Independent Professionals – Wissensarbeiter zwischen Höchstsätzen und Scheinselbstständigkeit

Seit die Diskussion um Scheinselbstständigkeit an Fahrt gewonnen hat, kursiert hier und da ein Begriff in den deutschen Medien, der eine Gruppe unter den Selbstständigen genauer ins Auge fasst: „Independent Professionals“.

Die FAZ schreibt dazu: „Der oder die IP bildet eine Mischung aus betriebsspezifischem Experten, Unternehmensberatern, Managern und Zeitarbeitern. Im Idealfall vereint er die besten dieser Welten auf sich. Gemeinsam ist diesen Spezialisten mit Beratungshintergrund, dass sie zeitlich begrenzt in die Unternehmen geholt werden und für eine konkrete Aufgabe Teil des Teams werden.“

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Unter den Begriff fallen vor allem Spezialisten, die Arbeitserfahrung aus dem Angestelltendasein mitbringen und für spezielle Projekte kurzfristig verfügbar sind. Momentan ist die Nachfrage nach Independent Professionals vor allem in verschiedenen Bereichen der Digitalisierung groß, etwa wenn es um die Umstellung interner Prozesse geht. Aber auch für große internationale Projekte werden immer mehr externe Wissensarbeiter herangezogen. Für sie ergeben sich damit spannende, abwechslungsreiche und anspruchsvolle Tätigkeiten, was sich wiederum mit einem Lebensstil deckt, der auf Abwechslung und Flexibilität ausgerichtet wird.

Noch ist der Begriff relativ unbekannt, obwohl eine internationale Studie zeigte, dass immer mehr Leute als Independent Professional arbeiten oder sich vorstellen können, es künftig zu tun. Das Wirtschaftsmagazin brand eins hat über die Studie berichtet. Auch die Anforderungen, die die rasant fortschreitende Digitalisierung mit sich bringt, deuten darauf hin, dass Unternehmen immer mehr auf sie angewiesen sein werden.

Wer sich auf die richtigen Aspekte spezialisiert, sein Profil gleichzeitig von anderen Independent Professionals abgrenzen kann und dann auch noch gute Arbeit liefert, hat großartige Chancen auf tolle, abwechslungsreiche, gut bezahlte Jobs. Besonders, wenn die aktuelle Diskussion um die Scheinselbstständigkeit es schafft, den Unterschied zwischen freiwillig selbstständig Arbeitenden und unter ausbeuterischen Bedingungen scheinselbstständig Beschäftigten im Gesetz festzuhalten. Bleibt zu hoffen, dass der Begriff dazu beitragen kann. Und das wiederum, ohne all die Freelancer zu vergessen, die sich nicht Independent Professional nennen.

Alina Bergmann

Alina Bergmann

Alina ist Marketing Manager bei freelance.de - als Tochter von zwei Freelancern und mit einem Bachelor in Kommunikationsmanagement widmet sie sich den Themen der Selbstständigen in Blog Posts, Tweets und auf der Website.

Ein Kommentar:

  1. Ein treffender Artikel der den Nagel auf den Kopf trifft. Der Begriff Independent Professionals ist mir zwar neu, aber passt meines Erachtens gut. Ich selbst bin selbstständig als Bürodienstleister und zusätzlich im Fachbereich SCM / Logistik tätig. Ich bin stolz auf meine Unabhängigkeit und würde das gerne bleiben. Mit diesem “Werkvertragsgesetz” entzieht mir der Staat allerdings die Existenzgrundlage, sollte es denn so kommen wie es heute in der Diskussion steht.
    In meinem und vielen mir bekannten anderen Fällen geht es nicht um prekäre Existenzen. Im Gegenteil: Im Angestelltenverhältnis würde ich niemals so hohe Beträge für Steuern an den Staat abgeben. Ich habe Rücklagen, kümmere mich um eine gute Altersvorsorge und bin überversichert wie die meisten Deutschen. Hier wird ein ganzer Bereich in der Mittelschicht vernichtet, wenn dieses Gesetz unsere gute, selbst gesteuerte Arbeit vernichtet.

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