Mit Tablet am Kinderbett und Fußballfeld: Einblicke und Tipps von anderen Eltern

Themenwoche: Freelancer und Kinderbetreuung

Der Alltag eines Freelancer-Elternteils mit Familie sieht anders aus, je nach individueller Situation: Leben drei Töchter im Teenager-Alter mit Mama und Papa unter einem Dach? Versorgt der freiberufliche Vater zwei Söhne im Kleinkindalter nur am Wochenende? Sind beide Elternteile freiberuflich oder gibt es einen fest angestellten, gut verdienenden Partner? Weckt ein Neugeborenes nachts noch regelmäßig alle mehrfach auf?

Die Vielfalt der Situationen macht es schwierig, allgemein gültige Regeln aufzustellen. Wir möchten Sie vielmehr dazu ermuntern, auszuprobieren, den für sich momentan besten Weg zu suchen und nach einem Scheitern sofort wieder aufzustehen. Denn für Zögern und Grübeln lassen die Kinder Mama und Papa sowieso keine Zeit…

Daher verzichten wir an dieser Stelle auf ein Experteninterview und lassen Eltern zu Wort kommen. Wir haben nachgefragt, welche Top-Tipps sie für andere Mütter und Väter in der gleichen Situation haben.

sommer-kinder

Yvonne Berl, Mutter einer 18 Monate alten Tochter, rät anderen Eltern:
„Am besten ist es, diszipliniert jede Schlafphase tagsüber für die Arbeit nutzen und nicht mal eben schnell Abendessen kochen oder aufräumen oder duschen. Dann bleibt zwar immer noch die schwere Entscheidung mit welcher Arbeit man beginnt, aber diese trifft man am besten schon wenn das Kind noch wach ist. Hervorragend finde ich auch mein Tablet um Recherchen etc. schon beim ins Bett bringen zu erledigen oder mal ein Fachbuch zu lesen. Das klappt dann auch im Dunkeln abends. Außerdem habe ich mich mit anderen Eltern in der Initiative Rockzipfel zusammengeschlossen, wo wir als Eltern CoWorking mit Kind organisieren.“

Gudrun Wegener, Designerin und Mutter von zwei Kleinkindern:
„Mein Tipp ist eine klare Trennung von Arbeitszeit und Familienzeit. Sag deinen Kunden, dass du telefonisch nur von 9-00 – 14.00 Uhr zu erreichen bist. Kümmere dich in dieser Zeit dann auch wirklich nur um berufliche Dinge, egal ob die Müslischalen vom Frühstück noch in den Spüler geräumt werden müssen. Schaffe dir eine feste Arbeitsumgebung. Ich zum Beispiel lasse mich schnell ablenken und bin sehr viel effektiver geworden, seitdem ich ein kleines Büro in der Nähe unserer Wohnung habe.
Verordne dir selbst eine Familienzeit, in der du nicht arbeitest, wie 15.00 – 18.00 Uhr – und halte dich daran! Das gilt dann auch für E-Mails, Anrufe oder deine beruflichen Social Media Kanäle. Diese Zeit ist nur für dich und deine Kinder.
Je klarer die Regeln desto einfacher ist es für dich, deine Familie und auch für deine Auftraggeber. Das größte Risiko bei dieser Arbeitsweise ist für mich, dass ich meine eigenen Kräfte überschätzte. Natürlich kann man eine ganze Zeit lang die Nächte durcharbeiten, aber es müssen (!) dann auch wieder ruhigere Phasen kommen. Ständig über die eigenen Grenzen zu gehen macht krank und das nützt dann weder mir, noch meiner Familie.
In besonders arbeitsintensiven Zeiten ist ein gut funktionierendes Netzwerk mit anderen Eltern sehr hilfreich. Manchmal machen genau die zwei Stunden, in denen die Kinder zum Spielen bei Freunden verabredet sind, den großen Unterschied.“

