheblich. So ist in eher projektbasierten Bereichen wie Kunst und Kultur eine höhere Zahl parallel umgesetzter Aufträge typisch: Hier geben über 54 % der Befragten an, fünf oder mehr Projekte realisiert zu haben.
Parallel dazu zeigen die Daten zur Akquisedauer eine klare Verschiebung. 26 % der Freelancer benötigten 2026 länger als drei Monate, um ein neues Projekt zu gewinnen, gegenüber 20 % im Vorjahr. Auch der Anteil derer, die zwei bis drei Monate für die Akquise aufwenden mussten, stieg leicht von 34 % auf 36 %. Gleichzeitig gingen schnelle Abschlüsse weiter zurück: Nur noch 3 % der Freelancer fanden innerhalb einer Woche ein neues Projekt, nach 5 % im Vorjahr. Auch Akquisen innerhalb von ein bis zwei Wochen wurden seltener; hier sank der Anteil von 10 % auf 7 %.
Diese Zahlen sind mehr als reine Statistik. Sie spiegeln wider, was viele Freelancer im Alltag unmittelbar erleben: Der Aufwand für die Projektakquise steigt, Prozesse dauern länger und neue Aufträge lassen sich schwerer planbar gewinnen. Genau dieses Stimmungsbild zeigt sich auch in der eigenen Einschätzung der Freelancer zur aktuellen Marktlage.
Der Blick in die Zukunft: Sind Freelancer positiv gestimmt?
Die Studie zeigt deutlich, dass sich die aktuelle Marktlage für Personaldienstleister (PFLs) wesentlich angespannter darstellt als für Unternehmen. Während viele Unternehmen ihre Projektlage 2025 noch vergleichsweise stabil bewerten, nehmen Personaldienstleister den Markt deutlich kritischer wahr. So gaben 46 % der Unternehmen an, dass die Zahl ihrer veröffentlichten Projekte im Jahr 2025 unverändert geblieben sei. Bei den Personaldienstleistern, also Vermittlern und Agenturen, die Freelancer projektbezogen an Unternehmen vermitteln, zeigte sich hingegen ein ganz anderes Bild: 59 % berichteten von einem stark gesunkenen Projektvolumen. Weitere 16 % verzeichneten einen leicht rückläufigen Trend. Zum Vergleich: Auf Unternehmensseite lagen diese Werte bei 21 % beziehungsweise 11 %.
Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass der Wettbewerbsdruck im vermittelten Markt deutlich zugenommen hat. Personaldienstleister spüren Marktschwankungen häufig früher, weil sie näher an Ausschreibungen, Besetzungsprozessen und kurzfristigen Budgetentscheidungen agieren. Wenn Unternehmen Projekte verschieben, externe Beauftragungen zurückhaltender planen oder neue Anforderungen selektiver vergeben, trifft dies zuerst jene Marktteilnehmer, die zwischen Auftraggebern und Freelancern vermitteln. Der Markt für PDLs scheint damit nicht nur kleiner, sondern vor allem härter umkämpft geworden zu sein.
Mit Blick auf 2026 gehen die Einschätzungen weiterhin auseinander. Unternehmen zeigen sich insgesamt deutlich optimistischer: 38 % erwarten leicht steigende Projektzahlen, weitere 6 % sogar stark steigende. Zusätzlich rechnen 31 % mit einer unveränderten Entwicklung. Bei den Personaldienstleistern fällt der Ausblick deutlich verhaltener aus. Zwar rechnen auch hier 30 % mit leicht steigenden Projektzahlen, doch gleichzeitig erwarten 32 % einen leichten und weitere 11 % sogar einen starken Rückgang. Das zeigt: Während Unternehmen vorsichtig positiv auf das kommende Jahr blicken, bleiben Personaldienstleister deutlich skeptischer.
Für Freelancer bedeutet das ein gemischtes Bild. Einerseits gibt es auf Unternehmensseite wieder mehr Zuversicht für die kommenden Monate. Andererseits bleibt der Markt insbesondere dort angespannt, wo Projekte über Vermittler und Agenturen vergeben werden. Umso wichtiger wird es, die eigene Positionierung zu schärfen, Sichtbarkeit aufzubauen und die Akquise aktiv zu steuern. In einem Markt, der für Personaldienstleister zunehmend umkämpft ist, kann eine klare Profilierung zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden.
Was Freelancer jetzt tun sollten, um auch in einem schwierigen Markt erfolgreich zu bleiben
Um auch in einem anspruchsvolleren Marktumfeld erfolgreich zu bleiben, sollten Freelancer gezielt an mehreren Stellschrauben ansetzen. Ein naheliegender erster Schritt ist ein gepflegtes und aktuelles Freelancer-Profil.
