Vorsicht: Scheinselbstständigkeit – Eine spezielle Gefahr des Freelancings

Was genau ist Scheinselbstständigkeit?

Die Deutsche Rentenversicherung beschreibt sie als Situation, in der Freiberufler im Vertrag zwar als selbstständig deklariert werden, doch eigentlich wie in einem Festangestellten-Beschäftigungsverhältnis arbeiten müssen. Die üblichen Erkennungsmerkmale sind beispielsweise eine ausnahmslose Verpflichtung zur …

  1. Einhaltung fester Arbeitszeiten,
  2. vollständigen Weisungsbefolgung, regelmäßigen und ausführlichen Berichterstattung,
  3. Nutzung festgelegter Arbeitsmittel und EDV-Infrastruktur,
  4. sowie der Arbeit innerhalb der Auftraggeber-Räumlichkeiten oder anderer festgelegter Orte.

freelance.de Scheinselbständigkeit

Ein Freelancer ist sonst ausschließlich von der Zufriedenheit seiner Auftraggeber und der Auftragslage und sein Erfolg nicht von der Einhaltung oben genannter Vorgaben abhängig. So hat er die volle Freiheit zur Gestaltung seiner Arbeitszeit und Erreichung der Projektziele. Für eine Unterscheidung sind jedoch nicht allein die vertraglichen Vereinbarungen zugrunde zu legen, sondern vielmehr die wirkliche Situation während der laufenden Zusammenarbeit.

Ist eine Meldung beim Finanzamt notwendig?

Der Begriff „Freelancer“ sagt erst einmal nichts über den Status als Freiberufler oder Gewerbetreibender aus. Handelt es sich um ein Gewerbe, ist eine Anmeldung und die Zahlung von Gewerbesteuern – natürlich unter Berücksichtigung möglicher Freibeträge – notwendig, während ein Freiberufler von der Gewerbesteuer und -anmeldung ausgenommen ist, sowie vom Recht der einfachen Buchhaltung und sogenannten Anspar-Abschreibungen profitiert. Nach deutschem Recht ist ausschließlich entweder das eine oder andere der Fall.

Die Frage, ob nun Freiberufler ein Gewerbe anmelden müssen oder eine Umsatzsteuer-ID benötigen, wird entsprechend oft debattiert, wie in diesem Beispiel auf gutefrage.net. In solchen Portalen lässt sich aufgrund hoher Nutzerzahlen übrigens häufig eine passende Antwort auf unterschiedliche Fragen finden. Die Entscheidung, welchem Stand nun angehört wird, liegt – selbst bei eindeutigstem Sachverhalt – nicht bei der betreffenden Person, sondern grundsätzlich in der Hand des Finanzamtes. Eine Information an dieses reicht für die Anmeldung einer freiberuflichen Tätigkeit und eine eindeutige Auskunft über weiteren Handlungsbedarf diesbezüglich aus.

Mögliche Gründe und Konsequenzen

Unternehmen, die Scheinselbstständigkeit als Gelegenheit für ihren eigenen Vorteil nutzen, tun dies in der Regel, um auf die Zahlung von Lohnsteuern und Sozialversicherungsanteilen, die Berücksichtigung der üblichen Arbeitnehmerrechte und auch die Bearbeitung aufwändigerer Formalien verzichten zu können.

Sollte tatsächlich eine Scheinselbstständigkeit vorliegen, ist eine Meldung an den Rentenversicherungsträger durch den vermeintlich freien Mitarbeiter obligatorisch, da – unabhängig von eventuellen Gründungszuschüssen – eine eindeutige Rentenversicherungspflicht vorliegt.

Für die betreffenden Freiberufler besteht neben der Aberkennung ihres Status auch die Möglichkeit, dass die versäumten Beiträge für die Rentenversicherung rückwirkend eingefordert werden und sie sich allem voran sogar vor Gericht dem Vorwurf der Steuerhinterziehung stellen müssen. Ebenso kann das Unternehmen für die Förderung der Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und das Verhindern von Sozialversicherungsbeiträgen des eigentlich pflichtigen Arbeitnehmers belangt werden.

Details zu den rechtlichen Folgen und auch die Scheinselbstständigkeit per se werden in diesem Exkurs auf der Seite des Verbands Deutscher Architekten- und Ingenieurvereine e.V. – also ebenfalls Angehörige des Berufsstandes – näher erläutert.

Rechtliche Absicherung des Freiberuflers

Um sich als Selbstständiger vor diesen Konsequenzen abzusichern, ist vor allem ein Vertrag essentiell. Dieser sollte auf die folgenden Inhalte überprüft werden:

  1. die Beschäftigung des Vertragspartners als freier Mitarbeiter
  2. das vereinbarte Honorar inklusive differenzierter Kostenaufstellung
  3. die genaue Auflistung zu verrichtender Aufgaben und zu erbringenden Leistungen
  4. genaue Regeln und Konditionen bezüglich Kündigung und Auftragsstornierung
  5. eine Verschwiegenheitsklausel des freien Mitarbeiters

Wer als Freelancer alles richtig machen möchte, sollte immer auf Verträge mit wahrheitsgemäßen Vereinbarungen bestehen, die Arbeitstätigkeiten und Kommunikation mit dem Auftraggeber ausführlich dokumentieren und möglichst immer für mehrere gleichzeitig tätig zu sein. Der schwerwiegende Vorwurf der Scheinselbstständigkeit kann dadurch und mithilfe von Rücksprachen mit dem Finanzamt deutlich eher verhindert werden.

Bilder:
Abbildung 1: ©geralt – Pixabay.com (CC0 1.0)
Abbildung 2: ©DT – Pixabay.com (CC0 1.0)
Dagmar Heinze

Dagmar Heinze

Ist seit dem 1. Juni 2012 bei freelance.de für das Online Marketing zuständig. "Ich freue mich bei diesem schnellwachsenden Unternehmen mitwirken zu können!"

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