Co-Working abseits der Metropolen – Praxistipps aus Regensburg

Die ersten Co-Working Spaces entstanden in den USA, mittlerweile gibt es über 200 derartige Initiativen auch in Deutschland. Die meisten entstehen in den größeren Städten, aber in immer mehr kleineren Orten finden sich Selbstständige zusammen, um Räume gemeinsam zu nützen, Kosten für Miete und Infrastruktur zu teilen und gleichzeitig von den Kontakten, die entstehen, auch beruflich zu profitieren.

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Co-Working Spaces haben einen temporären Aspekt

Räume werden von den Einzelnen für einige Stunden pro Tag, einen Tag pro Woche oder Monat angemietet – völlig flexibel, je nach Bedarf. Manche bleiben über mehrere Jahre Mitmieter, andere verschwinden schnell, wenn sich die berufliche Ausrichtung ändert. Dabei entstehen nicht nur Kontakte zwischen Einzelnen, sondern richtige Gemeinschaften. Wer schon von Digital Nomads gehört hat, die sich weltweit zwischen verschiedenen solcher Spaces bewegen, weiß, dass solche Gemeinschaften auch über Städte- und Ländergrenzen hinweg gebildet werden.

Diese neuen Formen des Arbeitens zeigen einen Trend: Nicht nur der Inhalt der Arbeit ist ausschlaggebend für die Zufriedenheit im Beruf, auch die Orte, an denen man arbeitet, werden immer öfter bewusst gewählt. Und da kleinere Städte und ländliche Gebiete eine ganz eigene Lebensqualität bieten, müssen Selbstständige häufig nur noch zum Kunden in die Großstädte pendeln, wählen als Arbeitsort aber Home Office und Formen des Co-Working in Aachen, Münster, Lingen oder Bad Tölz.

Initiatoren sehen sich vor Ort mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert als in größeren Städten. Während passende Räume oft schneller und günstiger zu haben sind, hat sich Co-Working als Form des kreativen Zusammenarbeitens vielleicht noch nicht so richtig rumgesprochen und es ist schwieriger, Gleichgesinnte zu treffen – vor allem diejenigen, die sich wirklich verpflichtend an der neuen Idee beteiligen wollen.

Neep01, der Co-Working Space aus der 143.000-Einwohner-Stadt Regensburg, den wir gestern im Blog vorstellten, existiert seit etwa einem Jahr. Die Bilanz der neeps fällt sehr positiv aus, auch wenn die Herausforderung, Mitmieter zu finden, weiterhin besteht.

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Top Tipps für Ihre Co-Working Einrichtung

Karin Schnappauf hat sich auf der Veranstaltung zum ersten Geburtstag von neep01 umgehört und die Top 10 Tipps aus Regensburg gesammelt – für alle, die mit dem Gedanken spielen, Co-Working außerhalb von Berlin, Hamburg, Frankfurt, München & Co zu etablieren.

  1. Erklären, erklären und erlebbar machen
    Seien Sie sich klar darüber, dass Coworking zwar in den Metropolen etabliert ist, bei Ihnen vor Ort vielen der Sinn dahinter aber nicht wirklich klar ist, bzw. dass sie Arbeitsformen gewöhnt sind, mit denen sie gut zurechtkommen. Deshalb ist es wichtig, den Sinn und Nutzen gut zu erklären und z.B. durch Probe-Coworking-Aktionen auch erlebbar zu machen.
  2. Mieter realistisch einkalkulieren
    Seien Sie sich bewusst, dass „viele Interessent/innen“ noch nicht „genug Mieter/innen“ heißt, wenn es ernst wird mit dem Mietvertrag. Das kann schon daran liegen, dass der konkrete Standort dann für einige überhaupt nicht passt.
  3. Dranbleiben, flexibel bleiben
    Sie verfolgen einen missionarischen Plan, der – wenn´s gut geht – funktioniert und dafür großen konstanten Einsatz verlangt. Sie werden also damit vielleicht glücklich, aber sicher nicht reich. So schön es auch ist, mit X Leuten, die einen fixen Schreibtisch für jeden Tag mieten, zu kalkulieren: Interessanter ist vermutlich für viele ein Schreibtisch nur für einen Teil der Arbeitsstage zu mieten.
  4. Aktiv online Marketing betreiben
    Sorgen Sie dafür, dass Sie im Netz wirklich gut auffindbar sind. Konstantes Marketing und PR sind überhaupt sehr wichtig.
  5. Aktiv offline Marketing betreiben
    Überlegen Sie sich Veranstaltungen, die für die Leute, die Sie ansprechen wollen, interessant sind und laden Sie Leute, die Sie interessieren, gezielt ein. Mehrfach.
  6. Co-Working muss auch mal alleine klappen
    Lassen Sie sich nicht demoralisieren, wenn Sie – gerade in der Erkältungs- oder Urlaubszeit – tagelang alleine im Space sitzen, weil die anderen krank, im Urlaub, bei Kunden, im Homeoffice oder sonst wo sind.
  7. Plakativ sein
    Wählen Sie den Namen für Ihren Space so aus, dass mensch das collaborative Element absolut nicht übersehen kann.
  8. Netzwerken in der Stadt
    Pflegen Sie Ihre Netzwerkkontakte in der Szene der Kultur- und Kreativwirtschaft und zu Menschen, die regelmäßig mit Menschen zu tun haben, die neu in der Stadt sind oder sich gerade beruflich verändern.
  9. Netzwerken außerhalb der Stadt
    Schauen Sie sich Spaces in anderen Städten an und nehmen Sie an Co-Working-Konferenzen teil.
  10. Nett zueinander sein
    Planen Sie Zeit ein, um wirklich eine Gemeinschaft zu werden, gehen Sie achtsam miteinander um und seien Sie offen für neue Leute!

Haben auch Sie von Initiativen außerhalb der Metropolen gehört?

Wir freuen uns auf Kommentare und Links zu interessanten Co-Working Spaces! Welche Art des Arbeitens bevorzugen Sie persönlich: zu Hause, beim Kunden, im Co-Working?

Besonders würden wir uns über Beiträge von Freelancern freuen, die derzeit in der Gründungsphase eines Co-Working Spaces stecken:

  • Welche Erfahrungen machen Sie?
  • Wo haben Sie Fragen?
  • Welche Antworten haben Sie für Ihren Space gefunden?

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