Wann muss ich als Freiberufler ein Gewerbe anmelden? [Campus #002]

„Nur die Besten lernen von den Besten“ ist das Motto unserer Themenreihe für Freiberufler. Wir begleiten Sie mit Tipps & Tricks, vom Start in die Selbstständigkeit über die Projektakquise bis hin zur Steuererklärung. Nachdem wir uns im letzten Teil mit den Vor- und Nachteilen der Selbstständigkeit beschäftigt haben, widmen wir uns der Frage, ob Sie ein Gewerbe anmelden müssen und welche Versicherungen verpflichtend sind.

Freelancer Versicherung Rechtsform

Was macht einen Freien Beruf aus?

Eines ist Ihnen klar, der Weg in die Selbstständigkeit ist der Ihre. Mit welcher Rechtsform Sie diesen jedoch bestreiten, hängt davon ab, ob Ihre Tätigkeit als Freier Beruf klassifiziert wird. Als Freiberufler haben Sie den entscheidenden Vorteil, dass keine Anmeldung beim Gewerbeamt notwendig ist und Sie somit weder Gewerbesteuer zahlen noch eine Bilanz vorweisen müssen. Auf der anderen Seite der Medaille steht das Werbeverbot für bestimmte Berufsgruppen.

Ob Sie ein Gewerbe anmelden müssen oder einem Freien Beruf nachgehen, ist zunächst einmal nicht Ihre freie Entscheidung, sondern die des Finanzamtes. Durch eine gute schriftliche Argumentation, warum folgende Definition auf Ihre Tätigkeit zutrifft,  können Sie das Urteil jedoch beeinflussen.

Hierzu heißt es, gemäß § 1 Abs. 2 S. 1 Partnerschaftsgesellschaftsgesetz (im Folgenden PartGG) sowie der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) “Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.”

Klassifizierung von Tätigkeiten als Freier Beruf [gemäß §1 Abs. 2 – PartGG]:

  • Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Hebammen, Heilmasseure, Diplom-Psychologen
  • Mitglieder der Rechtsanwaltskammern, Patentanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer (vereidigte Buchrevisoren), Steuerbevollmächtigten
  • Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Lotsen, hauptberuflichen Sachverständigen
  • Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer und ähnlicher Berufe sowie der Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Lehrer und Erzieher.

Das Gesetz trat bereits 1995 in Kraft und neu entstandene Berufsbilder wie Webdesigner, Big Data Analyst oder IT-Berater sind somit nicht inkludiert, können jedoch durchaus als Freier Beruf eingestuft werden.

Haftung & Versicherung für Freelancer

Die gute Nachricht: als Freiberufler benötigen Sie kein Startkapital. Die schlechte: Sie haften mit Ihrem Privatvermögen. Deshalb empfiehlt sich das frühere Auseinandersetzen mit dem Thema Versicherungen. Neben der obligatorischen Krankenversicherungen, ist es ratsam, dass Sie sich auch mit dem Thema Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung auseinandersetzen.

Auch für Freelancer gilt die eine allgemeine Versicherungspflicht. Bei der

Krankenkasse bleibt die Wahl zwischen der freiwilligen gesetzlichen sowie der privaten Krankenversicherung. Achten Sie hierbei besonders auf die Höhe des Krankentagegeldes, um auch bei längerem Verdienstausfall durch Krankheit nicht vor dem finanziellen Ruin zu stehen.

Eine besondere Rolle spielt die Künstlersozialkasse (bestehend aus Renten- Kranken- und Pflegeversicherung), die für Publizisten, Künstler verpflichtend ist. Vorteil: Sie müssen nur die Hälfte der Beiträge selbst finanzieren. Die andere Hälfte schießt der Bund zu. Alle übrigen Freelancer tragen jedoch die vollen Kosten, deshalb lohnt sich ein detaillierter Vergleich umso mehr. Insbesondere die private Krankenversicherung ist oft die bessere Wahl.

