Interview: Business Coach – Ein Experte erzählt

Häufig kommt es in Firmen vor, dass ein tolles Projekt mit vielen Verbesserungen geplant ist. Doch nicht immer werden sich alle Mitarbeiter über die Vorgehensweise einig. Genau in diesen Momenten braucht es jemanden, der einen kühlen Kopf bewahrt und eine externe Meinung einbringen kann. Dies übernehmen beispielsweise Business Coaches wie Herr Moser. Er beantwortet uns in einem Interview einige Fragen zu seiner Tätigkeit:

Herr Moser, Sie sind seit einigen Jahren selbständig als Business Coach in den Bereichen Project-Recovery und Team-Coach. Wieso haben Sie sich für diese Spezialisierung entschieden?

Die Spezialisierung als Business Coach war eine Enwicklung die entstanden ist aus meiner Tätigkeit als Solutions Architect und Projektleiter in diversen großen Projekten mit jeweils mehreren Projektpartnern und teilweise internationalem Umfeld. Für mich war in diesen Projekten immer eine wertschätzende und lösungsorientierte Kommunikation wichtig, da das häufig anzutreffende “Schwarze Peter Spiel” nur zu weiteren Problemen, aber nie zu einer Lösung führt. Sicher sollte man sich bei Problemen auch noch einmal anschauen, was denn da nicht richtig oder nicht optimal gelaufen ist. Dabei ist aber die Frage, mit der man diese Betrachtung macht, “Was kann ich / was können wir im Projekt daraus lernen?”, also das berühmte Lessons Learned.

Mit dieser Erfahrung bin ich dann bei meinem früheren Arbeitgeber, einem großen schweizerischen Systemintegrator,  in ein Team mit dem Namen Corporate Consulting gekommen. Dort waren erfahrene Solutions Architekten und Projektmanager mit unterschiedlichen Schwerpunkten zusammen, die dann ihre Erfahrung in internen wie auch in Kundenprojekten einbringen sollten. So bin ich als Projekt-Coach in diverse Kundenprojekte entsandt worden, die in Schieflage waren, oder gar kurz vor dem Scheitern standen.

Begleitet wurde diese Entwicklung durch eine Reihe von Weiterbildungen in den Bereichen Kommunikation, Führung und Projektmanagement. In diesem Zusammenhang hatte ich auch die ersten Berührungspunkte mit NLP, dem Neuro-Linguistischen Programmieren. Als sich dann 2015 das Angebot bekam in eine laufende NLP-Ausbildung einzusteigen, habe ich diese Möglichkeit genutzt und mich schließlich zum international zertifizierten NLP-Trainer und Coach weitergebildet. Zusätzlich habe ich ausgehend von meiner NLP-Master-Arbeit noch eine Weiterbildung zum Social Panorama Consultant absolviert und mich dabei auf die Anwendung im Team-Building und Konfliktmanagement im Team fokussiert.

Diese Fokussierung war wiederum angeregt durch eine Frage, nämlich “Wie muss mein Projektteam zusammen gesetzt sein, damit ich optimal alle Aufgabenbereiche abdecken kann und wie schaffe ich es, dass die verschiedenen Menschen mit ihren unterschiedlichen Charakteren zusammen arbeiten und daraus Synergien erwachsen?”

Insgesamt betrachtet war es also keine bewusste Entscheidung, die ich zu einem Zeitpunkt gefällt habe, sondern eine Entwicklung.

Können Sie unseren LeserInnen kurz erklären, was als Business Coach besonders wichtig ist und in welchen Bereichen dieser Skill zum Einsatz kommt?

Wie ich bei der vorherigen Antwort schon angedeutet habe, ist ein wichtiger Faktor eine wertschätzendes und lösungsorientiertes Denken. Dazu kommt natürlich auch eine fundierte Ausbildung, die bei mir mit einem pädagogischen Studium begonnen hat und mit der NLP-Ausbildung aktuell einmal ein vorläufiges Ende hat. Ich sage bewusst vorläufig, da ich der Meinung bin, dass man sich als Coach, egal ob im Business oder als Private Coach, immer weiterbilden muss, da sich die Anforderungen an den Coach selbst aber vor allem auch an die Klienten ständig ändern. Denken Sie hier nur an das Thema Agile Software-Entwicklung oder noch weiter an das Agile Unternehmen. Hier werden von den Mitarbeitenden neue Fähigkeiten und neue Verhaltensweisen erwartet, die sie vorher nie gelernt haben, und das gilt sowohl für die Mitglieder in den agilen Teams wie auch für bestehende und neue Führungskräfte.

Aber kommen wir zurück zum wertschätzenden und lösungsorientierten Denken. Als Coach gilt es in Fragen zu denken, also welche Fragen kann ich meinem Klienten stellen, damit sie oder er die für diesen Menschen und die aktuelle Situation passende Lösung findet. Ich möchte diese Regel “In Fragen denken!” noch ein wenig präzisieren, denn Fragen sind das Hauptwerkzeug des Coaches.

Der Coach will mit seinen Fragen die Klienten dahin bringen, Gedanken zu denken, die bisher für undenkbar gehalten wurden oder die noch nicht einmal am Horizont erschienen sind. Idealerweise kommen die Klienten durch die Fragen ins Erzählen, was wiederum ihre Phantasie und Kreativität anregen soll und – das ist das Ziel – bisher unentdeckte Ressourcen in ihnen aktiviert. Darum sind die Fragen zu mehr als 90% öffnende Fragen, z.B. Wie die Lösung aussehen könnte? Welche Ressourcen dazu nötig wären? etc. Geschlossene Fragen kommen im Coaching praktisch nur dann vor, wenn der Coach zum Beispiel nach einer Zusammenfassung der vorangegangen Aussagen sich bestätigen lässt, dass die Zusammenfassung korrekt ist. Eine wichtige Regel ist noch: Der Coach bietet keine Lösung an, auch wenn er eine Idee hat, außer er wird explizit darum gebeten. In diesem Fall ist er aber nicht mehr Coach sondern Berater und tut er gut daran, dies klar und deutlich zu sagen, vor allem vor dem Hintergrund, dass der Klient dann nicht seine Lösung hat sondern die des Beraters. Diese kann aber für den Klienten und die Situation unpassend sein.

Wie schätzen Sie die Zukunft für Business Coaches ein? Werden sie zum Beispiel ein elementarer Teil der Unternehmen oder wird die Bedeutung eher geringer in der Zukunft?

Ich denke, dass das Business Coaching zunehmend nachgefragt wird. Mit zunehmender Komplexität brauchen Menschen immer wieder Gesprächspartner, die ihnen die Fragen stellen, die helfen das eigene Wissen neu zu betrachten und die eigenen Gedanken einfach einmal in eine andere Richtung zu lenken, heraus aus den Bahnen, die man gewöhnlich beschreitet. Die steigende Nachfrage belegen auch entsprechende Untersuchungen in Bereich HR und Personalentwicklung. Teilweise wird schon in Bewerbungsgesprächen von den Bewerbern nachgefragt ob die Möglichkeit besteht, Coaching in Anspruch zu nehmen.

Interview

Vielen Dank für Ihre Antworten. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren Projekten.

Hier geht es zum Profil von Business Coach Ulrich Moser.

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Wir freuen uns auf Sie.

Miriam Kubiczek

Miriam Kubiczek

Miriam ist seit April 2019 bei freelance.de und unterstützt uns im Marketing Team. Sie ist duale Studentin an der IUBH, bei der sie sich Wissen im Marketing Management aneignet.

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