Das wünschen sich Freelancer von der Politik

Freelancer und PolitikAuch wenn die SPD auf ihrem Parteitag den GroKo-Verhandlungen zugestimmt hat, ist die Zukunft der deutschen Politik noch immer ungewiss. Zeit, dass die Freelancer zu Wort kommen. Was wünschen sie sich von der Politik?

Unsere große freelance.de Umfrage ergab im Wesentlichen folgende Forderungen an Politik: „Keine Benachteiligung bei Rente, Krankenversicherung, Scheinselbstständigkeit.“ Dabei erwarten sie sich vor allem „weniger Bürokratie“ und „mehr Gleichberechtigung.“ Im Einzelnen gestalten sich ihre Erwartungen an die kommende Regierung folgendermaßen:

Gesetzliche Hürden und Regelungen

Etwa ¾ aller Befragten wünschen sich weniger gesetzliche Hürden – oder zumindest solche, die klarer und eindeutiger festgesetzt sind. Besonders ein Thema beschäftigt unsere Freelancer: Scheinselbstständigkeit. Allzu viele Herausforderungen, und oftmals undurchsichtige und komplizierte Richtlinien machen es ihnen dabei nicht immer leicht. „Endlich eine klare Ansage zum Thema Scheinselbstständigkeit“, fordern deshalb viele, besonders „da in den letzten Jahren immer nur Stillstand in der Sache war.“ Die Sondierer halten sich zu diesem Thema noch bedeckt: Lediglich das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (allg.: Werkvertragsgesetz) soll 2019 evaluiert werden. Hier bleibt wohl zunächst diese recht vage Aussage im Raum stehen.

Mehr zum Thema Rechtssicherheit für Freelancer erfahren Sie in unserem Interview mit VGSD-Vorstand Dr. Andreas Lutz.

Steuererleichterungen

„Mehr Flexibilität beim Finanzamt“ wünschen sich sicherlich die meisten Menschen. Doch für Freelancer können Probleme mit Steuern und Finanzamt schnell an die Existenzgrundlage gehen. Sie müssen bei der Steuererklärung oftmals auch deutlich mehr beachten als Festangestellte. So gibt es beispielsweise beim Anspruch auf Hartz IV Unterschiede, was die weitere Abfuhr von Steuern angeht. Es ist also kaum verwunderlich, dass sich 53% unserer Freelancer eine deutliche Erleichterung in Sachen Steuern erhoffen. Insgesamt wünschen sie sich von der Politik für ihre steuerliche Ausgangslage als Freiberufler „weniger Benachteiligung“ und „mehr Gleichstellung.“

Damit Sie das geldtechnisch das Maximum für sich herausholen können, haben wir Ihnen die wichtigsten Tipps und Hinweise zu Ihrer Steuererklärung zusammengefasst.

Versicherungen

Sind die gesetzlichen und steuerlichen Regelungen für unsere Freelancer zum Teil schon schwierig, so wiegen die Richtlinien in puncto Versicherungen für viele teilweise noch schwerer. Knapp 50% der befragten Freelancer geben an, dass sie hier deutliche Erleichterungen von der Politik einfordern. So sind ein  „vereinfachter Zugang zu den Sozialsystemen“ und „bessere Integration in soziale Absicherungen“ essentiell und nicht mehr aufzuschieben für eine weitgehende Gleichstellung von Festangestellten und Freiberuflern. Durch eine „angemessene Sozialversicherung“ würden sich, so die Meinung der Freelancer, noch deutlich mehr für die Arbeit als Freiberufler entscheiden. Denn bislang ist das Risiko, das man als Freier im Krankheits- oder Arbeitslosenfall sowie in Bezug auf die Rente trägt, für einige noch ein kritischer Punkt. Obwohl auch für Selbstständige bei der Unfall-, Arbeitslosen und teilweise auch bei der Rentenversicherung eine Versicherungspflicht besteht, scheinen diese Themen die Freelancer weiterhin sehr zu beschäftigen. Auch die Herausforderungen in puncto Mindestbeiträge bei der Krankenversicherung sollte die Politik verstärkt in Angriff nehmen. In ihrem Sondierungspapier schreiben CDU, CSU und SPD:

„Um den sozialen Schutz von Selbständigen zu verbessern, wollen wir eine gründerfreundlich
ausgestaltete Altersvorsorgepflicht für alle Selbständigen einführen, die
nicht bereits anderweitig abgesichert sind. Dabei sollen diese zwischen der gesetzlichen
Rentenversicherung und – als Opt-out-Lösung – anderen geeigneten insolvenzsicheren
Vorsorgearten wählen können. Zudem werden wir die Mindestkrankenversichungsbeiträge
für kleine Selbstständige reduzieren.“

Generell stellt die Ungleichbehandlung von Festangestellten und Freelancern ein wesentliches Problem dar. Insgesamt decken sich die Forderungen der Freelancer an die Politik auch weitestgehend mit den Erkenntnissen des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V. (VGSD). Dieser erläutert in seinem Bericht, was die GroKo für Selbstständige bringen wird. Der VGSD kämpft bereits seit Jahren für die Absenkung der Mindestbeiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung. Dies soll nun gefruchtet haben. Genaue Zahlen sind jedoch noch nicht bekannt. Dagegen bestätigen die Sondierer die Möglichkeit, neben der Rentenversicherung auch andere Formen der Altersvorsorge zu treffen, was vom Verband begrüßt wird. Er will sich für eine breite Bandfläche an Wahlmöglichkeiten einsetzen. Im gleichen Zug fordert der Verband endlich Rechtssicherheit in Sachen Scheinselbstständigkeit.

