Die Abgrenzung zwischen selbstständiger Tätigkeit und abhängiger Beschäftigung gehört zu den zentralen Compliance-Themen beim Einsatz von Freelancern. In vielen Fällen ist die rechtliche Bewertung nicht eindeutig, da sie von der konkreten Ausgestaltung der Zusammenarbeit abhängt. Gleichzeitig können Prüfungen und eine spätere Neubewertung spürbare Konsequenzen nach sich ziehen – etwa in Form von Nachzahlungen, zusätzlichem administrativem Aufwand und Unsicherheit im laufenden Projektbetrieb.
Vor diesem Hintergrund gewinnt KIRA an Bedeutung. Die Deutsche Rentenversicherung Bund setzt bei Arbeitgeberprüfungen zunehmend auf Digitalisierung und entwickelt mit KIRA eine KI-gestützte Unterstützung, die Auffälligkeiten schneller erkennbar machen und Prüfungen risikoorientierter vorbereiten soll.

Auf einen Blick
- KIRA steht für „Künstliche Intelligenz für risikoorientierte Arbeitgeberprüfungen“.
- Ziel ist es, die jährlich ca. 400.000 Betriebsprüfungen effizienter und treffsicherer zu unterstützen.
- KIRA analysiert digitale Unternehmensdaten (z. B. Lohn- und Abrechnungsunterlagen) und weist auf mögliche Auffälligkeiten hin.
- Die Entscheidungshoheit bleibt beim Menschen, denn KIRA liefert zwar Hinweise, aber keine automatischen Urteile.

Was ist KIRA?
Mit KIRA („Künstliche Intelligenz für risikoorientierte Arbeitgeberprüfungen“)
hat die Deutsche Rentenversicherung Bund ihr erstes KI-Projekt im Prüfdienst gestartet, um Arbeitgeberprüfungen stärker datenbasiert zu unterstützen.
KIRA analysiert digitale Unternehmensdaten wie Lohn- und Abrechnungsunterlagen und markiert potenzielle Auffälligkeiten, damit Prüferinnen und Prüfer gezielter Schwerpunkte setzen können. Die Entscheidung bleibt weiterhin beim Prüfdienst. Jedoch sorgt KIRA dafür, dass risikorelevante Fälle schneller sichtbar werden.
Was bedeutet das konkret für Unternehmen und Freelancer?
Gerade für Unternehmen, die mit Freelancern arbeiten, ist KIRA besonders relevant – denn Prüfungen könnten künftig zielgerichteter vorbereitet werden:
- Prüfungen werden fokussierter (Auffälligkeiten werden schneller sichtbar).
- Unklarheiten bei Vertrags- oder Einsatzmodellen können früher auffallen – und damit auch Themen rund um Scheinselbstständigkeit.
- Nachvollziehbare Compliance-Prozesse (Dokumentation, klare Verantwortlichkeiten, Projektrollen) werden wichtiger.
Für Freelancer bedeutet das: Klare Dokumentation der eigenen Tätigkeit sowie transparente vertragliche Rahmenbedingungen werden zunehmend entscheidend, um Missverständnisse – insbesondere im Kontext der Scheinselbstständigkeit – zu vermeiden.
Warum ist KIRA für 2026 relevant?
Laut EY wird KIRA seit Januar 2025 bereits in einer Testphase eingesetzt; der flächendeckende Einsatz ist ab 2026 geplant.
Warum ist KIRA relevant? Weil sich weniger die Rechtslage ändert, sondern vor allem die Prüfpraxis: Wenn Auffälligkeiten schneller identifiziert und Prüfungen risikoorientierter vorbereitet werden, steigt die Bedeutung von klar aufgesetzten Vertrags- und Einsatzmodellen im Alltag – gerade beim Einsatz externer Spezialistinnen und Spezialisten
Hinweis: Masterclass beim freelance summit 2026
Wenn Sie das Thema Scheinselbstständigkeit im Kontext von KIRA praxisnah einordnen möchten, lohnt sich der Blick auf den freelance summit am 05.05.2026 in München: Dort gibt es eine Masterclass zum Thema – mit Fokus auf konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen und Freelancer.




