Ein wahrer Genuss und ein schweres Gefühl im Bauch zugleich: der Sprung ins Ungewisse

Die Angst vor finanziellen Risiken ist es vor allem, die viele Arbeitnehmer davon abhält, den Schritt in die Selbständigkeit zu machen. Werde ich jemals mein bisheriges Gehalt durch selbständige Tätigkeiten erarbeiten können? Wie soll ich Schwankungen ausgleichen? Und wird das Ganze zu stark auf Kosten meiner Familie und meines Privatlebens gehen? Trotz aller Bedenken wagen immer mehr den Sprung ins Ungewisse – mit Zusagen zukünftiger Auftraggeber an Bord oder ohne. Die erste Zeit erleben sie dabei als bereichernd und herausfordernd: ein Rückblick von sechs Selbständigen für die Freelance.de-Themenwoche.

Freude, Freiheit – und Eigenverantwortung

Steffen Ruschinski, der sich im Bereich Biostatistik und Unternehmensoptimierung selbständig machte, schildert die Anfänge seiner Selbständigkeit so: „Zuerst die Freude über das erste Projekt, leider war es zeitlich sehr begrenzt. Danach passierte eine ganze Zeit nichts.“ Und er schließt gleich die wichtigste Erfahrung an, die er machte: „Man muss lernen, sich mit der Tatsache zurechtzufinden, dass es keine Garantie für Aufträge gibt.“ Die Erfahrung von Unsicherheit machen viele, einige scheitern gleich zu Anfang, geben auf und suchen ihren Weg zurück in ein Angestelltenverhältnis. Wer ein finanzielles Polster hat, die richtigen Informationen und zudem gute Nerven und Lust auf Herausforderungen, macht weiter. „Ein wahrer Genuss und ein schweres Gefühl im Bauch zugleich“, so beschreibt Nathalie Helen Constanda, selbständig im Bereich Praxisoptimierung, ihre Anfänge. „Ich hatte auf einmal viele neue Freiheiten und viele neue Pflichten zugleich. Ich war für meinen Erfolg und die Auftragslage alleine verantwortlich.“

Neue Chancen

Dass diese Verantwortung nicht unbedingt bedeutet, dass man nur die richtigen Hebel betätigen muss, um Aufträge zu bekommen, zeigte sich bei Sandra Kathe. Sie meint heute, wenn sie zurückschaut: „Die ersten Monate waren eine ziemliche Durststrecke, liefen aber gleichzeitig auch erstaunlich gut. Zumindest hatte ich immer wieder das Gefühl, offene Türen einzurennen und Chancen eingeräumt zu bekommen, wo ich keine erwartet hatte.“

Das private Umfeld

Besonders schwierig wird der Anfang, wenn es im privaten Umfeld nicht nur Rückhalt gibt, sondern vielleicht sogar Ereignisse, die die volle Aufmerksamkeit fordern. „Da ich privat mit einem Todesfall konfrontiert war, liefen diese Monate mehr oder weniger an mir vorbei, ohne dass ich wirklich realisierte, dass ich selbständig war“, erzählt Ilona Reier, die Sekretariatsservice anbietet. Dank kleinerer Aufträge durch ehemalige Kollegen, kam sie durch die erste Zeit auch ohne Werbebriefe und Anzeigenschaltungen. Andere dagegen haben Glück und können sich auf die Hilfe durch Familie, Partner oder Freunde verlassen. Für Sandra Straub Social Media Beraterin und Autorin ist klar, dass sie in der Anfangszeit ohne die Unterstützung ihrer Familie aufgegeben hätte.

Neuorientierung

Für Sandra Staub war die erste Zeit ihrer Selbständigkeit voller Ereignisse, sodass sie sich an Details gar nicht mehr erinnert. Allerdings weiß sie noch genau: „Ich erschrak immer bei meinem Kontostand, denn ich machte quasi zwei Jobs und wurde nur für einen bezahlt.“ Als Texterin verdiente sie ihr Geld, als Social Media Beraterin sei sie vor fünf Jahren ihrer Zeit voraus gewesen. Und so musste sie eine Vielzahl von Strategien anwenden, um für ihre Ideen Gehör zu finden: „Ich gab Gratis‐Webinare, lernte Vorträge zu halten, ging auf zig Netzwerktreffen und investierte unzählige Stunden in meine persönliche Weiterbildung.“

Der Schlüsselmoment

Sandra Kathe schwärmt davon, dank völlig unterschiedlicher Aufträge in der Selbständigkeit das gefunden zu haben, was sie bei ihrem alten Job vermisst hatte. „Der Moment, in dem ich das festgestellt habe, war überwältigend. Das war im Auto auf dem Heimweg von einer Theaterveranstaltung, die ich für einen journalistischen Auftraggeber kritisieren sollte. Das war dann so der Schlüsselmoment, gefühlsmäßig eine Mischung aus real und absolut irreal, als langsam klar war, dass ich die ersten Monate überlebt hatte, noch dazu mit einer Tätigkeit, die ich liebe.“ Hatten auch Sie einen ähnlichen Schlüsselmoment, als plötzlich klar war, dass sie es geschafft haben?

Woran haben Sie Ihren Erfolg in der Anfangszeit gemessen?

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Daniel Wagner

Daniel Wagner

Daniel Wagner ist freiberuflicher Community Manager. Mit seinem Label Danny Woot hat er sich auf den Aufbau und die Betreuung von Online-Communities speziell in der Entertainment-Branche (Film, TV, Games) spezialisiert.

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