Boreouts – Wenn es im Job mal so gar nicht brennt

Das ist zur Abwechslung mal ein ganz persönlicher Artikel. Einer, der bewusst subjektiv ist und sich um ein Thema dreht, das nicht erst seit kurzem in aller Munde ist: Frust im Job.

Neulich im Urlaub hatte ich das Glück, ein richtig gutes Buch lesen zu dürfen: Rework, von den 37signals-Gründern. Einige von euch kennen es vielleicht. “Business intelligent & einfach” lautet der deutsche Untertitel. Rework ist quasi ein Handbuch voll mit Ratschlägen, wie Arbeit heute organisiert werden kann und sollte. Von solchen Ratgebern gibts eine Menge, aber den da kann ich wirklich nur jedem ans Herz legen, der sich über das Thema schon seit längerem wiederholt Gedanken macht.

In einem Kapitel des Buchs heißt es “Fire your workaholics!” Was hinter diesem Call for Action steckt ist das: Es gehe nicht darum, möglichst lange im Büro zu hocken, so zu tun als wäre man unersetzbar und vor anderen damit zu prahlen, wie viel man doch schuftet. Vielmehr sollte jeder von uns darauf achten, seine Arbeit effektiv zu erledigen und dann zeitig aus dem Büro zu verschwinden, um aufzutanken für den nächsten Tag. Andernfalls leide die Produktivität enorm.

Für Manager heißt das: stellt niemanden ein, der nicht abschalten kann. Das tut der Firma nicht gut. Es heißt aber auch: Arbeit muss sinnvoll sein. Die richtigen Aufgaben an die richtigen Mitarbeiter verteilen und dabei auf die richtige Dosis achten. Nicht zu viel und nicht zu wenig davon.

Dieses Kapitel hat mich inspiriert. Ich hab mich vor einigen Jahren auch noch gern als Workaholic bezeichnet, habe anstrengende Arbeit hochgehalten, bevor ich angefangen habe, Prioritäten anders zu setzen. Von allen Seiten hört man mittlerweile, wie viele Menschen bereits unter Burnouts leiden, weil ihre To-Do-Listen immer länger werden und sie nichts mehr auf die Reihe kriegen. Das wollte ich vermeiden.

Dass es aber auch Boreouts gibt, also quasi eine chronische Unterforderung, die krank macht, wusste ich bis dato nicht. Ich habe es nur geahnt, weil ich auch mal für ein Unternehmen tätig war, das eine stoische Langsamkeit bei der internen Entscheidungsfindung praktizierte, die mich regelrecht fertig machte.

Im Smartworkers Blog ist kürzlich ein Artikel über Boreouts erschienen, der kurz und prägnant zusammenfasst, was unter diesem Krankheitsbild zu verstehen ist, wie Boreouts entstehen können und was man dagegen tun kann. Ein Aspekt ist mir hier besonders aufgefallen: Boreouts scheinen nämlich keine Folge von persönlichem Desinteresse und Faulheit zu sein. Ihre Auslöser sind vielmehr im Arbeitsumfeld der Betroffenen zu suchen. Im Artikel heißt es dazu:

Boreout-Betroffene sind nicht faul, sondern werden faul gemacht. Wer faul ist, will nicht arbeiten, auch wenn man ihn lässt. Wer unterfordert ist, will arbeiten, aber das Unternehmen lässt ihn nicht.

Kennen Sie das Gefühl, im Job unterfordert zu sein? Ich habe über einen längeren Zeitraum hinweg diese Erfahrung gemacht (ohne dass es gesundheitliche Folgen hatte, puh!) und kann sagen, es ist kein Spaß. Nach einem halben Jahr in der besagten stoisch langsamen Firma habe ich gespürt, dass hier irgendwas komisch ist. Nach einem Jahr wusste ich, dass es die vielen internen Vorschriften und langatmigen Dienstwege waren, die die Arbeit der Mitarbeiter unnötig verkomplizierten und Entscheidungsprozesse mächtig in die Länge zogen. Nach einer steigenden Unzufriedenheit und mehreren gescheiterten Versuchen, intern etwas zu ändern, blieb mir nur der Jobwechsel – was letztendlich eine gute Entscheidung war, wie sich herausstellte.

Boreouts betreffen freilich nicht nur Angestellte. Auch Freiberufler können in der Arbeit mit Kunden nicht immer so, wie sie gerne wollen, was auf lange Sicht nicht unbedingt glücklich machen dürfte. Freiberufler haben meist jedoch eine recht gute Exit-Option an der Hand. Sie wissen, ihr Projekt ist befristet. In absehbarer Zeit sind sie wieder raus aus dem Laden. Oder sie distanzieren sich emotional von ihrem Projekt und Auftraggeber, was ihnen leichter fallen dürfte als festen Mitarbeitern. Augen zu und durch, auch wenn es nicht einfach ist.

Kennen Sie das Problem, im Job unterfordert zu sein? Was haben Sie dagegen getan? Wenn das Thema Boreout Sie generell interessiert, wir haben noch ein paar Links zu weiteren Quellen im Netz für Sie zusammengestellt.

Links:

Bild: © Benjamin Thorn – Fotolia.com

Daniel Wagner

Daniel Wagner

Daniel Wagner ist freiberuflicher Community Manager. Mit seinem Label Danny Woot hat er sich auf den Aufbau und die Betreuung von Online-Communities speziell in der Entertainment-Branche (Film, TV, Games) spezialisiert.

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