Projektakquise, unregelmäßige Auslastung und Preisdruck prägen den Arbeitsalltag vieler Freelancer. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten, ein wachsender Kostendruck und das Gefühl, politisch wenig Rückhalt zu finden. Wie stark diese Themen die Selbstständigkeit derzeit belasten, zeigt das Kapitel Trends und Challenges der aktuellen Studie.

Die Freelancer-Studie 2026 von freelance.de wurde zum vierten Mal durchgeführt. Über 3.300 Teilnehmende sowie Plattformdaten verbinden die Einschätzungen von Freelancern mit realen Marktdaten und zeichnen ein differenziertes Bild der Lage. Die Ergebnisse machen deutlich, dass der Druck auf Selbstständige zunimmt, wirtschaftliche und rechtliche Fragen den Alltag bestimmen und externe Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz zugleich als Chance gesehen werden. Dieser Beitrag fasst zusammen, was die wichtigsten Freelancer Herausforderungen 2026 sind.
Inhaltsverzeichnis
Die größten Herausforderungen im Überblick
Welche Themen Freelancer in ihrer Selbstständigkeit am stärksten fordern, hat die Studie über eine Mehrfachauswahl erhoben. An der Spitze steht die Projektakquise: 52 % der Befragten nennen die Suche nach passenden Aufträgen als zentrales Problem. Fast ebenso häufig wird die unregelmäßige Auslastung genannt, die 43 % als belastend empfinden, weil sie eine verlässliche Planung erschwert. Dahinter folgen der Preisdruck durch sinkende Stundensätze mit 34 % und die Steuerabgaben mit 30 %. Auch rechtliche Unsicherheiten, etwa rund um die Scheinselbstständigkeit, spielen mit 27 % eine spürbare Rolle, ebenso wie Fragen zur Renten- und Sozialversicherung, die 22 % beschäftigen.
Auffällig ist, dass vor allem wirtschaftliche und rechtliche Themen die Liste anführen. Akquise, Auslastung und Preisdruck verweisen gemeinsam auf einen Markt, in dem Aufträge schwerer planbar geworden sind und Honorare unter Druck stehen. Für viele Freelancer sind diese Zahlen damit mehr als Statistik, weil sie genau das widerspiegeln, was sich im Alltag zeigt, wenn neue Projekte länger auf sich warten lassen und Verhandlungen härter werden. Wie stark sich dieser Druck in der Zusammenarbeit mit Auftraggebern niederschlägt, zeigt der Blick auf Personaldienstleister und Unternehmen im Direktauftrag.
Hürden in der Zusammenarbeit mit Auftraggebern
In der Zusammenarbeit mit Auftraggebern zeigen sich je nach Vertragsweg unterschiedliche Hürden. Wer über Personaldienstleister an Projekte kommt, erlebt am häufigsten Ghosting: 52 % der Freelancer berichten von fehlendem Feedback nach Profilversand, Bewerbung oder Interview. Hinzu kommen unverbindliche Profilanfragen ohne konkretes Projekt, das sogenannte CV-Shopping, das 38 % als störend empfinden. Ähnlich oft werden intransparente Projektanfragen mit unklarem Budget oder unklarer Laufzeit (37 %) und harte Stundensatzverhandlungen (37 %) genannt. Lange Entscheidungsprozesse mit zu vielen Auswahlstufen folgen mit 27 %.
Im Direktauftrag mit Unternehmen verschiebt sich das Bild. Hier stehen lange Entscheidungswege und langsame Rückmeldungen mit 36 % an erster Stelle, dicht gefolgt von rechtlichen Unsicherheiten und Compliance-Themen rund um die Scheinselbstständigkeit, die 35 % beschäftigen. Auch Preisdruck (30 %), hoher administrativer Aufwand durch Verträge und Freigaben (27 %) sowie unrealistische Erwartungen an Zeit und Verfügbarkeit (26 %) erschweren die Zusammenarbeit.
In beiden Fällen geht es weniger um die fachliche Arbeit selbst als um die Rahmenbedingungen davor. Unklare Prozesse und zögerliche Entscheidungen kosten Zeit und binden Kapazität, die für die eigentliche Projektarbeit fehlt. Welche größeren Entwicklungen diesen Druck zusätzlich verstärken, zeigt der Blick auf die externen Trends.
Externe Trends: Kostendruck und KI
Neben den unmittelbaren Hürden im Projektalltag wirken sich größere wirtschaftliche Entwicklungen auf die Arbeit der Freelancer aus. Der Kostendruck steht dabei im Vordergrund: 85 % nehmen steigende Kosten und Budgetkürzungen bei Kunden als spürbaren Einflussfaktor wahr. Auch die allgemeine Wirtschafts- und Projektlage (79 %) sowie Inflation und steigende Lebenshaltungskosten (71 %) beschäftigen viele Befragte.
Deutlich optimistischer blicken Freelancer auf die Künstliche Intelligenz. Sie wird mehrheitlich als Chance bewertet: 47 % sehen in KI und Automatisierung einen positiven Einfluss auf ihre Tätigkeit. Für viele ist der technologische Wandel damit vor allem ein Werkzeug, das die eigene Arbeit unterstützt.
Auch die internationale Zusammenarbeit entwickelt sich zu einem Wachstumsfeld. Aktuell arbeiten 62 % der Befragten ausschließlich an nationalen Projekten, zugleich kann sich rund 41 % vorstellen, künftig international tätig zu werden. Das Interesse wächst damit schneller als die gelebte Praxis und eröffnet neue Möglichkeiten. Wie Freelancer die politischen Rahmenbedingungen einschätzen, zeigt der abschließende Blick.
Politische Unsicherheit und der Blick nach vorn
Ein wiederkehrendes Thema der Studie sind die politischen Rahmenbedingungen. 71 % der Freelancer fühlen sich von der Politik nicht ausreichend unterstützt, nach 66 % im Vorjahr und 61 % im Jahr 2024. Der Wunsch nach besseren Rahmenbedingungen nimmt damit über die Jahre zu.
Trotz dieser Einschätzung bleibt die Bindung an die Selbstständigkeit hoch. 51 % der Befragten schließen einen Wechsel in ein Angestelltenverhältnis aus, 20 % können sich einen solchen Schritt vorstellen und 29 % sind unentschlossen. Die meisten Freelancer halten also an ihrer selbstständigen Tätigkeit fest, auch wenn sie sich von der Politik mehr Rückhalt wünschen.
Fazit
Die Freelancer-Studie 2026 zeichnet ein klares Bild. Die Selbstständigkeit steht unter Druck, vor allem durch die aufwendige Projektakquise, eine unregelmäßige Auslastung und den anhaltenden Preisdruck. In der Zusammenarbeit mit Auftraggebern bremsen vor allem unklare Prozesse, zögerliche Entscheidungen und rechtliche Fragen.
Zugleich zeigt die Studie, dass Freelancer den Wandel aktiv gestalten. Künstliche Intelligenz wird mehrheitlich als Chance verstanden, das Interesse an internationaler Zusammenarbeit wächst und die große Mehrheit hält an der Selbstständigkeit fest. Für Freelancer bleibt damit entscheidend, die eigene Sichtbarkeit zu stärken, die Akquise aktiv zu steuern und neue Werkzeuge gezielt zu nutzen, um auch in einem anspruchsvollen Markt gut aufgestellt zu sein.



