Wie viel verdienen Freelancer in Deutschland?

Viele Menschen haben den Traum, als Freelancer zu arbeiten. Etliche von ihnen setzen ihren Traum in der Realität um und sind künftig ihr eigener Chef mit all den Freiheiten, die sie sich vorab vorgestellt haben. Dass es nicht so einfach ist und als Freelancer kein Chef mehr gedanklich verflucht werden kann, wird oft nach einiger Zeit klar. Spätestens dann, wenn sich die einstigen Gehaltsvorstellungen nicht mit der Realität decken wollen. Aber was verdienen Freelancer in Deutschland? Dieser Artikel schaut sich das einmal an.

Freelancer Home-Office

Es kommt auf die Branche an

Fakt ist, es gibt sehr gut verdienende oder auch reiche Freelancer. Fakt ist auch, dass es Freelancer gibt, die Pfandflaschen sammeln müssen. Laut dem Karriereportal Stepstone ist der durchschnittliche Jahresverdienst eines Freelancers bei 40.300 Euro anzusiedeln. Je nach Angebot, Branche und Standort variiert diese Summe jedoch deutlich.

Wie lässt sich das auf einzelne Branchen herunterrechnen?

  • IT – Freelancer im Bereich der IT haben den größten Spielrahmen. Zum einen umfasst der IT-Bereiche viele Abstufungen, wodurch sich ein Programmierer kaum mit einem IT-Supporter vergleichen lässt. Dafür steht Freelancern aus diesem Bereich ein großes Angebotsspektrum gegenüber, denn sie sind nicht auf regionale Aufträge angewiesen. Je nach Ausrichtung können Freelancer aus dem IT-Bereich durchaus den Durchschnittsverdienst deutlich übersteigen.
  • Makler – selbstständige Immobilienmakler profitieren aktuell natürlich von dem Immobilienmarkt. Freelancer verdienen monatlich zwischen 2.500 und 6.000 Euro, allerdings ist dies der Reinverdienst ohne Abzug der Kosten. Wer hingegen Luxusimmobilien vertreiben kann, dessen Gehalt fällt deutlich höher aus. Auf der anderen Seite ist die Zielgruppe für Luxusimmobilien begrenzt und durch die Verdienstmöglichkeiten versuchen viele Makler ihre Chance, in das Segment einzusteigen.
  • Rechtsanwälte – wer sich als Rechtsanwalt selbstständig macht, der arbeitet mit eigener Kanzlei ebenfalls als Freelancer. Die Verdienstfrage orientiert sich massiv an den gewählten Rechtsgebieten und des Kanzleisitzes. Wer beispielsweise in einer sozial schwächeren Gegend arbeitet und somit oft Fälle hat, die über die Prozesskostenhilfe abgedeckt werden, der verdient allgemein weniger.
  • Ärzte – mit einer eigenen Praxis sind die Verdienstmöglichkeiten durchaus interessant. Mit wird der Verdienst jedoch durch die Art der Patienten. Kassenpatienten werden nach fixen Sätzen abgerechnet, die bei häufigeren Besuchen sehr niedrig sind. Bei Privatpatienten ist der Verdienst deutlich höher.
  • Künstler, Autoren – auch sie sind Freelancer und die Reichweite des möglichen Verdienstes ist enorm. 2018 hieß es, dass gut 150 Autoren vom Schreiben leben können. Allerdings fallen hierunter nur die Verlagsautoren, diejenigen, die ihre Bücher selbst veröffentlichen und verkaufen haben meist ein höheres Einkommen. Doch allgemein gilt für den Bereich der künstlerischen Freelancertätigkeiten: Die Mehrzahl verdient kein normales Angestelltengehalt, während einige durchschnittlich oder darüber hinaus verdienen.

Die Berufswahl, der Standort und auch die äußeren Umstände entscheiden darüber, wie viel ein Freelancer wirklich verdient. Dabei darf nie vergessen werden, dass pauschal 50 Prozent der Einnahmen abgezogen werden müssen, da Steuern und Betriebskosten anfallen. Zugleich müssen sich Selbstständige ebenfalls versichern, was in einigen Branchen eine Pflichtversicherung in der Rentenversicherung beinhaltet.

