Mindesthonorar Newsticker – Was war und was kommen wird

Die Diskussionen um das Mindesthonorar und die Scheinselbstständigkeit gehören zu den Themen, mit denen sich Selbstständige im Jahr 2016 beschäftigen müssen. Grund für uns, die jüngsten Entwicklungen zu rekapitulieren und unsere Mitglieder zu Jahresbeginn auf den neuesten Stand zu bringen.

Community Talk

Ende Oktober 2015

Die Linken-Politikerin Sabine Zimmermann fordert ein Mindesthonorar für Selbstständige. Sie reagiert damit auf eine parlamentarische Anfrage ihrer Partei, die belegt, dass immer mehr Solo-Selbstständige in Deutschland ihr Einkommen mit Hartz-IV aufstocken müssen. Sie schlägt vor, dass in Zusammenarbeit mit Berufsfachverbänden branchenspezifische Preisempfehlungen erstellt werden.

November 2015

Die Diskussion in den Medien und auch in der Freelance.de-Community zeigt, dass viele Selbstständige gespalten auf den Vorschlag reagieren: Während einige begrüßen, dass das Thema erneut auf den Tisch kommt, fürchten andere eine Untergrabung des Wettbewerbs und Nachteile durch Überbürokratisierung. Es wird deutlich, dass das Thema Komplexität birgt und nicht von Fragen der Altersvorsorge und sozialen Absicherung zu trennen ist.

Dezember 2015

Der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V. (VGSD) bringt das Mindesthonorar in Verbindung mit dem Gesetzesentwurf gegen den Missbrauch von Werkverträgen: Nach einer Umfrage unter Mitgliedern macht der VGSD ein Honorar von 40 Euro zum Kriterium, Selbstständigkeit von Scheinselbstständigkeit zu unterscheiden und regt damit auch an, die bisher gezahlten Honorare, etwa für freie Dozenten, zu überprüfen.

Januar 2016

Zum Jahreswechsel legen Abgeordnete der Grünen ein Positionspapier zur digitalen Arbeitswelt vor, in dem sie eine gesicherte Vergütungsbasis für Selbstständige fordern und die Bundesministerin Andrea Nahles dazu anhalten, auch Auftraggeber künftig an der sozialen Absicherung der Auftragnehmer zu beteiligen.

Wie geht es wohl weiter?

Kennen Sie Initiativen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen? Welche Reaktionen aus der Politik erwarten Sie?

Dagmar Heinze

Dagmar Heinze

Ist seit dem 1. Juni 2012 bei freelance.de für das Online Marketing zuständig. "Ich freue mich bei diesem schnellwachsenden Unternehmen mitwirken zu können!"

2 Kommentare:

  1. Ein grosses Problem: wer sich dauerhaft weit unter den üblichen Honoraren anbietet, wird spätestens nach der Berufstätigkeit dem Staat auf der Tasche liegen und “aufstocken” müssen. Viele vergessen, dass mit dem zugrundegelegten Honorar auch Krankheitsausfälle und auftragslose Zeiten überbrückt werden müssen. Dafür reichen 40 Euro Mindesthonorar auch nicht aus. Nicht, wenn man seinen Steuerwohnsitz in Deutschland hat. Je nach Branche und Tätigkeit in der Selbstständigkeit ist es teilweise erschreckend unseriös, was da angeboten wird. Man muss auch an der Ernsthaftigkeit der Unternehmen zweifeln, die immer wieder versuchen zu drücken.

  2. Avatar
    K. Ludikovsky

    Es ist die Vorstufe zur Versklavung der Selbständingen durch die Krankenkassen.
    In Österreich nutzt dieses Gesetz – das es hier schon länger gibt – die Gebietskrankenkasse, um gegen Selbständige und deren Auftraggeber vorzugehen. Das führt zu Nachzahlungen und Strafen auf beiden Seiten, obwohl Sozialversicherung bereits bei den Selbständigen gezahlt wurde. Die Prüfungen können bis zu 5 Jahre in die Vergangenheit gehen. Im Falle einer anderen Beurteilung besteht aber keine Möglichkeit die bezahlten SV-Beiträge aus der ‘normalen’ SV zurückzufordern. Die GKK holen sich damit ein nicht unbeträchtliches “Körberlgeld”.

    Andererseits nehmen immer weniger Unternehmen Mitarbeiter auf Zeit auf, was ja gerade für Projektleiter, Programmierer, etc. wegen der zeitlich befristeten Aufgabenstellung sinnvoll ist. Es wird also damit den Selbständigen die Arbeit abgegraben.

    Dagegen bleibt die Maßnahme im Bereich der Low-Level Bezieher, wie Botenfahrer wirkungslos.

    Denn das Leiharbeitsfirmen Mitarbeiter zu Tariflöhnen an Firmen vermitteln, aber keine Beschäftigungsgarantien geben, ist den Politiker leider egal. Die Leiharbeitsfirmen können damit gut verdienen.

    Dies zeigt wieder wie weit weg von der Realität die Politiker in Europa sind.

    Beispiel: http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/newsletter/4754784/KrankenkassenWillkur-treibt-EPU-in-die-Insolvenz-der-Kampf-gegen

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