Die Rentenversicherung ist nur für solche Freiberufler obligatorisch, die in einer sogenannten Standeskammer (z.B. Ärzte, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer) organisiert sind – hier kümmern sich das jeweilige „Versorgungswerk“ um die Versicherungsleistung. Außerdem ist eine Rentenversicherung Pflicht, wenn die Tätigkeit als besonders schutzbedürftig eingestuft wird. Das gilt zum Beispiel freiberufliche Krankenpfleger, Lehrer & Erzieher.

Die Unfallversicherung ist für die meisten Selbstständigen ebenfalls Pflicht. Ausgenommen sind beispielsweise Ärzte, Apotheker und Psychotherapeuten.

Fazit: Auf den ersten Blick klingt das alles recht unübersichtlich. Zudem gibt es noch eine Vielzahl weiterer Versicherungen (z.B. Berufsunfähigkeit oder Rechtsschutz), die ein Freiberufler abschließen kann. Also empfehlen wir Ihnen auch beim Thema Versicherungen, dass Sie sich ausführlich informieren. Unterm Strich benötigen Freelancer keinen größeren Versicherungsschutz als Festangestellte. Dies jedoch eine persönliche Entscheidung, die individuell nach Versicherungstarif und Risikoaffinität erfolgen sollte.

Freiberufler: Steuern und sonstige Unternehmensformen

Wie bereits erwähnt genießen Sie als Freiberufler das Privileg, keine Gewerbesteuer zahlen zu müssen, an der Einkommens- und Umsatzsteuer kommen Sie nicht vorbei. Zudem muss keine Bilanz erstellt werden. Ihren Gewinn ermitteln Sie via Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜG). Gleiches gilt, wenn Sie sich mit weiteren Freiberuflern in einer GbR oder Partnergesellschaft zusammenschließen.

Sollte das Finanzamt der Meinung sein, dass Sie keiner Freien Tätigkeit nachgehen oder Sie nicht mit Ihrem Privatvermögen haften wollen, bleibt Ihnen die Möglichkeit eine GmbH (ab 450,-€ Gründungskosten & 25.000,-€ Mindestkapital) oder die günstigere UG (ab 250,-€ Gründungskosten & 1,-€ Mindestkapital) zu gründen. Damit sind Sie jedoch Bilanzierungspflichtig und durch den Handelsregistereintrag zum Zahlen der Gewerbesteuer (ohne Freibetrag) verpflichtet.

Oftmals eine Gratwanderung

Die Grenze zwischen Freiem Beruf und Gewerbe ist nicht klar gezogen. Wir empfehlen Ihnen dringend, sich vorher beraten zu lassen. Hilfe & Beratung finden Sie beispielsweise beim Institut für freie Berufe, Ihrem Steuerberater oder direkt beim Finanzamt. Wichtig ist, dass Sie sauber Argumentieren können, warum Ihre Tätigkeit eine besondere berufliche Qualifikation oder schöpferische Begabung voraussetzt und Ihre Dienstleistung professionell im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit erbringen.

Im nächsten Artikeln der Campus-Serie schreiben wir darüber, warum Sie für den perfekten Start in die Selbstständigkeit an einem Businessplan nicht vorbei kommen und welche Finanzierungshilfen es bei der Gründung gibt.

Bis dahin freuen wir uns über Ihren Kommentar: Verlief Ihr Start in die Freiberuflichkeit reibungslos?

Alina Bergmann

Alina Bergmann

Alina ist Marketing Manager bei freelance.de - als Tochter von zwei Freelancern und mit einem Bachelor in Kommunikationsmanagement widmet sie sich den Themen der Selbstständigen in Blog Posts, Tweets und auf der Website.

Ein Kommentar:

  1. Wichtig finde ich hier auch die Frage nach der Umsatzsteuer. 7% oder 19%? Freie Texter/Autoren zum Bsp. orientieren sich nach § 2 UrhG. Umsatzsteuerlich wird die Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Rechten, die sich aus dem Urheberrechtsgesetz ergeben mit dem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7% besteuert. Nach § 2 UrhG unterliegen insbesondere folgende Werke dem Urheberrecht: Schriftwerke und Reden …

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