Sind Messen und Konferenzen ihr Geld wert?

Ende Mai haben wir auf unserer Facebook Seite die Frage gestellt, welche Messen und Konferenzen bei Freiberuflern denn so angesagt sind. Daraufhin meldeten sich ein paar Leute zu Wort und kommentierten unseren Post. Wir haben das Feedback aufgegriffen und den Kommentatoren abseits von Facebook noch ein paar zusätzliche Fragen gestellt, um herauszufinden, wie es aus Sicht von einigen unserer User um die Messelandschaft bestellt ist.

Bis zu 10.000 EUR Ausgaben pro Jahr

Volker Haase, zum Beispiel, ist seit 20 Jahren als Berater in der mobilen Telekommunikation tätig. In seiner bisherigen beruflichen Laufbahn konnte er jede Menge Erfahrungen mit Messen sammeln. In den vergangenen Jahren war er regelmäßiger Gast auf der CeBIT in Hannover, der International Telecoms Week in Washington, dem Mobile World Congress in Barcelona sowie einigen anderen, regionalen Events in Deutschland.

Das kostet Geld. Flüge, Hotelkosten, Eintrittskarten… Da kommt einiges zusammen. Nach eigenen Angaben liegt das jährliche Budget, das Volker Haase für Messen und Konferenzen ausgibt, bei bis zu 10.000 EUR. “Die Kosten für nicht erzielte Honorare sind da noch nicht eingerechnet”, fügt er hinzu.

Auch Manuel Leinung investiert jedes Jahr einen “niedrigen vierstelligen Betrag” in Messebesuche, wie er sagt, insbesondere für CeBIT und DiKOM, die Fachmesse für digitale Kommunen. Das ist viel Geld für einen Existenzgründer. Manuel Leinung ist seit etwa einem Jahr selbstständiger Consultant für Social Media und Online PR. Zu seinen Kunden gehören hauptsächlich regionale Künstler aus Musik und Klubkultur, aber auch Einzelhandelsunternehmen. Solche Investitionen müssen sich auch für ihn rechnen, aber tun sie das?

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Kontakte ja, Direktakquise eher nein

“Für mich ist Networking der entscheidende Grund, auf Messen zu gehen”, sagt Manuel Leinung. “Ich habe in der Vergangenheit viele fruchtbare Gespräche geführt, die mir im Nachhinein direkt oder indirekt neue Projekte verschafft haben.” Mit dem konkreten Vorhaben, neue Kunden und Projekte zu akquirieren, sollte man jedoch keine Messe besuchen, rät Leinung. “Kaum ein Unternehmen geht gezielt wegen einem anstehenden Projekt auf eine Messe. Deshalb ist für Freiberufler der Pipelineaufbau so wichtig, also regelmäßig Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, so dass sich daraus im Nachhinein Projekte ergeben. Außerdem schicken viele Unternehmen Leute auf die Messe, die keine Entscheider sind was Projektteams und Budgets angeht. Wer also mit dem Ziel auf Messen geht, neue Projekte für sich zu erschließen, wird schnell enttäuscht werden.”

Auch Volker Haase sieht den Nutzen von Messen eher im langfristigen Netzwerkaufbau und nicht im unmittelbaren Anbahnen neuer Geschäfte. Wenn er zurückblickt auf seine vielen Messebesuche der vergangenen Jahre, so war die direkte Akquise von Projekten zwar immer ein wünschenswerter Effekt, aber eben auch einer, der sich so nie bestätigt hat: “Neue Geschäfte haben sich bis dato immer aus dem eigenen, bestehenden Netzwerk ergeben. Genau genommen hat sich für mich als Freelancer aus den Messekontakten bisher kein direktes Geschäft ableiten lassen.”

Müssen sich Messen verändern?

Bleibt die Frage, ob der finanzielle Aufwand es rechtfertigt, Messen auch weiterhin zu besuchen – oder ob sich am Prinzip Messe etwas grundsätzlich ändern müsste, damit sich ein Besuch tatsächlich lohnt. “Es wäre ideal, wenn die Messebesucher bereits im Vorfeld der Messe dabei unterstützt würden, interessante Kontakte zu identifizieren, Informationen auszutauschen und Termine zu vereinbaren”, findet Volker Haase. “Dann könnte man die Veranstaltung nutzen, um die Termine abzuarbeiten. Das wäre ziemlich effizient. Denn einfach nur die ‘alten Freunde’ auf den Events zu treffen, die man dort jedes Jahr trifft, rechtfertigt den finanziellen Aufwand meines Erachtens nicht.”

Manuel Leinung findet, dass das Netzwerken auf den Veranstaltungen, die er besucht, sehr gut funktioniert. Es komme aber darauf an, wie man die Sache angeht und welche Erwartungshaltung man selber mitbringt. So stellt Leinung immer wieder fest, dass sich Messebesucher im Vorfeld oft zu viel von einer Messe erhoffen. “Man sollte seine Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Die Enttäuschung ist sonst umso größer, wenn sie am Ende nicht erfüllt werden.”

Wie ist Ihre Meinung?

Teilen Sie die Erfahrungen von Volker Haase und Manuel Leinung? Oder haben Sie ganz andere Erfahrungen gemacht? Schreiben Sie uns, wenn Sie möchten. Weiter unten haben Sie die Möglichkeit zu kommentieren.

Bild: euregiophoto – Fotolia.com

Daniel Wagner

Daniel Wagner

Daniel Wagner ist freiberuflicher Community Manager. Mit seinem Label Danny Woot hat er sich auf den Aufbau und die Betreuung von Online-Communities speziell in der Entertainment-Branche (Film, TV, Games) spezialisiert.

3 Kommentare:

  1. ich finde die angesprochenen EUR 10000 gar nicht so wild. Vor allem wenn man sich entsprechend auf den Messeauftritt vorbereitet. Dann besteht auch die realstische Möglichkeit, dass man sich ständig auf dem Markt präsentieren kann und Beziehungen zu Kunden aufbaut.

  2. Für mich als Vollzeit SEO ist ein Betrag von 10k EUR einfach nicht im Verhältnis. Wenn ich überlege, welche Wirkung man erreicht, wenn man dieses Geld in Online-Marketing steckt, dann dürfte eine Messe in meinem Bereich deutlich ineffektiver sein.

  3. Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen. Zum einen kosten Messeauftritt teilweise deutlich mehr als 10.000 Euro, wobei die Sinnhaftigkeit eines Messeauftritts natürlich auch nicht für jedes Unternehmen gegeben ist. Einsparungspotential besteht allerdings ebenfalls. So kann ein Messestand in Eigenregie realisiert werden. Die Messeplanung mit einer Messeorganisation Checkliste ist hier von besonderer Relevanz. In manchen Branchen rechnen Kunden und Interessenten jedes Jahr fest mit einem bestimmten Unternehmen auf der Messe XY. Andererseits ist es aber auch so, dass Unternehmen im Gegenzug im Bereich SEO teilweise zu wenig investieren, obwohl die Möglichkeiten, Menschen zu erreichen zum Teil deutlich höher ausgeprägt sind.

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