Wann und warum lohnt sich eine Gesellschaft für Freelancer?

Sie möchten neu in eine erfolgreiche Zukunft als Freelancer starten oder Sie überprüfen eine Neuausrichtung Ihres bestehenden Geschäftskonzeptes? Dann ist die Frage, ob sich das Gründen einer Gesellschaft für Sie lohnt, ein wichtiger Ansatz. Doch was ist eine Gesellschaft und welche Vorteile sowie Nachteile sind damit verbunden? Erfahren Sie, ob Sie eine Umstellung vornehmen sollten.

Welche Gesellschaftsform für Freelancer wählen

Ein kurzer Einstieg: Welche verschiedenen Gesellschaftsformen existieren?

Es existieren verschiedene Formen der Gesellschaften im Sinne des deutschen Gesellschaftsrechts. Folgende Übersicht stellt die gängigsten Formen vor:

Kategorie A: Personengesellschaften

  • die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR),
  • die offene Handelsgesellschaft (oHG),
  • die Kommanditgesellschaft (KG)
  • die stille Gesellschaft,
  • die Partnerschaftsgesellschaft (Partnerschaft)
  • die Partenreederei,
  • die stille Reederei
  • die Europäische wirtschaftliche Interessenvereinigung (EWIV)

Kategorie B: Kapitalgesellschaften

  • die Aktiengesellschaft (AG)
  • die Europäische Gesellschaft (SE)
  • die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
  • die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)

Kategorie C: Genossenschaften

  • die eingetragene Genossenschaft (e. G.)
  • die Europäische Genossenschaft (SCE)

Was ist eine Gesellschaft?

Man unterscheidet zwischen der Personengesellschaft, der Genossenschaft und der Kapitalgesellschaft.

“Eine Gesellschaft ist eine Personenvereinigung, die sich auf unbestimmte Zeit zusammengeschlossen hat und hierzu einen Gesellschaftsvertrag abgeschlossen hat. Die Personengesellschaft besitzt einen gemeinsamen Zweck und existiert, um diesen gemeinsamen Zweck zu verfolgen.”

Die Frage der Haftung: Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl der Rechtsform.

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Als Freelancer müssen Sie sich mit der Frage Haftung befassen. Agieren Sie in eigenem Namen ohne Gründung einer Gesellschaft, dann sind Sie bei Haftungsfällen vollständig haftbar, was im ungünstigsten Fall existenzgefährdend sein kann. Viele der Gesellschaftsformen bieten diesbezüglichen Schutz, wie beispielsweise die GmbH oder die Unternehmergesellschaft/ UG (haftungsbeschränkt). Haftung wird nicht vollständig ausgeschlossen – ist jedoch entweder auf das eingebrachte Kapital oder auf Schaden, der durch Pflichtverletzung entsteht, beschränkt. Sie reduzieren somit Ihr Haftungsrisiko deutlich und profitieren von der erhöhten Sicherheit.

Die GmbH und die Unternehmergesellschaft/ UG (haftungsbeschränkt) als die gängigsten Formen der Gesellschaft

Die GmbH und die daraus abgeleitete Unternehmergesellschaft/ UG (haftungsbeschränkt) sind die gängigsten Formen der Gesellschaften. Im Jahr 2020 wurden in Deutschland rund 658.000 Neugründungen vorgenommen, wovon es sich in 80 Prozent der Fälle um Unternehmensgründungen gehandelt hat.

Ein Großteil der Gründungen findet als GmbH statt. Wie bereits der Name verkündet (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) ist die Haftung der Gesellschafter eingeschränkt. Sie bezieht sich nicht auf das Privatvermögen, sondern nur um das Kapital, welches die Gesellschafter in das Unternehmen eingebracht haben. Ein Mindeststartkapital ist erforderlich, was einen Nachteil der GmbH insbesondere für Jungunternehmen und Freelancer darstellt. In diesem Punkt bietet die Unternehmergesellschaft/ UG (haftungsbeschränkt) eine Erleichterung. Sie kann bereits mit einem Startkapital in Höhe von 1 Euro gegründet werden. Jährlich wird ein Teil des Gewinns dem Kapital hinzugefügt, solange bis das Startkapital der GmbH erreicht ist und eine Umwandlung in die GmbH möglich ist.

Welche Gesellschaftsformen eignen sich für Freelancer besonders gut?

