Freelancer Bezahlung – was ist fair und sind kostenlose Probearbeiten legitim?

Wenn es um die Bezahlung für Freelancer geht, treffen unterschiedliche Interessen aufeinander: Doch welche Vergütung ist fair und sollte ich Probearbeiten kostenlos anbieten?

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Als Freelancer freut man sich immer über neue Anfragen und potenzielle Aufträge. Doch nicht zu selten weicht die Freude und Enttäuschung macht sich breit, wenn es um die Vergütung geht. Um die Sensibilität für eine faire Bezahlung bei Auftraggebern zu wecken, ist es wichtig, darüber zu sprechen. Dieser Beitrag widmet sich deshalb der Bezahlung von Freelancern und versucht eine Antwort darauf zu finden, was fair ist.

Bei der Vergütung von Freelancern treffen zwei unterschiedliche Interessen aufeinander

Wie überall in der Wirtschaft haben zwei Vertragsparteien jeweils eigene Interessen, die sie beim Verhandeln der Vertragsmodalitäten bestmöglich durchsetzen wollen. Beim Beauftragen von Freelancern steht auf der Auftraggeberseite zum einen im Fokus, dass die Leistung stimmt, und diese zweitens auch zu einem guten Preis angeboten wird. Das ist aus Unternehmersicht verständlich, denn schließlich soll sich die Investition in Content, Programmierleistung oder Buchhaltung auch rentieren. Es gibt in der freien Wirtschaft nichts zu verschenken.

Freelancer:innen hingegen finanzieren mit ihrer Arbeit ihren eigenen oder den Lebensunterhalt einer ganzen Familie. Sie haben ebenfalls Interesse daran, für ihre geleistete Arbeit einen angemessenen finanziellen Gegenwert zu erhalten.

Doch wie lässt sich dieses Dilemma am besten lösen und was ist jetzt eine faire Vergütung für Freelancer?

Eine Vergütung für Freelancer ist fair, wenn beide Parteien sich gut damit fühlen

Wenn zwei unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, besteht die Lösung immer in einem Kompromiss.

Die einfachste Lösung besteht darin, dass Auftraggeber ein Angebot einfach annehmen, ohne nachzuverhandeln. In diesem Fall ist die Vergütung fair, denn die Freelancerin oder der Freelancer hätte diese Preise nicht aufgerufen, wenn er diese nicht zuvor kalkuliert und sich wohl damit gefühlt hätte. Da der Auftraggeber das Angebot angenommen hat, scheint es auch für ihn ein faires Angebot gewesen zu sein.

Wenden wir uns doch aber auch der anderen Seite zu, denn bis  jetzt lag der Fokus bei unserem Fairness-Artikel primär auf Freelancer:innen. Doch wie steht es um die Auftraggeber? Eine faire Vergütung für Freelancer besteht auch darin, dass Auftraggeber das bekommen, was sie wollen. Es geht somit nicht darum, dass Freelancer:innen Fantasie-Stundensätze aufrufen können, sondern dass diese Preise auch den Marktpreisen, der eigenen Erfahrung, dem Arbeitsumfang und dem Projekt entsprechen.

Eine faire Entlohnung hat somit zwei Seiten und letztlich müssen sich beide Seiten damit wohlfühlen.

Für Freelancer hat das einen entscheidenden Vorteil: Verlange ich bei meinem ersten Auftrag viel und meine Leistung überzeugt den Auftraggeber nicht vollumfänglich, ist die Wahrscheinlichkeit groß, nicht weiter beauftragt zu werden. Entspricht das Preis-Leistungs-Verhältnis aber voll und ganz den Erwartungen meines Kunden, steht Folgeaufträgen in der Regel nichts entgegen. Damit Freelancer:innen bei der Preisgestaltung ihrer Leistungen nicht danebenliegen, ist eine genaue Kalkulation im Vorfeld wichtig. In diesem Beitrag verraten wir Ihnen, wie Freelancer Preise kalkulieren sollten.

Fairness bei der Vergütung verlangt auf Fairness bei der Auftragsdurchführug

Damit eine Bezahlung fair bleibt, muss auch meine Leistung als Freelancer stimmen. Und genau deshalb ist es wichtig, dass ich meine Preise gut kalkuliere und weiß, was meine Arbeit wert ist. Wer z. B. einen Auftrag annimmt, obwohl er mit der Vergütung eigentlich nicht einverstanden ist, riskiert, dass er seine Arbeit unmotiviert angeht und eher durchschnittlich durchführt. Sicherlich spielen bei Freelancern häufig auch Existenzängste bei der Preisverhandlung von Aufträgen eine Rolle. Lieber nehmen viele auch schlechter bezahlte Aufträge an, als gar keine Aufträge zu haben. Allerdings kann sich so ein Teufelskreis entwickeln: Schlechter vergütete Aufträge werden angenommen, diese werden mit weniger Motivation in schlechterer Qualität ausgeführt. Deshalb ist der Kunde unzufrieden und moniert Mängel. Es kommt zu Nacharbeiten, wodurch die Motivation nochmals sinkt. Gleichzeitig steigt der Druck, weil das Nacharbeiten Zeit für andere Aufträge knapper werden lässt. Der Stress nimmt zu, was sich wiederum auf andere Arbeiten auswirkt. Im schlimmsten Fall verliere ich als Freelancer nicht nur meinen aktuellen Kunden, sondern auch andere.

