Steuer-ABC für Freelancer, Freiberufler und Selbstständige

Wer als Freelancer arbeitet, führt Steuern nicht automatisch über den Lohn ab. Freelancer müssen sich also selbst mit dem Thema Steuern auseinandersetzen, mehr als Arbeitnehmer. Damit Sie nicht den Überblick verlieren, haben wir für Sie ein Steuer-ABC zusammengestellt.

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Steuern als Freelancer: Belege aufbewahren und ablegen

Büromaterial, Briefmarken, die Fahrt mit der Bahn zum Kunden: Die Belege zu sammeln und ordentlich abzulegen ist für Freelancer genauso unumgänglich wie eine ordentliche Buchhaltung. Absetzen lassen sich die Kontoführungsgebühren für ein betrieblich genutztes Konto, ihre Arbeitsmittel, Werbegeschenke bis 35 Euro, Fachliteratur, Beiträge zu Berufsverbänden, viele Versicherungen und einiges mehr. Was genau am Ende absetzbar ist, entscheidet das Finanzamt, Steuerberater helfen. Eines aber ist sicher: Belege müssen aufbewahrt werden.

Steuern als Freelancer: Die Kleinunternehmer-Regelung

Freelancer, die im ersten oder vergangenen Jahr einen Umsatz unterhalb von 22.000 € und im Folgejahr voraussichtlich nicht über 50.000 € machen, dürfen die Kleinunternehmerregelung anwenden und müssen keine Umsatzsteuer abführen. Auf ihren Rechnungen werden Netto-Beträge ausgewiesen. Ob Sie als Freelancer ein Gewerbe anmelden müssen oder nicht, hat hiermit nichts zu tun. Gewerbe als Freelancer – alle Informationen haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Steuern für Freelancer: Die Umsatzsteuer kann monatlich, vierteljährlich oder jährlich fällig sein

Sie haben bereits gemerkt: Das Thema Steuern wird nicht punktuell relevant, sondern begleitet den Freelancer durch das ganze Jahr. Die vielleicht am deutlichsten spürbare Veränderung ist die Umsatzsteuer. Wer als Freelancer nicht die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nimmt, muss die Umsatzsteuer auf Rechnungen ausweisen, und zu bestimmten Fristen an das Finanzamt abführen. Ob sieben oder 19% Steuern auf der Rechnung ausgewiesen werden müssen, hängt von der Art der Leistung ab.

Spätestens zum 10. eines Monats muss die Umsatzsteuervoranmeldung beim Finanzamt vorliegen und der errechnete Betrag an das Finanzamt überwiesen worden sein – monatlich, nach Quartals- oder Jahresende. Die jeweilige Frist legt das Finanzamt fest. Der zu zahlende Betrag errechnet sich aus der eingenommenen Umsatzsteuer abzüglich der bezahlten Umsatzsteuer. Haben Sie also zum Beispiel Büromaterial für den Beruf gekauft, ziehen Sie die hierauf gezahlte Umsatzsteuer von Ihren Umsatzsteuereinnahmen ab. Und Achtung: Wer mehrfach verspätet zahlt, muss mit empfindlichen Strafzahlungen rechnen.

freelance.de Steuertipp:
Am Ende des Monats abrechnen: Welche Einnahmen verbuchen Sie, wie viel Steuern werden darauf fällig? Den errechneten Betrag direkt auf ein separates Konto abweisen, zum Beispiel auf ein Tagesgeldkonto. So vermeiden Sie unschöne Überraschungen im Folgejahr. Läuft es genau dann schlechter, wenn die Steuerzahlung fällig wird, kennt das Finanzamt kein Pardon: Es geht davon aus, dass Sie die Steuerschuld aus den laufenden Einnahmen tilgen können und gewährt im Regelfall keinen Zahlungsaufschub.

Steuern für Freelancer: Die Einkommenssteuer und der Einkommenssteuersatz

Wer in Deutschland im Jahr unter 8.820€ verdient (abzüglich aller ansetzbaren Kosten), ist von der Einkommenssteuer befreit. Versteuert werden muss, was darüber hinaus verdient wird – und zwar nach einem festgelegten Einkommenssteuersatz. Je mehr Freelancer verdienen, desto mehr müssen sie zahlen. Den individuellen Steuersatz legt das Finanzamt fest, beim Bundesfinanzministerium können Sie Ihren individuellen Steuersatz berechnen lassen.

Doch Achtung: Ihr Vorsteuer-Gewinn setzt sich zusammen aus den Einnahmen, abzüglich ihrer aufgewendeten Kosten. Doch die Ausgaben lassen sich nicht 1:1 absetzen, sondern zu vom Finanzamt festgelegten Pauschalen.

Steuern für Freelancer: Wie viel Gewerbesteuer zahlen Freelancer?

Ob Sie als Freelancer ein Gewerbe anmelden müssen oder nicht, hängt von der Art der Tätigkeit ab (siehe oben). Sollten Sie sich für eine Gewerbeanmeldung entschieden haben, können Sie als Personengesellschaft von einem Freibetrag von 24.500 Euro profitieren. Das heißt, Sie zahlen die Gewerbesteuern nur auf den Gewinn, der über die 24.500 Euro hinausgeht. Zusätzlich weist jede Kommune den so genannten Hebesatz auf die Gewerbesteuer aus und beeinflusst damit den Steuerzufluss an die Gemeinde.

Steuern für Freelancer: Steuertipp von Kontist, einem Steuerservice für Selbstständige

Durch das Verschieben der Zahlungszeitpunkte Steuern sparen

Für Freiberufler gilt das sogenannte Zufluss-Abfluss-Prinzip. Das bedeutet, dass eine Einnahme und eine Ausgabe steuerlich relevant ist, sobald das Geld auf dem Konto eingeht bzw. abgeht. Diese Zahlungszeitpunkte kann man als Freelancer bewusst beeinflussen, um Steuern zu sparen.

Sie haben in diesem Jahr schon gut verdient und Ihr Steuersatz ist in diesem Jahr recht hoch?

Dann sprechen Sie sich mit Ihren Kunden ab und schreiben Ihre Rechnungen erst am 31.12., damit der Geldeingang erst im kommenden Jahr auf dem Konto landet und für diese Einnahmen nicht der hohe Steuersatz von diesem Jahr, sondern der niedrigere vom folgenden Jahr fällig wird.

Umgekehrt kann man auch Ausgaben vorziehen und so den Steuersatz in diesem Jahr reduzieren, zum Beispiel in dem man Softwaretools und regelmäßigen Abos am Jahresende auf jährliche Zahlungsweise umstellt. (Melchior Neumann, Kanzleimanager von Kontist)

Ein ergänzendes Video:

Kathrin Reikowski

Kathrin Reikowski ist freie Autorin und Journalistin, sie arbeitet vor allem für Hörfunk und Online.

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