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2026 und der Gender-Pay-Gap bei Freelancern ist noch immer Realität. Weibliche Freelancer verdienen im Schnitt 96,69 Euro pro Stunde, männliche 103,06 Euro. Das sind 6,37 Euro weniger, jede Stunde, jeden Auftrag. Zwar ist die Lücke gegenüber den Vorjahren geschrumpft, von 11 Prozent in 2024 und 2025 auf jetzt 6,2 Prozent, aber geschlossen ist sie damit nicht.
Solange die Lohngleichheit noch nicht erreicht ist, besteht weiterhin ein strukturelles Problem. Unsere Freelancer-Studie 2026 liefert die Zahlen dazu. Sie zeigen, wo der Gender-Pay-Gap besonders ausgeprägt ist, in welchen Bereichen Frauen ihn bereits überwunden haben und was sich tun lässt.

Der aktuelle Stand: 6,2 Prozent Unterschied
Der Gesamtdurchschnitt zeigt eine klare Richtung. Seit 2023 entwickelt sich der Gender-Pay-Gap bei Freelancern kontinuierlich nach unten. 2026 liegt er bei 6,2 Prozent, nachdem er in den beiden Vorjahren noch konstant bei 11 Prozent stand. Der Rückgang im letzten Jahr ist der stärkste seit Beginn der Erhebung.
Allerdings sagt der Durchschnittswert wenig darüber aus, wie groß die Unterschiede in einzelnen Fachgebieten tatsächlich sind. Im Bereich Verwaltung etwa verdienen männliche Freelancer im Schnitt 104,97 Euro pro Stunde, weibliche nur 66,57 Euro. Das entspricht einem Gender-Pay-Gap von fast 37 Prozent.
Ein Blick auf die einzelnen Fachgebiete zeigt, dass das Bild weitaus differenzierter ist als der Gesamtwert vermuten lässt.
In diesen Bereichen verdienen weibliche Freelancer mehr als ihre männlichen Kollegen
Nicht überall verdienen Männer mehr. In IT, Coaching und Kunst & Kultur liegt der Stundensatz von Frauen über dem ihrer männlichen Kollegen. Im Coaching verdienen Frauen im Schnitt 118,48 Euro pro Stunde, Männer 115,18 Euro. In der IT sind es 103,82 Euro gegenüber 101,74 Euro.
Was diese Bereiche verbindet: Spezialisierung und nachgewiesene Expertise bestimmen den Stundensatz stärker als in anderen Fachgebieten. Wer seinen Marktwert klar benennen und verhandeln kann, setzt sich durch, unabhängig vom Geschlecht.
Noch deutlicher wird der Gender-Pay-Gap, wenn man nicht nach Fachgebiet, sondern nach Berufsstatus unterscheidet.
Nebenberuflich Selbstständig: Hier ist die Lohnlücke am größten
Ein besonders auffälliges Ergebnis der Freelancer-Studie zeigt sich beim Blick auf den Gender-Pay-Gap nach Art der Selbstständigkeit. Während der Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Freelancern bei hauptberuflicher Selbstständigkeit vergleichsweise gering ausfällt, ist die Lohnlücke bei nebenberuflicher Selbstständigkeit deutlich größer.
Bei hauptberuflich selbstständigen Frauen liegt der Gender-Pay-Gap bei 3,2 Prozent. Unter nebenberuflich selbstständigen Frauen beträgt er hingegen 20 Prozent. Konkret bedeutet das: Frauen, die nebenberuflich freelancen, erzielen im Schnitt 75,49 Euro pro Stunde, Männer hingegen 94,45 Euro.
Warum der Unterschied zwischen haupt- und nebenberuflich selbstständigen Freelancern so deutlich ausfällt, lässt sich aus den Daten allein nicht abschließend erklären. Möglich ist jedoch, dass viele Frauen ihre Selbstständigkeit zunächst nebenberuflich aufbauen und sich bewusst für eine hybride Arbeitsform entscheiden. In dieser Phase stehen häufig der schrittweise Einstieg, erste Projekterfahrungen oder zusätzliche Einkommensmöglichkeiten im Vordergrund, nicht zwangsläufig die maximale Stundensatzoptimierung. Auch Faktoren wie verfügbare Zeit für Akquise, Verhandlungsspielräume oder die Auswahl besonders hoch vergüteter Projekte können dabei eine Rolle spielen.
Das Ergebnis macht deutlich: Der durchschnittliche Gender-Pay-Gap von 6,2 Prozent bildet nur einen Teil der Realität ab. Je nach Erwerbsform zeigen sich erhebliche Unterschiede und gerade bei nebenberuflich selbstständigen Frauen fällt die Lohnlücke deutlich größer aus.
Stundensatzanpassungen: Frauen erhöhen häufiger
Ein weiterer Befund aus der Freelancer-Studie zeigt: Weibliche Freelancer haben ihre Stundensätze im vergangenen Jahr etwas häufiger erhöht als männliche Freelancer. 26 Prozent der Frauen gaben an, ihren Stundensatz angehoben zu haben. Bei den Männern waren es 24 Prozent.
Gleichzeitig zeigt sich auch bei den Senkungen ein Unterschied: 17 Prozent der männlichen Freelancer haben ihren Stundensatz reduziert, bei den Frauen waren es 14 Prozent. Frauen passen ihre Stundensätze damit nicht nur häufiger nach oben an, sondern reduzieren sie auch seltener.
Diese Entwicklung kann ein Hinweis darauf sein, dass weibliche Freelancer zunehmend selbstbewusster in Preisverhandlungen auftreten und ihre Leistungen stärker wertorientiert einpreisen. Zugleich liefert das Anpassungsverhalten eine mögliche Erklärung dafür, warum der Gender-Pay-Gap in der aktuellen Freelancer-Studie geringer ausfällt als im Vorjahr: Wenn Frauen ihre Stundensätze häufiger erhöhen und seltener senken, kann sich die Lohnlücke zwischen weiblichen und männlichen Freelancern schrittweise verringern.
Was Freelancerinnen konkret tun können
Die Zahlen belegen, dass der Gender-Pay-Gap im Wandel ist. In bestimmten Bereichen existiert er kaum, in anderen ist er erheblich. Was weibliche Freelancer selbst beeinflussen können, ist vor allem der eigene Stundensatz.
Der erste Schritt ist eine realistische Kalkulation. Wer seinen Stundensatz nicht regelmäßig überprüft, orientiert sich oft an alten Werten, die weder die eigene Erfahrung noch die Marktentwicklung widerspiegeln. Vergleichswerte aus unserer Freelancer-Studie liefern eine konkrete Grundlage dafür.
Der zweite Schritt ist die Kommunikation des eigenen Werts gegenüber Auftraggebern. Ein höherer Stundensatz muss begründet werden, durch Erfahrung, Spezialisierung und nachweisbare Ergebnisse. Wer nicht aktiv verhandelt, überlässt die Preissetzung dem Gegenüber.
Fazit
Der Gender-Pay-Gap bei Freelancern ist 2026 so klein wie nie zuvor. 6,2 Prozent Unterschied im Gesamtdurchschnitt sind ein anderer Wert als die 11 Prozent der Vorjahre. Geschlossen ist die Lücke damit nicht.
Die Daten zeigen, dass der Gap je nach Fachgebiet und Arbeitsmodell stark variiert. Wer hauptberuflich freelancet und seinen Stundensatz aktiv kalkuliert, ist näher an der Gleichstellung als der Durchschnitt vermuten lässt.
Der Trend geht in die richtige Richtung. Die Lücke bleibt trotzdem noch immer bestehen.