Es ist manchmal schwer, doch als Freelancer sollte ich einen Auftrag nur dann annehmen, wenn die Vergütung für mich stimmt, ich für die Ausführung motiviert bin und sicherstellen kann, die Arbeit in der vereinbarten Qualität zu liefern.

Das bedeutet Fairness gegenüber Auftraggebern.

Muss ich als Freelancer auf Preisverhandlungen eingehen?

Ein wichtiges Thema bei der Frage nach der fairen Vergütung von Selbstständigen ist das Verhandeln von Preisen. Hier gibt es keinen pauschalen Weg, der für jede und jeden Gültigkeit hat. Ich muss mich als Freelancer:in selbst fragen, ob ich bereit bin, im Preis nach unten zu gehen oder ob der Auftrag für mich dann erledigt ist. Hier ist auch wieder die goldene Regel: Wenn beide Parteien sich mit dem Ergebnis wohlfühlen, ist der Preis offensichtlich fair.

Manchmal ist der Weg zu einer Einigung gar nicht so schwer. Eventuell kann bei Texten eine Korrekturschleife mehr oder beim Softwareprojekt eine zusätzliche Beratungsstunde schon zum Ziel führen.

Wer weiß, dass sein Auftraggeber gerne verhandelt, kann einen einfachen Trick nutzen. Die Angebote werden preislich ein wenig höher angesetzt. Am Ende treffen sich beide beim gewünschten Preis und beide Parteien haben ein gutes Gefühl.

Warum es nicht fair ist, von Freelancern kostenlose Probearbeiten zu verlangen

Leider kommt es im Alltag von Freelancern immer wieder vor, dass potenzielle Auftraggeber mit einem lukrativen Jobangebot winken, im Vorfeld jedoch eine unvergütete Probearbeit verlangen. Ähnliches gibt es nicht zu selten bei Pitches um Marketing-Etats oder IT-Projekte. 

Kurz gefasst, kostenloses Probearbeiten ist nicht fair. Um einen kleinen Vergleich anzustellen: Würden dieselben Unternehmen ihre Produkte oder Dienstleistungen ebenfalls kostenlos „zum Ausprobieren” anbieten? Oder würden Sie bei einer Neubeauftragung eines Heizungsinstallateurs bitten, dass er die Heizung kostenlos „zur Probe” wartet, damit sie sich von der Qualität seiner Arbeit überzeugen können?

Wer Freelancer neu beauftragt, muss natürlich mit dem neuen Dienstleister auch erst einmal einen Workflow entwickeln und herausfinden, wie gut das Gegenüber ist. Das ist aber ein völlig normaler Prozess. Und es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, um herauszufinden, ob sein Gegenüber wirklich all die Fähigkeiten und Kenntnisse mitbringt, die für die erfolgreiche Durchführung eines Auftrags notwendig sind.

  • Referenzen: Auftraggeber können Freelancer um Referenzen für erfolgreich durchgeführte Projekte bitten. Möglich ist dabei auch, nach Ansprechpartnern zu fragen.
  • Lebenslauf: Wie bei Festanstellungen können Unternehmen auch vor der Beauftragung von Freelancern nach einem Lebenslauf fragen.

Und natürlich können auch Probearbeiten, Probetexte, Probetage vereinbart werden. Dann allerdings nur gegen eine Vergütung. Denn warum sollten nur Freelancer in das unternehmerische Risiko gehen, ihre Arbeitsleistung kostenlos zur Verfügung stellen, um am Ende möglicherweise leer auszugehen?

Unternehmen haben auch ohne kostenlose Probearbeiten viele Vorteile, wenn sie mit Freelancern zusammenarbeiten. Wenn sie Probearbeiten vergüten, erhöhen sie zum einen die Motivation auf Seiten der Freelancer, eine gute Arbeit abzuliefern. Zum anderen zeigen sie, dass sie fair sind und es Spaß machen könnte, für sie zu arbeiten.

Fazit: Fairness bei der Bezahlung ist eine Frage der Empathie und des Selbstwerts

Faire Honorare für Freelancer setzen zwei Dinge voraus: Einerseits sollten Unternehmen auch die Lage von Freelancern verstehen und überlegen, ob auch sie mit dieser Vergütung einverstanden wären. Andererseits sollten Freelancer wiederum ihre Preise so fair gestalten, dass diese ihrer Erfahrung, dem Marktwert und der gewünschten Leistung entsprechen.

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