Wie sieht es im Vergleich zur Festanstellung aus?

Bezüglich der Gehaltshöhe ist der Unterschied nicht zu markant. Freelancer wie Angestellte können mitunter über ihr Gehalt verhandeln, wobei erneut die Branche entscheidet. Im Zweifelsfall sollten Interessenten einen Gehaltscheck machen. In gewissen Punkten haben Angestellte jedoch drastische Vorteile:

  • Fixgehalt – das Gehalt ist im Arbeitsvertrag festgelegt und wird, sofern der Betrieb nicht abgewickelt wird, bis zum Ende des Vertrags monatlich pünktlich gezahlt. Freelancer verhandeln ihr Gehalt und halten die Summe auch fest, allerdings ist die Zahlungsmoral nicht bei allen Geschäftspartnern vorbildlich. Die Sicherheit, dass das Geld pünktlich am Tag X auf dem Konto ist, ist nie gegeben.
  • Nettogehalt – Arbeitnehmer erhalten ihren Lohn bereits abzüglich Steuern und Versicherungen ausgezahlt. Die Summe auf dem Konto steht nun vollständig zu ihrer Verfügung. Selbstständige hingegen müssen von ihren Einnahmen nicht nur die laufenden Kosten decken, sondern auch einen Steuerbetrag sowie die Kosten für Kranken- und Sozialversicherungen abziehen. Die überwiesene Summe steht somit nur teilweise zur Verfügung.
  • Absicherung – wird dem Arbeitnehmer gekündigt, so steht ihm automatisch Arbeitslosengeld zur Verfügung, da er monatlich bislang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Das Arbeitslosengeld ist zwar geringer, gleicht aber einen gewissen Anteil des Gehalts aus. Freelancer haben diesen Luxus nicht. Läuft der Betrieb nicht mehr oder können sie aus anderen Gründen nicht mehr arbeiten, so fallen sie sofort in den Hartz-4-Bezug, sofern sie nicht vorgesorgt haben.
  • Krankheit – auch bezüglich einer Krankheit gibt es finanzielle Unterschiede zwischen Arbeitnehmern und Freelancern. Bei Arbeitnehmern tritt automatisch die Lohnfortzahlung in Kraft, im Anschluss kann das Krankengeld einsetzen. Freelancer benötigen für die Krankengeldzahlung bereits einen Passus in ihrer Versicherung. Wer über die Künstlersozialkasse versichert ist, der erhält eine kürzere Wartefrist bis zum Krankengeld und erhält auch dieses ausgezahlt. Ohne die KSK müssen Freelancer lange im Vorfeld eigenständig sicherstellen, dass sie im Fall einer längeren Krankheit nicht nur die Zeit bis zum Krankengeld überbrücken, sondern dass sie das Krankengeld überhaupt in ihre Versicherung mit aufnehmen.

Freelancer genießen viele Freiheiten, doch sind die Anforderungen mitunter gewaltig. Schon die Frage, ob ein Freelancer von seiner Tätigkeit leben kann, hängt mit dem Beruf und dem eigenen Lebensstil zusammen. Wer keine gesonderten Räumlichkeiten benötigt, der kann seine Kostenlast deutlich senken. Wer hingegen als Freelancer Büro- oder Praxisräumlichkeiten benötigt, der hat diese Kosten monatlich zusätzlich zu stemmen.

Fazit – Freelancer ist kein Synonym für Reichtum

Vielfach wird behauptet, dass Freelancer allesamt gut verdienen. Jedoch ist das eine sehr pauschale Aussage, die weder berücksichtigt, dass es unzählige Branchen gibt, in denen ein Freelancer tätig sein kann, wie auch, dass die Verdienstmöglichkeiten in jeder Branche massiv variieren.

Wer den Schritt gehen möchte, der sollte sich schnellstmöglich um Sicherheiten kümmern und vor dem Start alle Anforderungen und Kosten gut durchrechnen. Gerade hinsichtlich einer Absicherung im Krankheitsfall darf nicht gespart werden – wer durch Krankheit nicht arbeiten kann, der verdient als Freelancer keinen einzigen Cent.

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