Die genauen Zahlen zu den einzelnen Ansprüchen und wie sich diese über die verschiedenen Branchen der Freelancer verteilen, lesen Sie in unserer Pressemeldung.

Antonia Markiewitz

Antonia Markiewitz

ist bei freelance.de im Bereich Online Marketing tätig.

3 Kommentare:

  1. Thorben Kaufmann

    Erst einmal kann man sich nur Bedanken, wenn jemand in diesem Land zumindest versucht gegen den Strom zu schwimmen.
    Nur alles in Allem muss man sich doch ernsthaft fragen, ob es nicht mittelfristig mehr Sinn bringt, sich als Selbständiger vor Augen zu führen, wofür man eigentlich einsteht, die Eigenverantwortung und Selbständigkeit, und dann das Prinzip des Marktes greifen läßt. Tut man dies, wird man sehr schnell feststellen müssen, daß Deutschland schon lange nicht mehr der Platz ist, an dem man in Gründung gehen sollte. Die Welt ist groß und hat viele interessante Alternativen. Daß die deutschen „Hightech Branchen“ noch immer gute Geschäftspartner sein können steht ausser Frage. Nur die kann man auch aus dem inner- oder gar aussereuropäischen Ausland bedienen. Nicht eben alle, aber dafür hat man ja auch wieder andere Optionen.
    Gerade mit der deutschen Politik verspielt man nur kostbare Zeit und Energie, das gesamte Steuermodel ist getrimmt auf immer mehr von von den Leistungsträgern abzugreifen und ständig hat ein Politiker neue Ideen, wie es einem mit einer neuen Sonderregelung jetzt noch besser gehen wird.
    Die einzig sinnvolle Entscheidung für mich ist an dieser Stelle die eine: schauen, wer einem das Maximum für ein Minimum bietet. Ergo: nach >25 Jahren Selbständigkeit und Unternehmertum brechen wir die Zelte ab und gehen ins Ausland. Schon wieder drei echte Erfahrungsträger aus dem Ingenieurumfeld, die das weite suchen. Die jährlichen Zahlen zu diesem Kontext sprechen Bände.

  2. Hallo,
    ich mächte kurz meine Situation schildern. Ich bin freiberuflicher Englisch Trainer. Meine Stundensätze sind zwischen 30 und 42 Euro pro Unterrichtseinheit (45) Minuten. Es werden nur die Stunden bezahlt in der in Trainings gebe. Ich bin dipl päd und bin zweisprachige Muttersprachlerin (Eng/deutsch). Mit allen Abzügen verdiene ich zwischen 0-7 Euro Net/UE. Mein gesetzliches Recht auf Urlaub ist durch Zwangsurlaub (Semesterpausen, Ferien, und Sommerpausen), nur ich kann mir nichts leisten. Ich arbeite 35 UE in der Woche (ca. 60 Stunden), bin allein erziehend. Es werden keine Verträge vereinbart, sondern mir einfach gegeben unter dem Motto: take it or leave it.
    Wir übernehmen die Verwaltungsarbeit der jeweiligen Auftraggebers inklusive Bearbeitung ihre Systeme (Noteneinträge, Evaluationdurchführung, Zielsetzungssformulare, Traininsablaufdokumentation, etc). Unsere Kurse werden beliebig ohne Honorar/Vergütung abgesagt.
    Bildungsinstitute wie Universitäten zahlen zwischen 25-30 Euro/UE.
    Man ist verpflichtet als Lehrer in die Rentenversicherung einzuzahlen, aber darf nicht als Lehrer arbeiten. Pädagogen bekommen keine Lehrbefähigung auch wenn sie sich in den jeweiligen Gebieten spezialisieren.
    Ich wollte nur hier die Wahrheit von Freiberufliche, ausgebeutete Sprachtrainer schildern. Es heisst Outsourcing und es beutet:legale Ausbeutung.

  3. Willi Wacker

    Herr Kaufmann hat Recht.

    Wir haben diesen Schritt schon vor 20 Jahren
    getan.
    Ein weiteres Problem sind Kredite.
    Kaum zu bekommen in Deutschland.
    Es sei den man ist Beamter.
    Selbstständige sind Kunden zweiter Klasse.

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