Die Gesellschaftsformen unterscheiden sich hinsichtlich verschiedener Faktoren, die im Folgenden dargestellt sind. Wenn Sie sich für eine Variante entscheiden, dann gleichen Sie die Eigenschaften der verschiedenen Gesellschaftsformen mit den Anforderungen in Ihrer Branche und den sich aus Ihrem Geschäftsmodell ergebenen Anforderungen ab. Berücksichtigen Sie folgende Aspekte:

  • Haftung
  • Einfachheit der Gründung
  • Mitspracherechte und Entscheidungswege in der Gesellschaft
  • Anteil am Gewinn / Einkommen
  • Image der Gesellschaftsform
  • Kosten für die Gründung und die Unterhaltung der Gesellschaftsform
  • Eigentumsverhältnisse
  • Buchführungspflichten
  • Eintragung in das Handelsregister und Anmeldung eines Gewerbes
  • Steuerliche Aspekte

Wichtige Hinweise zu den einzelnen Punkten:

Haftung
Wenn Sie eigene Haftung reduzieren möchten, dann ist die Gründung einer Gesellschaft eine gute Idee. Unter anderem die GmbH und die Aktiengesellschaft sind Beispiele für Rechtsformen, die eine solche Option bieten. Der Haftungsausschluss ist jedoch kein charakteristisches Zeichen der Gesellschaft als Allgemeines.

Einfachheit der Gründung
Die Gründung einer Gesellschaft ist im Allgemeinen mit einem gewissen Aufwand verbunden. Die Tätigkeit als Freelancer kann ohne großen bürokratischen Aufwand aufgenommen werden – auch wenn einige Anmeldungen und Schritte vorgeschrieben sind, wie beispielsweise die steuerliche Anmeldung. Gesellschaften erfordern den Abschluss eines Gesellschaftsvertrags, der notariell zu beglaubigen ist.

Mitspracherechte und Entscheidungswege in der Gesellschaft
Sie müssen berücksichtigen, ob Sie die Gesellschaft alleine gründen oder sich mit anderen Personen zusammenschließen. Es ist beispielsweise möglich, die GmbH als Einzelperson zu gründen. Sie sind dann einziger Gesellschafter und Geschäftsführer. Die AG hingegen ist mit der Ausgabe von Anteilen verbunden, wobei das Handeln an der Börse nicht vorgeschrieben ist.

Anteil am Gewinn / Einkommen
Der Gewinn der Gesellschaft steht zunächst der Gesellschaft selbst zu. Als Geschäftsführer erhalten Sie ein Gehalt, als Gesellschafter können Sie im Gesellschaftsvertrag Ausschüttungen definieren.

Image der Gesellschaftsform
Als Freelancer ohne Gesellschaft agieren Sie unter Ihrem eigenen Namen, was bei Auftraggebern ein gewisses Vertrauen erzeugen kann. Die GmbH zeichnet sich durch das Mindeststartkapital aus, was Kunden ebenfalls Sicherheit – wenn auch nur bis zu einer gewissen Höhe – bietet. Die Unternehmergesellschaft/ UG (haftungsbeschränkt) wiederum bietet eine solche Sicherheit nicht, was auf Seiten der Kunden zu Skepsis führen kann. Bewerten Sie, inwieweit eine solche Situation eintreten wird.

Kosten für die Gründung und die Unterhaltung der Gesellschaftsform
Die notarielle Beglaubigung und die Eintragung in das Handelsregister sind mit Kosten verbunden.

Eigentumsverhältnisse
Bedenken Sie, wer das Eigentum an der Gesellschaft besitzt beziehungsweise wie die Eigentumsverhältnisse aufgeteilt sind. Kann das Unternehmen veräußert werden oder ist Ihre Zustimmung hierzu erforderlich?

Buchführungspflichten
Die Anforderungen an die Buchführung ist bei den einzelnen Gesellschaftsformen unterschiedlich. Als Freelancer profitieren Sie wahrscheinlich von der Einfachheit der Anforderungen an die Aufzeichnungen – oftmals ist eine Einnahmen-Überschussrechnung für die Steuererklärung ausreichend – sofern kein Kapital vorhanden ist. Bei Gründung einer Gesellschaft erhöhen sich die Anforderungen, so kann beispielsweise das Aufstellen einer Bilanz erforderlich sein. Informieren Sie sich im Vorfeld hinreichend über die Rechte und Pflichten eines Gesellschafters

Eintragung in das Handelsregister und Anmeldung eines Gewerbes
Berücksichtigen Sie, ob die Eintragung in das Handelsregister oder die Anmeldung eines Gewerbes gewünscht und vorgeschrieben ist.

Steuerliche Aspekte
Bei Gründung einer Gesellschaft ändert sich die steuerliche Bewertung, beispielsweise hinsichtlich der Verpflichtung zur Zahlung von Gewerbesteuer.

Unser Fazit:

Die Gründung einer Gesellschaft bietet für Freelancer Vorteile – sollte jedoch nur nach intensiver Auseinandersetzung mit allen Konsequenzen erfolgen.







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