Susanne Glück, freiberufliche Übersetzerin aus Heidelberg und Mutter von Jonathan (6) und Sylvia (9):
„Ich habe keine festen Regeln, wann Arbeits- und wann Freizeit ist, versuche aber am Wochenende zumindest tagsüber nicht arbeiten zu müssen. Mit Hausarbeit nehme ich es nicht so genau, versuche sie nebenbei in kleinen Happen zu erledigen (am besten, wenn die Kinder da sind und ich mich sowieso nicht auf die Arbeit würde konzentrieren können).
Wenn man freiberuflich zu Hause arbeitet, würde ich auf jeden Fall empfehlen, einen getrennten Telefonanschluss für die Arbeit zu haben oder zumindest eine andere AB-Ansage und einen anderen Klingelton, damit man ggf. quasi im Arbeitsmodus ans Telefon gehen kann.
Und die Kinder nicht ans Arbeitstelefon gehen lassen! Unterwegs, z.B. auf dem Spielplatz, nur ans Arbeitshandy gehen, wenn man nicht gleichzeitig dem Kind hinterher rennen/klettern/schreien muss, lieber die Kunden daran gewöhnen, dass sie aufs Band sprechen und man zeitnah zurückruft oder eine Mail schreibt. Man muss ein Gespür dafür entwickeln, wie viel Einblick in sein Privatleben man verschiedenen Kunden gewähren soll: Es ist vielleicht sympathisch, wenn man einen Auftrag nicht übernehmen möchte, weil man einen Geburtstagskuchen für den Sohn backen will, aber es wirkt nicht unbedingt professionell. Auch wenn man Betreuungsengpässe hat oder das Kind krank ist, finde ich es meistens besser, die Umstände nicht so explizit zu nennen, weil manche Kunden dann befürchten, dass man nicht zuverlässig ist. Ich habe dann oft einfach „zurzeit keine Kapazitäten mehr“.“

Lena Willis, freiberufliche Tanzpädagogin und Mutter von Elio (5):
„Die Zeit mit den Kindern genießen, Freizeit für spontane Ausflüge nützen und versuchen, im Umgang mit den finanziellen Schwankungen Gelassenheit zu entwickeln. Diese Gelassenheit bewahren, auch wenn durch familiäre Veränderungen immer wieder etwas umorganisiert werden muss.“

Hans-Georg Nelles, Vater von drei erwachsenen Kindern und freiberuflicher Organisationsberater und Journalist:
„Das wichtigste sind die Aushandlungsprozesse mit der Partnerin, aber auch mit den Kindern, gerade wenn diese schon älter sind. Wer macht was wann und …Gegenseitiges Verständnis für kurzfristige Veränderungen und die Pläne B und C sind in jedem Fall auch sehr hilfreich.“

Béa Beste, Unternehmerin und Bloggerin:
„Ich finde es wichtig und richtig, dass Kinder mitbekommen, dass Arbeit auch etwas Erfüllendes, Spannendes, Wichtiges und Spaßbringendes ist. Warum nicht auch das im Familienleben integrieren, mit allen besprechen, woran Mama gerade “knackt” oder was Papa gerade für eine Idee eingefallen ist…? Warum die Arbeit als Familienstörenfried betrachten? Lieber den Kindern vorleben, dass man ein Wochenende mal durchpowert und dafür ein Montagnachmittag mal fürs Schwimmbad oder Shopping reserviert ist. Ich habe meiner Tochter immer gesagt, dass ich meine Arbeit gern tue. Und dann hat sie neben mir eben ihre Hausaufgaben gemacht – keine
von uns hat sich arm gefühlt, sondern wir haben erledigte Zwischenetappen mit einer kleinen Belohnung für uns beide gefeiert: Eis, ‘ne Runde auf dem Trampolin, einmal Kreidegesichter auf der Straße malen…“

Unsere Themenwoche im Überblick:

Montag: Freiberufler-Eltern: Der Spagat zwischen Kindern und Kunden
Dienstag: Erfahrungen machen: Familien im Abenteuer Freiberuflichkeit
Mittwoch: Das ElterngeldPlus: Eine Starthilfe ins Elterndasein für Freiberufler
Donnerstag: Monatsmiete, Rücklagen und schlaflose Nächte: Finanztipps
Freitag: Mit Tablet am Kinderbett und Fußballfeld: Einblicke und Tipps

Daniel Wagner

Daniel Wagner

Daniel Wagner ist freiberuflicher Community Manager. Mit seinem Label Danny Woot hat er sich auf den Aufbau und die Betreuung von Online-Communities speziell in der Entertainment-Branche (Film, TV, Games) spezialisiert.

2 Kommentare:

  1. Schönes Thema der Woche!

    Und die bekannten Namen finden sich auch – das freut mich. Bin gespannt auf die weiteren Themen und Tage.

  2. Pingback:Freiberufler-Eltern: Der Spagat zwischen Kindern und Kunden | Freelance.de Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.