Gerade Referenzen, Projekterfolge und ein klar beschriebenes Leistungsangebot spielen bei der Entscheidung von Auftraggebern eine wichtige Rolle. Ein Profil sollte deshalb nicht nur vollständig, sondern auch konkret sein. Statt allgemein von „langjähriger Erfahrung“ zu sprechen, wirkt ein Satz wie „Ich unterstütze Unternehmen seit fünf Jahren bei der Einführung von SAP-basierten Einkaufsprozessen“ deutlich greifbarer.
Wer wissen möchte, was ein besonders attraktives Profil bei freelance.de ausmacht, erhält in unserem kostenlosen Online-Webinar, das einmal pro Quartal stattfindet, praktische Tipps zur optimalen Profilgestaltung und Sichtbarkeit.
Eine eindeutige Positionierung ist entscheidend für den Erfolg als Freelancer
Doch ein gutes Profil allein reicht nicht aus. Wer langfristig sichtbar bleiben und gezielt die richtigen Kunden ansprechen will, muss auch an der eigenen Positionierung arbeiten. Entscheidend ist, wofür man stehen möchte und warum Auftraggeber sich genau für diese Expertise entscheiden sollten. Hilfreich ist dabei eine klare Spezialisierung, zum Beispiel nicht nur als „Marketing-Freelancer“, sondern als „B2B-Content-Spezialist für erklärungsbedürftige Tech-Produkte“ oder nicht nur als „IT-Berater“, sondern als „Freelancer für Cloud-Migration im Mittelstand“. Wie eine solche Positionierung in vier konkreten Schritten gelingt, zeigt unser Blogartikel zum Personal Branding praxisnah.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der gezielte Einsatz von KI-Tools im Arbeitsalltag
KI-Tools haben die Art, wie Freelancer arbeiten und akquirieren, grundlegend verändert. Sie sollten systematisch eingesetzt werden, ob bei der Angebotserstellung, der Recherche oder der Kommunikation mit potenziellen Kunden. Welche Tools sich in der Praxis wirklich bewährt haben und wie sie konkret bei der Projektakquise helfen, zeigt dieser Leitfaden mit 15+ Tools für eine erfolgreiche Projektakquise
Gleichzeitig bleibt Weiterbildung ein entscheidender Faktor für langfristigen Erfolg
In einem dynamischen Marktumfeld ist es wichtig, Kompetenzen kontinuierlich auszubauen und auf neue Anforderungen zu reagieren. Wer gezielt in seine Fähigkeiten investiert, stärkt nicht nur die eigene Positionierung, sondern erhöht auch die Attraktivität für Auftraggeber. Warum Weiterbildung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist, beleuchtet dieser Blogartikel zur strategischen Weiterbildung ausführlich.
Mindestens genauso wichtig wie fachliche Stärke ist der persönliche Austausch innerhalb der Branche. Viele Aufträge entstehen nicht über Plattformen, sondern über Empfehlungen, Gespräche und das Vertrauen, das sich über Zeit aufbaut. Wer sein Netzwerk aktiv pflegt und sich in relevanten Communities bewegt, ist oft früher im Gespräch als andere. Genau das kann den entscheidenden Unterschied machen.

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Kundenpflege als nachhaltige Akquisestrategie
Abschließend lohnt ein Blick zurück: Bestehende und frühere Kundenbeziehungen sind mit das wertvollste Kapital, das ein Freelancer hat. Ein kurzer Austausch, ein gezieltes Update zu neuen Leistungen oder ein einfaches Nachfragen können ausreichen, um ehemalige Kontakte wieder zu aktivieren. Wer diese Verbindungen regelmäßig und authentisch pflegt, legt damit oft den Grundstein für den nächsten Auftrag.
Fazit
Die Freelancer-Studie 2026 zeichnet ein klares Bild. Der Markt bleibt angespannt, die Akquise dauert länger und für Freelancer ist es deutlich schwieriger geworden, neue Projekte zu finden. Dennoch gibt es Anlass für vorsichtigen Optimismus, denn ein Teil der Unternehmen rechnet für 2026 wieder mit steigenden Projektzahlen. Für Freelancer ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um aktiv zu werden: Wer seine Sichtbarkeit erhöht, sein Netzwerk pflegt und mit einer klaren Positionierung im Markt präsent ist, schafft die besten Voraussetzungen, um von einer möglichen Belebung frühzeitig zu profitieren.



